Generation Powerpoint

Quelle: www1.wdr.de/stichtag/stichtag8052.html

So kennzeichnet Björn Hayer die vielen Studierenden, die gerade das Abitur meist sehr gut bestanden haben und ihre ersten Vorlesungen an der Hochschule hören. „Ein Großteil denkt noch als Schüler, nicht als angehende Akademiker“, so urteilt der Autor eines unlängst in der Tagespost erschienen Beitrags. Warum ist das so? Ist denken heute wirklich zur Glücksache geworden?
Bevor sich der Unibetrieb durch den Bologna-Prozess völlig verändert hat, ist auch mit dem Schulwesen einiges passiert. Haupt-und Realschulen verschwinden zugunsten der Gymnasien und vor allem der Gesamtschulen. Sind denn die jungen Menschen heute wirklich alle auf demselben intellektuellen Niveau? Genügt es heute zum Abitur Fakten auswendig zu lernen? Es scheint so…
Welche Folgen dieser Akademisierungswahn für die Hochschulen und vor allem für die handwerklichen Berufe hat, kann man bei Hayer unterhaltsam nachlesen. Wie viele Studenten merken, wenn sie mit einem Studium begonnen haben, dass sie eigentlich fehl am Platze sind! Sie geraten in einen enormen Leistungsdruck, dem sie psychisch nicht gewachsen sind und dies kann fatale Folgen haben.
Ein wenig tiefer gräbt der Bielefelder Schulpsychologe Professor Rainer Dollase, der nach den Ursachen dieser Bildungshysterie fragt. In der Monatsschrift des Deutschen Philologenverbands bezieht er in einem zweiteiligen Beitrag ausführlich hierzu Stellung. Mehr noch: Dollase hierin mit der fatalen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte ab. Vor allem den falschen Wissensbegriff im Sinne von „Kompetenz“ anstelle von reflektiertem und verstandenen Inhalten nimmt er aufs Korn und das Modell der Einheitsschule, die zu einem immer tieferen Bildungsniveau führen muss. Er lässt den Leser aber nicht ganz im Regen stehen, sondern blickt auch in die Zukunft: Wenn die Noten sowieso kaum noch aussagekräftig sind, werden künftig die Universitäten und spätestens der Markt die Auslese der Geeignetsten treffen. Möge Dollase der neuen Landesregierung in NRW ein guter Berater in Sachen Schulbildung werden!

pdf Artikel Hayer DT        pdf Dollase Profil März 2017        pdf Dollase Profil April 2017

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Ethik für ein gelingendes Leben

Was muss ich tun, um wahrhaft glücklich zu werden? Ist das nicht die Frage des reichen Jünglings an Jesus? Ja. Und es ist die Optik unter der Rafael Hüntelmann den 6. Band seiner philosophischen Grundkurse über natürliche Ethik konzipiert. Einer Ethik, die sich als Wissenschaft versteht, „die auf Grund der Vernunft aus den tiefsten Gründen zu erkennen sucht, wie der Mensch leben soll, damit er sein Ziel möglichst gut erreicht“ (S. 7). Im Mittelpunkt dieses weiteren Buches zur Philosophie des gesunden Menschenverstandes steht der Mensch und seine Handlungen.
Die heute gängigen ethischen Positionen nehmen meist die Perspektive der dritten Person ein, die des neutralen Beobachters. Die menschliche Handlung wird dabei wie ein Präparat im Mikroskop von allen Seiten beleuchtet und beurteilt. Dabei fällt aus dem Blickfeld, was eine konkrete Handlung für den Menschen im Hinblick auf sein letztes Ziel bedeuten könnte.
Was versteht Hüntelmann nun unter „natürlicher Ethik“: gibt es denn unnatürliche und widernatürliche Ethiken? Es geht um eine Ethik, die sich an der Natur des Menschen orientiert und diese zum Maßstab des Handelns erhebt, auf deren Grundlage auch ein Sollen rational begründet werden kann. Die zentralen Thesen der natürlichen Ethik fasst Hüntemann in 7 Thesen prägnant zusammen (vgl. S. 45-48). Hier möchte ich nochmals auf den kleinen Band von Reifenberg über die christliche Anthropologie hinweisen, der gewissermaßen die Grundlage einer Ethik ist, wie sie die aristotelisch-thomistische Philosophie versteht, die der Autor hier bekanntlich vertritt.
Im ersten Teil des Buches werden die ethischen Grundbegriffe behandelt: das Gute, das Glück, Rechte und Pflichten, das Gewissen, die menschliche Natur und die Handlung. Zur besseren Einordnung der natürlichen Ethik erhält der Leser im letzten Drittel des Werkes auch eine kurze Übersicht der wichtigsten ethischen Strömungen unserer Zeit. Schließlich runden drei wichtige bioethische Themen Sexualethik, Abtreibung und Euthanasie den Grundkurs in Natürlicher Ethik ab. Die lange Liste weiterführender Literatur bezeugt, dass Hüntelmann weit über den Tellerrand der klassischen Philosophie hinausblickt und vor allem wichtiger Vertreter angelsächsischer Ethik mit in seine Ausführungen aufgenommen hat.
Ein weiterer lesenswerter Band nicht nur für philosophisch interessierte Laien!

