Das moralische Gewissen Deutschlands

Robert Spaemann war ein unbequemer Philosoph. Stets hat er sich mit seinem klaren Verstand in die wesentlichen ethischen und kirchlichen Debatten in Deutschland eingemischt. Und ihm wurde zugehört. Nun ist er kürzlich im Alter von 91 Jahren gestorben.

Hier eine Würdigung von Manfred Lütz. R.I.P.

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Wenn ein Papst ein Machtwort spricht…

Es war Papst Innozenz XII. der Ende des 17. Jahrhunderts seine Stimme erheben musste, damit das Durcheinander ein Ende hatte. Für manche begann nämlich das Neue Jahr am 25. Dezember, andere feierten es am 6. Januar und wieder andere griffen auf die römische Sitte zurück, gemäß der am 1. März Neujahr war. Innozenz XII. legte für alle verbindlich den 1. Januar fest, den übrigens schon Kaiser Karl der Große für den idealen Jahresbeginn gehalten hatte.

Prälat Ludwig Gschwind stellt in seinem Büchlein 40 denkwürdige Jahrestage vor, an denen Weltgeschichte geschrieben wurde. Viele davon sind in Vergessenheit geraten. Etwa dass am Dreikönigstag 1525 in Mühlhausen nicht ein feierliches Hochamt zelebriert wurde, sondern fanatische Bürger mit roher Gewalt kostbare Bilder und wertvolle Figuren zerstörten: es war der Beginn des sogenannten Bildersturms, der die Reformation vielerorts begleitete. Oder dass am 2. Juni 455 die Vandalen Rom besetzten und damit den Untergang des weströmischen Reiches besiegelten. Viele der denkwürdigen Ereignisse erhellen die Geschichte des Papsttums, doch erwähnt der Priester und Autor zahlreicher theologischer und pastoraler Werke auch den 26. September 1983. An diesem Tag hätte die Welt untergehen können. Sie tat es nicht, weil Oberst Stanislaw Petrow Dienst hatte und besonnen reagierte, als die Computer in seinem Moskauer Überwachungszentrum Alarm auslösten: eine amerikanische Atomrakete nähere sich der Sowjetunion… Wie sich später herausstellte, handelte es sich um einen Fehlalarm, der den dritten Weltkrieg hätte auslösen können.

Ein kurzweilige Lektüre, die so manche kleine Bildungslücke in Sachen Welt- und Kirchengeschichte zu schließen vermag.

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Warum Liran ungehorsam war…

Wenn Gott ruft, dann darf man ihn nicht warten lassen. Doch tut Er dies nicht immer direkt, d.h. persönlich… Er bedient sich nicht selten anderer Wege, um die Herzen der Menschen zu erreichen.

Der kleine Hirtenjunge Liran hat dies sofort erfasst: Die Botschaft der Engel, ein Stern, der am Himmel aufgeht und den Weg weist, die Nachtigall und Nelu, das Lämmchen. Sie alle machen sich mitten in der Nacht noch vor den Erwachsenen auf den Weg und erleben als erste das Weihnachtswunder. Gemeinsam kümmern sie sich um das Jesuskind und dürfen die Geschenke der heiligen drei Könige bestaunen…

Silvia Schröer und Silke Schwarz haben die klassische Weihnachtsgeschichte kindgerecht  und herzerwärmend nacherzählt. Wunderschön illustriert wurde das Kinderbuch von der Franziska Harvey, die schon viele Bücher meisterhaft mit Tuschezeichnungen versehen hat.

Ein ideales Weihnachtsgeschenk für Familien mit kleinen Kindern. Das neue Kinderbuch sollte zum Vorlesen in christlichen Kindergärten und Kitas nicht fehlen!

