Wer es fassen kann…

Der „normale Plan“ Gottes für den Menschen ist die Ehe. Die Körper von Mann und Frau sind offensichtlich aufeinander hingeordnet. Im Alten Testament kommt die Ehelosigkeit nicht vor – sie wurde sozusagen mit Jesus im Neuen Testament eingeführt. Wenn ein Priester oder auch ein Laie „um des Himmelreiches willen“ zölibatär lebt, stößt er oder sie auf Unverständnis. Das ist gegen den aktuellen Mainstream der menschlichen Selbstverwirklichung, der auch sexuelles Sich-Ausleben miteinschließt.
Kardinal Cordes beleuchtet in seinem neuen Buch auf die biblische Grundlegung der Jungfräulichkeit. Zu Beginn gibt er eine ausgezeichnete kurze Einführung in die Theologie des Leibes, die vom Hl. Johannes Paul II. schon zu Beginn seines Pontifikats in einer längeren Katechesereihe grundgelegt wurde. Dass gerade dieser Neuaufbruch heute auf zunehmende Ablehnung stößt, darf nicht verwundern.
Der Mittelteil des Buches widmet sich ausführlich Lebenszeugnissen großer Theologen und Heiliger, die überzeugend ehelos gelebt haben und mit ihrer Liebe andere Menschen für Gott begeistern konnten. Schließlich legt der emeritierte Kurienkardinal dar, wie Jungfräulichkeit Teil des göttlichen Heilsplanes und auch unverzichtbarer Bestandteil des Weihepriestertums ist.
Das ansprechend aufgemachte Büchlein möge vielen Menschen als Rückendeckung dienen, um sich bei der Auseinandersetzung über mögliche Berufungswege nicht beirren zu lassen.

Hier ein Interview mit Kardinal Cordes über sein Buch.

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Es gibt ein Zurück

Prof. Dr. George Delgado ist der Leiter der amerikanischen Vereinigung zur Aufhebung der Abtreibungspille (Abortion Pill Reversal). Seiner Erfahrung nach bereuen viele Frauen schon unmittelbar nach der Einnahme der Pille diesen Schritt getan zu haben. Was tun? Es gibt die Möglichkeit mit einer Progesterontherapie der Abtreibungspille entgegenzuwirken. In den USA wurde auf diesem Wege schon 730 Kindern das Leben gerettet. Um sich dem starken Gegenwind der Abtreibungsbefürworter und vor allem der Pharmaindustrie entgegensetzten zu können, hat Prof. Delgado umfangreiche klinische Studien unternommen, die zeigen, dass der RU 486 entgegengewirkt werden kann.
Ausführliche Informationen zur Wirkung der Abtreibungspille kann man auf dem Portal von Aktion Leben einsehen. Ein lesenswerter Hintergrundartikel über die aktuellen Möglichkeiten der Rettung eines Kindes nach Einnahme von Mifegyne ist unlängst von Alexandra Linder in der Tagespost und in der Ausgabe 131 von LebensForum erschienen.

pdf Artikel Linder

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Ich bin würdig

Um zu dieser Überzeugung zu gelangen, brauchte sie mehr als 40 Jahre. Dr. May Edward Chinn (1896-1980) war Anfang des 20. Jahrhunderts die erste schwarze Ärztin New Yorks. Eigentlich lag ihre Begabung in der Musik. Als hervorragende Pianistin studierte sie zunächst am Columbia University Teacher’s College, konnte aber wegen ihres rassistischen Professors keinen Abschluss machen. Doch fehlte es nicht an wohlwollenden Mentoren, die der begabten jungen Frau schließlich den Weg zur Medizin wiesen.
Kuwana Haulsey hat dem Lebenswerk May Chinns ein literarisches Denkmal gesetzt. Dabei konnte sie auf umfangreiche Recherchen von George Davis und Interviews mit Dr. Chinn aus ihren letzten Lebensjahren zurückgreifen.
In ihrer beeindruckenden Lebensgeschichte sticht ihr unermüdlicher Einsatz für die Ärmsten der Armen in Harlem hervor. Ohne ihre Mutter hätte May Chinn jedoch keine praktizierende Ärztin und später eine der führenden Spezialistinnen der Krebsfrüherkennung der USA werden können.

Damit die begabte Tochter sich ihren Studien widmen konnte, hat sie tagaus tagein hart gearbeitet, um die teuren Schulgelder für sie aufbringen zu können.
May Chinn hatte während ihres ganzen Lebens tausende Babys zur Welt gebracht und unzählige Menschenleben gerettet. Ihr war es aber nicht vergönnt, eine eigene Familie zu gründen. So starb sie weitgehend mittellos und wurde dennoch zu einer Heldin der Nächstenliebe.

Ihre Biographie ist sehr interessant und spannend zu lesen. Zart besaitete Leser sollten die teils plastisch geschilderten medizinischen Passagen auslassen.

