Metaphysische Heimatlosigkeit des modernen Menschen

Kann man noch mit Optimismus in die Zukunft blicken? Kriege, Hungersnöte, Terror, Unterdrückung, Verletzung von Menschenrechten… Aber auch: mehr Wohlstand, weniger Kindersterblichkeit, Trinkwasser. Und trotz allem Wohlstand (in Europa oder Nordamerika) sind viele Menschen dennoch unglücklich oder unzufrieden. Sie sind einsam und ihr Leben scheint wenig Sinn zu machen.
Mit unserer Gesellschaft ist etwas grundsätzlich nicht in Ordnung. Johannes Hartl ist nicht der erste, der dies diagnostiziert. Doch einer der wenigen Autoren heute, der die Schwarzmalerei nicht mitmacht und mit großem Tiefgang eine Gegenposition entwirft. Sein Buch ist ein Buch der Hoffnung.

Auf welche Zukunft wollen wir bauen? Menschen sind und haben etwas, das Maschinen nie werden haben können – das Menschliche. Es gibt Ressourcen des Menschlichen, deren Zerstörung mindestens genauso gefährlich ist, wie der Klimawandel. Deshalb brauchen wir nach Hartl eine neue Ökologie, eine Ökologie des Herzens.

Um dem Geheimnis des gelingenden Lebens auf die Spur zu kommen, entführt Hartl seine Leser regelmäßig in seinen kleinen Garten am Rande der Stadt… oder in der Erinnerung an den großen Garten seiner Kindertage. Die Verbundenheit mit der Natur bringt den Menschen zu seinem letzten Ursprung, den Garten Eden, lässt ihn Ruhe und Erholung finden. Für den Gründer des Augsburger Gebetshauses gibt es drei zentrale Nährstoffe, die den Garten des Menschlichen vital halten:
– Verbundenheit
– Sinnorientierung und
– Schönheit

Hartl beleuchtet die drei Geheimnisse für ein gelungenes menschliches Leben anhand relevanter Forschungsergebnisse aus Psychologie und Philosophie. Aber auch diese Geheimnisse sind bedroht und müssen wieder entdeckt werden.

Unter Sozialwissenschaftlern besteht großer Konsens darüber, dass Bindung und Verbundenheit (vor allem in früher Kindheit) die Grundlage emotionaler Gesundheit sind. Gelingendes Leben ist untrennbar mit der Verbundenheit zu anderen Menschen, zu sich selbst und zu Gott. Bewegt sich ein Mensch sicher innerhalb dieses dreifachen Koordinatensystems, kann sein Leben gelingen. Hier sieht Hartl ein zentrales Geheimnis des Menschseins. Ausführlich stellt er dar, wie sich fehlende Verbundenheit heute zu einer regelrechten Bindungskatastrophe ausgeweitet hat. Vielen Menschen fehle ein „sense of belonging“ (S. 47), das Gefühl, etwa bei der Arbeit dazuzugehören. Die Folge ist nicht selten extreme Einsamkeit. Über die sozialen Medien sind wir vernetzter denn je, dennoch mangele es an Mitgefühl und der Bereitschaft, andere zu verstehen. Soziale Kälte wächst.

Da es anscheinend keinen Bereich der emotionalen Gesundheit gibt, der nicht mit dem Thema Verbundenheit zu tun hätte, geht Hartl diesem Aspekt noch weiter nach und identifiziert Feinde der Verbundenheit wie der Selbstoptimierungskult, die Schnelllebigkeit der Arbeits- und Freizeitwelt oder auch den Verlust an Sensualität oder körperlicher Nähe. Hartl prophezeit, dass emotionale Stabilität eine der Kernkompetenzen der Zukunft sein wird und zeigt auch Wege auf, wie diese neu errungen werden kann.

Eine weitere Herzensressource, die Hartl aufspürt, ist der Sinn des Lebens. Der moderne Mensch zeichne sich durch metaphysiche Heimatlosigkeit aus (s. 116). Manche Menschen werden durch einen Schicksalsschlag oder eine Krankheit, Trennung ganz plötzlich mit der Sinnfrage konfrontiert. Je nach psychischer oder physischer Verfassung kann sich ein Gefühl von Sinnlosigkeit ergeben und zu seiner schweren psychischen Krise werden. Um den eigenen Lebenssinn muss jeder Mensch immer wieder neu ringen, sich dafür auch Freiräume schaffen, ihn aufzuspüren. Unsere Kultur der Ablenkung (S. 142) macht es gerade jungen Menschen nicht leicht, innere Freiräume für die Sinnfindung zu schaffen.