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Besinnliche Glasharfenmusik zum 2. Advent

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Zeichen der Hoffnung für die Christen in Algerien

Heute am Hochfest der Mariä Empfängnis werden im algerischen Oran 19 algerische Ordensleute vom Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Giovanni Angelo Becciu, seliggesprochen. Sie wurden zwischen 1994 – 1996 in Algerien ermordet. Unter ihnen sind auch die sieben französischen Trappisten des Klosters Notre-Dame de l’Atlas im Norden Algeriens, die im März 1996 während des Bürgerkriegs entführt und gut zwei Monate später, Ende Mai, enthauptet wurden.
Zur Seligsprechung der sieben Zisterzienser hat der Bernardus-Verlag die vier Rundbriefe des damaligen Generalabtes Dom Bernardo Olivera in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Sie sind in der Zeit von 1996-97 verfasst und richteten sich an die Klostergemeinden des Ordens. Darin werden die grausamen Ereignisse im Licht des Glaubens gedeutet und die wichtigen Zeugnisse der Beteiligten dokumentiert (S. 12). Darüber hinaus situiert der Band über die Geschichte des Klosters und präsentiert biographische Daten der sieben Glaubenszeugen.

Ihr Martyrium war kein „Unfall“ – nein, es war im ewigen Heilsplan Gottes enthalten. Davon waren die sieben Brüdern vom Kloster Tibherine überzeugt. Sie waren bewusst im umkämpften Bürgerkriegsgebiet im Norden Algeriens geblieben und nicht ins benachbarte Marokko geflüchtet. Durch ihr einfaches und genügsames Leben wollten sie ein Refugium des Gebets und des Friedens für die umliegenden Orte sein. Ihre Kommunität war ein christliches Kloster in einem ausschließlich islamischen Umfeld, das jedoch seit Jahrzehnten einen intensiven interreligiösen Dialog mit Muslimen ihrer Gegend pflegte.

Ein lesenswertes und ergreifendes Zeugnis und erbaulicher Hintergrund des schon 2010 verfilmten Schicksals der Mönche – hier der Trailer:

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Tickets für die Arche Noah

Drei Pinguine leben am Südpol und philosophieren über die Existenz Gottes. Da fängt es an zu regnen und sie verstehen die Welt nicht mehr. Warum müssen alle Geschöpfe jetzt ertrinken? Kann Gott auch Fehler machen?

Ulrich Hub ist Regisseur und Kinderbuchautor. Dieses kleine Büchlein erobert sofort die Herzen von Kindern und auch Erwachsenen. Die abenteuerliche Rettung der drei Freunde aus der Sintflut ist eine mit Tiefgang verfasste kindgerechte Auseinandersetzung über wichtige Lebensfragen.

Ideal zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren. Aber auch für den Unterricht in der Schule geeignet.

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Existenziell obdachlos

So könnte man einen beachtlichen Teil unserer Wohlstandsgesellschaft beschreiben: obwohl es so gut wie allen Menschen materiell an nichts mangelt, sehen viele ihr Leben als sinnlos an, können sich für nichts wirklich begeistern, scheinen vom Leben gelangweilt und suchen verzweifelt nach Halt und Orientierung.
Der österreichische Philosoph und Schüler Victor Frankls, Prof. Alexander Batthyány, möchte nicht nur diese weit verbreitete Sinnkrise unserer Zeit aus seiner Praxis heraus analyisieren. Vielmehr ist das Anliegen seines Buches, Menschen gehbare Wege aus dieser Lebensskepsis und Resignation aufzuzeigen.
Im Grunde geht es dem wohl besten Schüler Frankls darum, den Menschen (nicht nur den psychisch Kranken) ihre Mitverantwortung für die Welt und die Menschen um sie herum bewusst zu machen – sie aus ihrer Lethargie herauszuholen und durch ihre neu versuchte Zuwendung zu anderen innerlich zu heilen.
Er verwendet dafür einen inspirierenden Vergleich: die Situation jedes Menschen sei die eines Orchesterspielers, etwa bei den Geigen, am Klavier, an der Flöte oder Harfe…  der Pauke… oder am Dirigierpult – egal: jeder Mensch sei aufgefordert, den Einsatz nicht zu verpassen! Denn genau hier sieht Batthyány das Manko unserer Gesellschaft: viele Menschen warteten zu lange… und verpassten ihren Einsatz… So verarme die zu spielende Musik, zu der doch alle Menschen aufgefordert seien, ihre Beitrag zu leisten.