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Frühling in Bildern

Tobias Melle ist Musiker und Fotograf zugleich. Beide Gaben vereint er in der kunstvollen Bebilderung bekannter Kompositionen. Hier eine Kostprobe aus Vivaldi’s Vier Jahrszeiten:

 

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Die unersättliche Leidenschaft zu lesen…

führt José Alberto Gutiérrez dazu, Bücher aus Müllbergen zu sammeln und sie vor allem Kindern in den Armenvierteln von Bogota zur Verfügung zu stellen. Hier erklärt der „Herr der Bücher“, wie er genannt wird, warum er das tut:

Ein großartiges Beispiel wie aus persönlicher Begeisterung für den Wert der Lektüre eine soziale Bildungsinitiative geworden ist.

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Den Sinn für Humor behalten…

hat der emeritierte Papst Benedikt XVI., der am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag feierte. Ein Porträt des Papstes zeichnet sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein in folgendem Interview mit Martin Rothweiler:

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Geschaffen für das Glück

Wer ist der Mensch? Viele Philosophen haben auf diese Frage nach einer Antwort gesucht: von Aristoteles bis Descartes, über Kant zur philosophischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts mit Scheler, Plessner, Gehlen und Portmann. Allen gemeinsam ist sicherlich die Erkenntnis, dass der Mensch im Gegensatz zum Tier ein denkendes Wesen ist. Doch sollen das nicht auch die Roboter bald können? Wie lange wird es noch dauern, bis die künstliche Intelligenz den Verstand des Menschen überrundet? Ob man philosophisch überhaupt den Menschen restlos erklären kann, auch darüber könnte man spekulieren.
Dies soll hier nicht weiter vertieft werden. Im kleinen Buch von Peter Reifenberg kann man eine knappe und tiefgehende Zusammenfassung der christlichen Anthropologie des Hl. Thomas nachlesen, wo philosophische Gedanken in theologische übergehen. Denn die Frage nach dem Menschen, seiner Herkunft und seines Ziels ist letztendlich eine theologische Frage. „Für das Glück geschaffen“, so könnte man in knappen Worten die thomistische Lehre über den Menschen zusammenfassen. Der Mensch verdankt sich nicht sich selber, ist kein Zufallsprodukt der Evolution, sondern geht aus den Händen Gottes hervor.

Abbild-Gottes-Sein, das bedeutet das Geschenk der Freiheit und Unsterblichkeit zu besitzen. Aber auch, ständig Unterwegssein, auf der Suche nach der Wahrheit, der natürlichen Neigung hin zum Guten zu folgen, letztlich Sehnsucht nach beständigem Glück. All dies hat Gott in die Natur des Menschen eingesenkt. Dass die Suche nach dauerhaftem Glück hier auf Erden keine endgültige Befriedigung findet, das Wissen auch solche Menschen, die religiös unmusikalisch oder nicht interessiert sind: jeder Mensch weiß um seine Neigung zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung und kennt den bitteren Nachgeschmack, wenn dieses kurze Glück eines leiblichen Genusses vorüber ist oder nach „mehr“ ruft…
Drei ausgewiesene Thomas-Experten, die 2013 bei einer Akademietagung des Mainzer Bistums zur Vertiefung der christlichen Anthropologie beigetragen haben, legen hier ihre verständlich verfassten Beiträge zum Nachlesen und Nachdenken vor. Arno Anzenbacher beginnt mit den philosophischen Grundlagen über die Leib-Seele Einheit des Menschen. Maximilian Forschner geht der Glücksfrage des Menschen nach und schließlich folgen von Eberhard Schockenhoff Gedanken darüber, wie der Mensch sein letztes Ziel im sittlichen Handeln erreichen kann.
Keine leichte Kost, doch überaus bereichernd, sofern man sich etwas Zeit für die Lektüre nehmen kann. Wer sich bemüht, diese Lehre zu verstehen, zu verinnerlichen und auch versucht, danach zu leben, der mag Halt und sichere Orientierung in existentiellen Krisen oder Situationen des eigenen oder fremden Leides finden.

Ich kann das kleine Werk allen Studierenden wie Lehrenden der einführenden philosophischen Fächer empfehlen und stelle gerne eine Infographik zur Verfügung, die in gewissem Sinne den Inhalt des Bandes zusammenfasst.

Metaphysische Situation des Menschen.pdf

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Freude ehrlicher Großzügigkeit

Diese bringt für mich der letztes Jahr prämierte ägyptische Kurzfilm „The other pair“ zum Ausdruck.

Die 20 jährige Regisseurin Sara Rozik aus Ägypten gewann damit einen Preis beim Luxor Film Festival.

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