Das dritte Geheimnis, mit dem wir wieder zu unserer inneren Stabilität und Lebensfreude finden werden, ist die Schönheit. Doch ist Schönheit oder Ästhetik lediglich eine Frage des Geschmacks oder lassen sich auch objektive Kriterien dafür ausmachen? Wenn ja wie? Mit Worten einer befreundeten Architektin Anna erklärt Hartl, dass „Schönheit ist ein Ort, den man nicht mehr verlassen möchte“ (S. 199). Schönheit könne man nicht definieren. Ebenso die Wahrheit, das Gute oder das Sein… so sei der Begriff der Schönheit so grundlegend für unser Denken.
Hartl nimmt den aufmerksamen Leser mit auf eine Reise durch die Philosophie- und Kunstgeschichte um zu erläutern, warum das Schöne nicht mehr in die Kultur des 20. Jahrhunderts oder gar unserer Zeit der Postmoderne zu passen scheint. Der Kult des Funktionalen und unsere Wegwerfkultur haben den Blick auf das Schöne verzerrt.

Schließlich, so resümiert der Autor selbst, handle das ganze Buch von den Nährstoffen, die den Garten Eden des Menschlichen ausmachen: Verbundenheit, Sinn und Schönheit. Hartl legt die drei Geheimnisse nebeneinander und findet, dass es eigentlich um ein Nachhausekommen, um Heimkommen geht. Wo immer wir Verbundenheit spüren und von Sinn und Schönheit umgeben sind, sagt das Innere spontan: „Für so einen Ort bin ich gemacht, hier fühle ich mich wohl“. (S. 258)

Eine mehr als lohnenswerte Lektüre voller tiefer Einsichten in die großen Zusammenhänge des Lebens, der Kultur und unserer Gesellschaft.

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Die Liebe hält allem stand

Lina und Jonas verstehen die Welt nicht mehr. Am 14. Juni 1941 werden sie zusammen mit ihrer Mutter vom russischen Geheimdienst abgeholt. Sie haben nur eine halbe Stunde Zeit, einige Habseligkeiten zu packen. Zusammen mit schätzungsweise 50 bis 60 Tausend Menschen werden sie in Viehwaggons nach Sibirien deportiert.

Gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 sollten die baltischen Staaten im Kriegsfall an die Sowjetunion fallen. Dies geschah im Sommer 1940 mit der Verschleppung der politischen Elite und der Intelligenz des Landes. Ein Volk sollte ausgelöscht werden. Die russiche Besatzung dauerte 50 Jahre an. Erst 1990 erklärt Litauen seine Unabhängigkeit von Russland.

Woher wissen wir vom Schicksal dieser unschuldig verhafteten Menschen und ihrer Verbannung nach Sibirien? Ruta Sepetys hat Vorfahren in Litauen und bekam die Aufzeichnungen von Lina. Diese wurden 1995 zufällig von Bauarbeitern in Kaunas entdeckt und stammen aus dem Jahre 1954, also nach ihrer Rückkehr aus dem sibirischen Arbeitslager.

Die wahre Geschichte einer Familie aus Litauen steht für unzählige Schicksale aus der Zeit unter Stalins Willkürherrschaft. Neben den reinen Fakten des unvorstellbaren Leidens dieser Menschen, scheint wie ein Licht die menschliche Größe von Linas Mutter. Diese lehrt ihre Kinder den Funken Wärme und Herzlichkeit auch in ihren Peinigern zu entdecken und zu würdigen. Sie macht ihnen vor, wie man das Wenige zum Leben auch noch mit anderen Menschen teilen und dabei ein wenig Glück empfinden kann. Damit hat sie ihren Kindern einen Schatz fürs Leben mitgegeben, der ihnen geholfen hat, diese Hölle zu überstehen und die Selbstachtung nicht zu verlieren.

Eine beeindruckende Lebensgeschichte, die zeigt, was die Liebe in den Menschen an Kräften zu wecken vermag.