Stück für Stück legt der Frankl-Experte mögliche Gründe der heute weit verbreiteten Teilnahmslosigkeit und passiver Daseinshaltung frei. Einer mag in der fehlenden Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer eigenen Endlichkeit und Vergänglichkeit liegen. Denn wer sich dieser Tatsache bewusst sei, können sein Leben nicht in ewiger Erwartung auf mögliche Ereignisse verbringen. Einen anderen Grund sieht Batthyány in dem Mythos des determinierten Menschen, der seiner Meinung nach in wissenschafltichen Kreisen weit verbreitet ist: Dass nämlich ein Mensch, der nie Liebe erfahren hat – etwa, weil er als Kind verwahrlost wurde – im späteren Leben auch nicht fähig sein wird zu lieben.
Batthyány sagt dazu: „Wenn wir dem Menschen nur oft genug eintrichtern, dass er ohnehin nicht anders kann, heben wir natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass er es gar nicht erst versuchen wird.“ (S. 86)
Einen Ausweg aus dieser tragischen Sackgasse zeigt er im exzellenten Kapitel „Von der eigenartigen Ökonomie der Liebe“ auf (vgl. S. 87ff). Einem Menschen mag es nicht möglich sein, physikalische Ressourcen wie Essen, Kleidung oder Wasser mit Bedürftigen unendlich zu teilen… doch wenn es um wirklich im Leben tragende Dinge gehe, dann gelten ganz andere nicht-physikalische Gesetzmäßigkeiten: „Liebe, Freundschaft, Zuwendung, Ermutigung, Aufmerksamkeit, Begeisterung, Lebensfreude, Interesse, Trost.“ Die Freundschaft mit einem Menschen macht uns nicht unfähig, weitere Freundschaften zu schließen – im Gegenteil: „Je mehr wir davon teilen, desto reicher füllt sich das Reservoir, aus dem wir schöpfen können, und desto mehr haben wir davon zur Verfügung.“ (S. 88) Anders ausgedrückt: Der Mensch kann durch Geben reicher werden. Und das ist es, was den eigentlichen Reichtum einer Person ausmacht und wo der Weg aus der geistigen Verarmung unserer Zeit ansetzten könnte.

Der Wiener Philosoph weist in seiner keineswegs leicht zu lesenden Studie in Anlehnung an die Erkenntnisse Frankls explizit auf die soziale Brisanz der aktuellen Sinnkrise hin. Denn „existenziell entwurzelte und verunsicherte Menschen sind politsch verführbarer“ (S. 24). Bei seiner Existenzanalyse dreht er gewissermaßen den Spieß um: nicht das steht im Vordergrund, was die Menschen von ihrer Umgebung erwarten können, um ein gutes Leben zu führen… sondern er fragt zuerst nach den Anforderungen, die das Leben an jede menschliche Existenz stellt und wie man diesen Anforderungen gerecht werden kann. Und genau darin sieht der Autor den rechten Weg, um ein gelingendes und erfüllendes Leben zu führen.

Ein lesenswertes Studienbuch sicherlich nicht nur für Menschen, die in der Psychotherapie beheimatet sind. Elisabeth Lukas weist im Nachwort darauf hin: „Es ist ein anspruchsvolles Werk, das Alexander Batthyány hier vorgelegt hat. Man sollte es nicht ‚zwischendurch‘ lesen, weil eine große Portion Mitdenken und „Sich-von-den-Inhalten-ansprechen-Lassen“ gefordert ist.

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