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Homo indifferens

Quelle: Deutsche Bischofskonferenz

Religiöse Indifferenz und praktischer Atheismus beherrschen die Kultur der Gegenwart. Für viele Menschen ist es ohne Bedeutung, ob Gott existiert oder nicht. Es fehlt ihnen an nichts. Wirklich? Können Wissenschaft und moderne Technik den Sinn für Transzendenz und Religion im Menschen zum Schweigen bringen? Offensichtlich nicht. Denn es hat sich eine neue Suche nach Spiritualität entwickelt, die sich jedoch gänzlich von der traditionellen Glaubenspraxis unterscheidet.
Vor nun schon 15 Jahren hatte sich der Päpstliche Kulturrat mit der Frage des christlichen Glaubens vor der Herausforderung religiöser Indifferenz und neuen Formen der Spiritualität (etwa New Age) auseinandergesetzt. Seinerzeit wurde jedoch das Abschlussdokument nicht auf Deutsch übersetzt. Dies geschah erst Jahre später auf Wunsch des Vatikans und wurde von der theologischen Fakultät der Universität Erfurt übernommen.
Der Inhalt dieses Dokuments, auf das ich hier hinweisen möchte, ist weiterhin von großer Aktualität. Im Jahre 2004 wurden die Antworten einer weltweiten Umfrage zum Problem des Unglaubens, Irrglaubens und religiöser Indifferenz auf der Vollversammlung des Päpstlichen Rates diskutiert. Frucht dieser Auseinandersetzung ist eine 46 seitige Ausarbeitung, die im ersten Teil eine Analyse des Unglaubens und der religiösen Indifferenz und ihrer Gründe darlegt. Im zweiten Teil werden konkrete Vorschläge für den Dialog mit Nichtglaubenden gegeben und Wege aufgezeigt, wie eine Evangelisierung der Kulturen des Unglaubens und der Indifferenz erfolgen könnte. Hier die Zusammenfassung des Textes als Ansporn, sich dieser lohnenswerten Lektüre zu widmen:

„In einem zusammenfassenden Überblick über die Hinweise, Anregungen und Vorschläge von Menschen aus verschiedenen Kulturen der fünf Kontinente und ihre unterschiedlichen pastoralen Erfahrungen sollen die folgenden Punkte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, herausgehoben werden:

  • die Wichtigkeit, Zeugnis abzulegen, wie schön es ist, eine von Gott geliebte Person zu sein;
  • die Notwendigkeit, die christliche Apologetik zu erneuern, um mit Sanftmut und Respekt Auskunft zu geben über die Hoffnung, die uns beseelt (1 Petr 3,15);
  • den homo urbanus durch die öffentliche Präsenz in den Debatten der Gesellschaft erreichen und das Evangelium mit den Kräften, die die Kultur formen, in Kontakt bringen;
  • die Dringlichkeit, in Schule und Universität das Denken zu lernen und den zu Mut haben, angesichts der stillschweigenden Akzeptanz der herrschenden, oft vom Unglauben und von der religiösen Indifferenz geprägten Kultur durch ein neues und freudiges Angebot der christlichen Kultur zu reagieren;
  • den der Frage nach Gott gleichgültig gegenüberstehenden Nichtglaubenden, die jedoch an die menschlichen Werte glauben, zeigen, dass wahrhaft Mensch sein heißt, religiös zu sein, dass der Mensch die Fülle seiner Menschlichkeit in Christus, dem wahren Gott und wahren Menschen, findet und dass das Christentum eine frohe Botschaft für alle Menschen in allen Kulturen ist.“

pdf „Wo-ist-dein-Gott“

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Lehrmeisterin der Liebe

Heute feiert die Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt. Die Lehre über die leibliche Aufnahme der Mutter Gottes in den Himmel wurde erst 1950 von Papst Pius XII. feierlich verkündet. Was macht Maria seitdem dort oben?
Eine Antwort auf diese und viele andere Fragen zur Marienfrömmigkeit gibt uns Papst Franziskus persönlich. In einem geistlichen Gespräch mit Don Marco Pozza hat er die einzelnen Verse des Gegrüßest seist du, Maria kommentiert. Ein Gebet, das er und wohl viele Menschen als Kinder gelernt haben und was in Notsituationen wieder über die Lippen gleitet (vgl. S. 11).
Das Ave Maria ist „keine spirituelle Anstandsregel“, so Papst Franziskus. Vielmehr drückt sich hier die Sehnsucht nach Geborgenheit, Schutz und Fürbitte vieler Menschen aus.

Die persönliche Stellungnahme des Papstes zum bekanntesten Mariengebet möge nicht nur katholischen Christen als Wegweiser zur Muttergottes dienen, denn „Maria ist in einem ganz umfassenden Sinne Mutter: für jeden Sohn und jede Tochter absolute Aufmerksamkeit, Fürsorge und Nähe. In ihr sehen wir das Herz einer Frau, das, wie das Herz Gottes selbst, unerschiedslos für alle schlägt. Sie ist wahrhaftig das menschliche Antlitz der grenzenlosen Güte Gottes.“ (S. 10).