Weiterführende Links:

https://www.dw.com/de/litauens-dunkle-vergangenheit/av-41141754

und die filmische Verarbeitung der Deportation von Letten nach Sibirien in The Crosswind:

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Auf Herbergssuche in Sibirien

Was als Abenteuer in jungen Jahren begann… endete in einem mehr als ein halbes Jahrhundert dauernden entbehrungsreichen Leben. Liesel verlor früh ihre Eltern und reist im Frühjahr 1912 mit ihrem Onkel und seiner großen Familie nach Russland. Ihr Onkel gehört zur Gruppe der Mennoniten, die als Siedler in der Schwarzmeerregion eine neue Heimat gefunden hatten. Als Haushaltshilfe findet sie dort schnell Gefallen an der neuen faszinierenden Umgebung. Doch bald beginnt sich ihr Schicksal mit den Wirren der russischen Revolution zu wenden und wird ihr ungeahnte Opfer abverlangen. Nach Sibirien verbannt wird sie gänzlich von ihren Geschwistern in Deutschland getrennt und soll diese erst 55 Jahre nach ihrer Übersiedelung wieder sehen…

Dass wir vom aussergewöhnlichen Lebensweg der Elisabeth Thiessen etwas erfahren, verdanken wir ihrer Nichte, Charlotte Hofmann-Hege. Diese hat nach dem Tod ihrer Tante anhand ihrer Tagebuchaufzeichnungen und ihrer Korrespondenz aus der Zeit Lenins und Stalins ihr beeindruckendes Leben nachgezeichnet.

Wie kann ein Mensch, dem ähnlich eines Hiob, alles genommen wurde nicht verzweifeln? Liesel war glücklich mit Wanja verheiratet, sie hatten fünf Kinder. Doch musste sie, ständig in die Flucht getrieben, in größter Armut leben und nach einander ihre Kinder in sibirischer Erde begraben. Ihr Leben war das einer Zwangsarbeiterin, die gelernt hatte, mit wenig zufrieden zu sein und das Wenige auch noch mit Nachbarn und Freunden zu teilen. Sie hatte sich ihren Glauben bewahrt und ihre ganze Hoffnung auf Gott gesetzt.

Als sie im Jahr 1967 wieder deutsche Erde betritt, versteht sie die Welt nicht mehr… sie macht ähnliche Erfahrungen wie sie später auch Tatjana Goritschewa machen wird… Die Menschen in ihrer alten Heimat haben „das Leiden verlernt“ (S. 161), der Alltag ist geprägt von Hektik und Konsum.

Eine sehr lesenswerte Biographie einer Frau, deren Schicksal sicherlich von vielen Menschen geteilt wurde und wird.

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Liturgische Existenz

Mit dem Image der katholischen Priester steht es nicht zum besten. Zu sehr haben die jüngsten Missbrauchsskandale das Priestertum ins Miskredit gebracht. Worin besteht das wahre Wesen des Priesterseins und wie können Priester heute ihre Identität bewahren?

Robert Kardinal Sarah war Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Er weiß, worin die zentrale Aufgabe der Priester besteht und möchte mit seinen Meditationen einen Prozeß anstoßen, das Bild der Priester in ein neues Licht rücken. Es geht vor allem um Erneuerung „zu Füßen Jesu, unseres Hohenpriesters“ (S. 14).

Bei seinen Meditationen übergibt Sarah zunächst das Wort an große Lehrer des Christentum, die jeweils einen Aspekt des priesterlichen Lebens in den Mittelpunkt stellen. Im Anschluss daran deutet der Kurienkardinal diese Texte im Hinblick auf die Krise der Kirche (nicht nur der deutschen Kirche).

Ganz opportun beginnt Sarah mit einem Text der Hl. Katharina von Siena, die sich im 14 . Jahrhundert mit der desolaten Situation eines Papstes im Exil konfrontiert sah und nichts unversucht ließ, diesen wieder nach Rom zurückzuholen… Echte Reform der Kirche führt sie zu ihrem einzigen Auftrag zurück: Jesus Christus den Menschen gegenwärtig zu machen. Mit Papst Gregor dem Großen kommt ein weiterer großer Kirchenlehrer des 6. Jahrhunderts zu Wort, der vor allem um die priesterliche Heiligkeit besorgt war, denn mittelmäßige Hirten seien für die gesamte Herde eine große Gefahr.