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Renaissance des Zarenreichs

Was ist Wahrheit? Die Frage des Pilatus lässt sich heute noch immer nicht beantworten. Schon gar nicht, wenn Macht im Spiel ist. Dann kann es sein, dass die Realität verzerrt oder gar neu erfunden wird, damit der Status quo erhalten und gefestigt werden kann.
Golineh Atai war von 2013 bis 2018 ARD-Korrespondentin in Moskau und ist für ihre Berichterstattung mehrfach ausgezeichnet worden. In ihrem Buch lässt sie die fünf Jahre ihrer Korrespondententätigkeit Revue passieren. Sie reiste von einem Krisenherd zum anderen und hat ihre Gesprächspartner in den verwegendsten Orten aufgesucht. Viele von ihnen sind wegen ihrer Rechtschaffenheit hinter Gittern gekommen, viele von ihnen leben nicht mehr.

Was ist die Wahrheit? Was war wirklich in Kiew geschehen, als im November 2013 auf dem Maidan die Unruhen begannen und in einen Bürgerkrieg eskalierten? War die Annexion der Krim nur die „Heimholung“ von Exil-Russen? Konnte der russische Geheimdienst wirklich die letzten Wahlen in den USA beeinflussen, so dass Donald Trump das Rennen machte? Dies sind nur drei Themenblöcke die Atai anhand konkreter Daten und Fakten hinterfragt und dem Leser zur eigenen Meinungsbildung überlässt. Sie schildert auch detailliert, wie sich im Zuge neuer digitaler Möglichkeiten die Waffen der Kriegsführung ändern. Gezielte Desinformationskampagnen werden vom Kreml eingesetzt, um Ereignisse etwa in der russischen Einflussnahme im Syrienkrieg zu verschleiern. Besondere Anstrengungen unternimmt der russische Staat derzeit auch, um große Linien seinen jüngsten Geschichte neu zu erfinden: „Die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Unwahrheit wird erschwert“ (S. 217).
Die Arme russischer Einflussnahme reichen immer weiter und sind aufgrund gezielter Cyberangriffe schwer vorherzusehen und zu bekämpfen.

Atais Buch ruft dazu auf, Russ­land ohne Illu­sio­nen zu begeg­nen. Sie schildert Russland als ein Land ohne Bürgerrechte. Wer Freund und wer Feind, wer gut oder böse ist, das wird von oben bestimmt. Auch wenn heute andere Nachrichten das aktuelle Tagesgeschehen ausmachen, so können die hier von Atai gewissenhaft recherchierten Hintergründe der autokratischen russischen Innenpolitik und aggressiven Aussenpolitik den Blick schärfen, was von dem, was uns die Medien berichten, wahr und was falsch ist…

Hier ein Interview der Autorin über ihr Buch.

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Priester auf ewig

Heute am 4. August gedenkt die Kirche des Heiligen Pfarrers von Ars. Der Weg zum Priestertum war alles andere als leicht für ihn. Nur mühsam kam er mit seinen Studien voran. Schließlich wurde er 1815 mit 29 Jahren in Grenoble zum Priester geweiht… Dass der Pfarrer von Ars einmal ein großer Heiliger werden würde… das ahnten seine Pfarrkinder sicherlich bald. Kurz nach seiner Weihe wurde Jean-Marie Vianney in das kleine Dorf Ars-sur-Formans entsannt. Nur mit großer Mühe und einigem Widerstand konnte der neue Pfarrer das sittlich und religiös verwahrloste Dorf zu neuem Glaubensleben erwecken. Er hat dafür kein geistliches oder körperliches Opfer gescheut.

Täglich verbrachte er bis zu 18 Stunden im Beichtstuhl und wurde so mit den Sorgen und Nöten seiner Beichtkinder vertraut, die ihn aus ganz Europa kommend aufsuchten. Diese pastorale Erfahrung floß sicherlich in seine vielen Predigten und Katechesen mit ein. Eine Auswahl seiner Gedanken hat Leonz Niderberger herausgegeben. Die Zusammenstellung der Texte erfolgt thematisch und streift die großen Themen des katholischen Glaubens: Liebe zur Eucharistie, die heilige Messe, das Gebet, Sünde, Buße…  Niderberger lässt den heiligen Pfarrer zu Beginn einige Worte über den Priester sagen, die in der heutigen Diskussion um die Rolle der Priester in unseren Gemeinden von großer Aktualität sind: „Der Priester ist nicht Priester für sich, er kann sich nicht selbst von seinen Sünden lossprechen, er spendet sich nicht die Sakramente. Er ist nicht da für sich selbst, sondern für euch“ (S. 24).

Die Predigtauszüge wenden sich nicht nur an Priester oder Ordensleute. Sie können für das persönliche Beten eine große Inspirationsquelle sein.

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