Es sei nicht möglich und auch nicht nötig, das Priestertum ständig neu zu definieren – je nach den augenblicklichen pastoralen oder regionalen Bedürfnissen. Hier schaue man klüger auf das, was jahrhundertelange Tradition der Kirche ist. So kann der Leser eine längere Passage aus dem Schreiben ‚Pastores dabo vobis‘ aus der Feder vom Hl. Johannes Paul II. lesen, das die bleibende Lehre zum Wesen des Priestertums zusammenfasst. Es weist aber auch auf mögliche Irrtümer hin, die dann aufkommen, wenn das Priestertum auf bestimmte Funktionen, etwa die Spendung der Sakramente, auf ein „Machen“ reduziert wird, und das eigentlich Wertvolle, das „ipse Christus-Sein“ aus dem Blickfeld gerät.

Eine Reform des priesterlichen Lebens müsse, so Sarah, vor allem eine Reform des Innenlebens der Priester sein (vgl. S. 93). Es sei an der Zeit, die Berufung zum Gebet neu zu entdecken. Aber vor allem sei das priesterliches Leben wie das christliche Leben, „liturgische Existenz“, eine Existenz in ständiger Beziehung zum Herrn. Im Hinblick auf die Tendenz zur Verweltlichung, mahnt Sarah zu großer Wachsamkeit. Nur ein Leben in Demut und echter Armut könne das Priestertum aus dieser Sackgasse herausführen.

Mögen diese Betrachtungen vielen Priestern helfen, ihre wahre Identität wieder zu entdecken und zu bewahren.

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Wenn du etwas tun willst, dann musst du es nur versuchen…

Mit diesem Grundsatz geht William Kamkwamba durchs Leben. Er hat es nicht einfach. Malawi, seine Heimat, gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas. Sein Vater ist Farmer und als er die höhere Schule besuchen soll, bricht eine Hungersnot aus und die Familie kann das Schulgeld für ihren einzigen Sohn nicht aufbringen. Doch er lässt sich nicht vom Lernen abbringen. Aus der Dorfbibliothek leiht er sich vor allem Physikbücher aus, die er bald auswendig kennt. Getrieben von der Sorge für die Familie und geplagt von Zukunftsängsten, beginnt er mit primitivsten Mitteln seine Erfindungen zur Stromerzeugung in die Tat umzusetzten. Dafür wird er zunächst belächelt und auch verspottet. Später wird die Weltöffentlichkeit auf ihn aufmerksam und er wird sogar zu einem TED-Talk eingeladen…

Bayan Mealer hat die beeindruckende Lebensgeschichte von William aufgeschrieben, um vielen Menschen Mut zu machen, für ein besseres Leben und eine bessere Welt zu kämpfen. William hat später in Südafrika studiert und konnte seiner großen Familie ein Leben in Würde ermöglichen. 2008 gründet William das Moving Windmills project, das für die großen Probleme seines Heimatlandes kreative Lösungen erarbeitet und erfolgreich umsetzt.

Seine Geschiche wurde 2019 von Netflix verfilmt.

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Die Zukunft der Kirche

Darum geht es den Machern dieser gehaltvollen Internetplattform. „Die Initiative Neuer Anfang ist im Frühjahr 2021 aus dem „Arbeitskreis Christliche Anthropologie“ heraus entstanden und eine freie Initiative, worin Christen, die Anthropologie, Ethik, Philosophie, Theologie und Publizistik lieben, ein neues Gespräch eröffnen“, so liest man auf der Startseite.

Hier werden alle Themenbereiche aufgegriffen, die auch den Foren des sogenannten Synodalen Wegs aufgegriffen wurden.

Neben vielen von hochkarätigen TheologInnen und PhilosophInnen verfassten Beiträgen, gibt es auch alle Beiträge der bisher fünf online-Studientage als Videobeiträge einzeln anzusehen. Besonders empfehlen möchte ich an dieser Stelle einen Beitrag von Bischof Oster, der mit äußerster Klarheit in einem längeren Beitrag für die katholische Zeitschrift COMMUNIO eine kritische Analyse des synodalen Wegs verfasst hat.

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Ungewisse Reise in den Norden

Die Nachkriegsjahre sind auch in Italien äußert schwierig. 1946 werden unzählige Kinder aus dem Süden Italiens vorübergehend zu Familien nach Norditalien verschickt, um dort aufgepeppelt zu werden.
Wie es einem kleinen Jungen auf dieser Fahrt in eine ungewisse Zukunft ergangen sein mag, erzählt der historische Roman von Viola Ardone. Amerigo Speranza wurde von seiner Mutter Antonietta für die Verschickung Modena. Sie ist alleinerziehend und kann weder lesen noch schreiben. Amerigo ist eigentlich ein guter Schüler, jedoch muss er auch das Einkommen mit aufbessern, was er mit Lumensammeln tut.

In Modena hat er mit seiner Gastfamilie großes Glück: er lebt mit mehreren Geschwistern auf einem Bauernhof und darf seinem Gastvater in der Werkstatt beim Restaurieren von Instrumenten helfen. Seine Liebe zur Musik kann er dort weiter entfalten und kehrt nach dem Jahr mit einer eigens für ihn gebauten Geige nach Neapel zurück. Dort wird er von der Armut und Trostlosigkeit der Lebensumstände seiner Mutter schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt. Als sie seine Geige verkauft, um davon Nahrungsmittel zu kaufen, ist sein Entschluss endgültig. Er fllieht zu seiner neuen Familie nach Norditalien…


Amerigo kehrt erst nach 50 Jahren wieder in seiner Heimatstadt zurück, um seiner verstorbenen Mutter die letzte Ehre zu erweisen.

Viola Ardone lässt ihren Protagonisten in erster Person erzählen. So wird der Leser durch die kindliche Sprache unmittelbar mit den Ängsten, Freuden und Sehnsüchten eines Jungen vertraut gemacht, der sich nach einer heilen Welt sehnt, diese aber auch im späteren Leben nicht wirklich finden kann. Ardone ruft mit ihrem Roman eine Episode italienischer Nachkriegsgeschichte in Erinnerung.

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Platz für Gott machen

Seit ihrer Taufe ist alles anders. Seit diesem Tag führt Aline Schreiber eine Fernbeziehung. Seitdem fühlt sie sich nie mehr alleine… denn sie hat in ihrem Leben Platz für Gott gemacht. Wie kam es dazu?
Aline gehört zu den Menschen, die im Beruf sehr erfolgreich sind, aber mit „Gott nichts am Hut haben“. Den frühen Verlust ihres Vaters hat sie nie wirklich verarbeitet und diesen Schmerz verdrängt. Sie hat die Warnsignale ihres Körpers und ihrer Seele überhört und musste sich, als nichts mehr ging, in Behandlung begeben. Dieser Einschnitt hat sie für den Glauben empfänglich gemacht. Sie wird in einer katholischen Gemeinde sehr herzlich aufgenommen, wo sie schließlich die getauft und gefirmt wird und auch zur Erstkommunion geht.

Dieses Ereignis hat ihr gesamtes Leben grundlegend verändert – zum Guten. Und weil das so ist, hat sie das Bedürfnis, möglichst vielen Menschen Mut zu machen, diesen Schritt zu gehen, es mit Gott zu wagen, denn die Taufe ist immer ein Gewinn. Deshalb hat ihre zu tiefst existenziellen Erfahrungen aufgeschrieben und in diesem Buch vorgestellt.

Wer sich mit Aline auf den Weg machen möchte, kann mit ihr die Wirkung der ersten heiligen Messe teilen, aber auch die großen Feste des Kirchenjahres wie Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Weihnachten aus der Perspektive einer Neugetauften erleben. Es sind aber nicht nur die liturgischen Highlights, die auch bereits praktizierenden Christen neue Impulse geben können. Schreiber erzählt vor allem, wie Gott in ihrem Alltag Raum einnimmt:

„Ich habe Zeit exklusiv nur mit ihm verbracht. Ich bin nicht mehr stundenlang ins Fitnessstudio gegangen, habe aufgehört, mich zu verquatschen, bin an meinem Themen drangeblieben für die Gott mich beauftragt hat, drangeblieben und habe gemerkt, dass es Früchte trägt, was ich tue. Ich habe Gott jeden Morgen gefragt, wohin ich heute gehen soll. Ich habe mich lenken lassen und ihm vertraut. Ich bin viel mehr in die Stille gegangen, und oft verspürte ich danach eine unbändig große Dankbarkeit in mir aufsteigen.“ (S. 67)

Sie dachte lange, dass Jesus nicht in ihr reales Leben passen würde. Seit sie getauft ist, findet sie Zeit, kleine Dienste für die Pfarrei zu erledigen oder ältere Menschen zu begleiten. Kurz: „Nächstenliebe steht immer vor ‚Me-Time‘.“ (S. 154)

Ein beeindruckendes Glaubenszeugnis einer jungen Frau, die ihre neue Lebensfreude und ihren neuen Lebenssinn mit vielen Menschen teilen möchte und keine Scheu hat, sich als Christin zu outen.

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Die Stunde der Laien

Worin besteht die Aufgabe der Christen in der heutigen Welt? Sie sollen, wie im Evangelium steht, Sauerteig, Licht und Salz sein… Das bedeutet, da wo sie leben und arbeiten mit Überzeugung die christlichen Werte leben und die Botschaft des Evangeliums anderen Menschen weitergeben. Dass dies nicht mehr selbstverständlich für alle Getauften gilt und auch nicht ohne Hilfestellung zu meistern ist, davon handelt das Gespräch mit dem derzeitigen Prälaten des Opus Dei, Fernando Ocáriz.

Ein zentraler Gedanke der Spiritualität des Opus Dei ist die Heiligung der Arbeit. Kann dies gelingen, wenn vielerorts Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen oder gar ausgebeutet werden? Ocáriz räumt ein, dass dies gewiss nicht leicht ist und verweist auf Menschen wie die afrikanischen Ordensfrau Josefina Bakhita, die gerade durch ihr großes Leid während ihrer knechtlichen Arbeit Gott begegnet ist. Christen seien dazu berufen, gerade durch ihren jeweiligen Beruf die Welt der Arbeit zu humaniseren, sich für faire Arbeitsbedingungen einzusetzen und als Unternehmer ihren Arbeitnehmern gegenüber fürsorglich zu sein.

Im Gespräch mit der Journalistin Paula Hermida Romero kommen noch viele Themen zur Sprache, etwa die Herausforderungen der digitalen Technologien für das geistliche Leben oder auch die praktische Vorbereitung junger Menschen auf die Ehe. Über den Wert der Freundschaft und das richtige Verständnis von Freiheit, vor allem im Hinblick auf eine Berufung zum zölibatären Leben als Priester oder im Laienstand, darüber hat Prälat Ocáriz in frührern Pastoralbriefen bereits ausführlich Stellung bezogen. Hier lässt er sich auf die unbequeme Frage ein, ob es in der Vergangenheit etwa Fälle gegeben haben mag, dass junge Menschen unreflektiert dem Werk beigetreten sind.

Der gedankliche Streifzug durch die grundlegenden Fragen des Christseins mögen nicht nur für die Mitglieder der Prälatur interessant sein, sondern auch Inspirationsquelle für alle Menschen sein, die ihr Engagement als Getaufte ernster nehmen möchten.

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Sei Botschafter für das Leben

Mit diesem Appell wendet sich das neue Bioethik-E-Book vor allem an junge Menschen. Im Juni 2022 hat das EU-Parlament seine Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, allen Frauen einen Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung zu gewährleisten. Was bedeutet das konkret? Gibt es jetzt ein Recht auf Tötung ungeborenen Lebens? Welche Haltung hat hierzu die katholische Kirche?

„Mit diesem Handbuch der Bioethik möchten wir jungen Menschen aus aller Welt ein praktisches und aktuelles Instrument an die Hand geben, um einige der Fragen zu beantworten, die ihnen angesichts der großen Herausforderungen, die der wissenschaftliche und technologische Fortschritt mit sich bringt, durch den Kopf gehen“, schreibt der Präfekt des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben, Kardinal Kevin Farrell, im Vorwort zum jetzt auch als E-Book verfügbaren Leitfaden. Es gehe um „klare, einfache, aber umfassende Antworten, die jungen Menschen helfen können, die Wahrheit über die Schönheit und Einzigartigkeit jedes menschlichen Lebens zu erfassen“.

Die einzelnen Kapitel behandeln alle ethisch relevanten Fragen vom ersten Augenblick der Empfängnis bis hin zur Euthansie und Organspende. Die ansprechenden Graphiken und Texte sowie FAQs vermitteln die Inhalte kurz und prägnant.

Die „Schlüssel zur Bioethik“ wurden von der Stiftung Jérôme Lejeune und dem Dikasterium für Laien, Familie und Leben des Heiligen Stuhls gemeinsam entwickelt.

Das Bioethik-E-Book ist bisher auf Englisch, Portugiesisch, Spanisch und Italienisch kostenlos runtergeladen werden.

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