Gegen eine Versachlichung des Lebens

Wahrheit transzendiert Raum und Zeit. Nur weil etwas vor vielen Jahren gesagt oder geschrieben wurde, muss es heute nicht falsch oder unwichtig sein. Dies trifft auch für die in den 1970er Jahren zuerst veröffentlichen scharfen Analysen des Atomphysikers und Naturphilosophen Max Thürkauf zu.
Die Sorge um den Menschen stand stets im Mittelpunkt des Wirkens und Denkens Thürkaufs. Dass dieser im Zuge des Materialismus moderner Naturwissenschaft in Mitleidenschaft gerät, etwa weil diese sich, damals wie heute anschickt, den Menschen manipulieren oder gar verbessern zu wollen. Wir sprechen heute von Transhumanismus oder human enhancement. Thürkauf erkannte früh, dass die Angriffe auf die Grundfeste der abendländischen Kultur durch die materialistischen Züge der Naturwissenschaften in einer zunehmenden Abkehr von Gott begründet liegen. Persönlich hat er seine religiöse Grundentscheidung gegen Gott 1981 mit seinem Wiedereintritt in die katholische Kirche revidiert.
Die Gedanken, die hier vorgetragen werden, wenden sich teils gegen die seinerzeit bekannten und anerkannten Wissenschaftler wie Jacques Monod, Manfred Eigen oder Hoimar v. Dithfurth. Sie vertraten Thesen der Selbstentstehung des Lebens aus „toter Materie“ und führten schließlich alle Äußerungen des Lebens auf die physikalischen und chemischen Gesetzlichkeiten der Materie zurück.  Nicht selten waren sie überzeugte Atheisten.
Auf mehr theologischem Gebiet geht Thürkauf den von Teilhard de Chardin und nach ihm in Karl Rahner vertretenen Thesen auf den Grund, auch in Gott gebe es substantielle Veränderung und die in den Evangelien beschriebenen Wunder könne man „weg-rationalisieren“. Thürkauf hat viele Wege aufgezeigt, wie man dem naturwissenschaftlichen Materialismus durch eine erneute Zuwendung zum christlichen Glauben begegnen könne. Dass er dabei wie David einem Goliath gegenüberstand, war ihm zutiefst bewusst.

Die vorliegende Neuauflage des Buches „Technomanie – die Todeskrankheit des Materialismus – Ursachen und Konsequenzen der technologischen Maßlosigkeit unserer Zeit“ ist ein prophetischer Ruf, der auch 50 Jahre nach dem ersten Erscheinen die Gewissen der Wissenschaftler und Politiker wachrütteln kann.

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Koffer, Kühlschrank, Knoblauch –

mit diesem Dreisatz wurden in den 1960er Jahren Migranten (vormals „Gastarbeiter“) aus Südeuropa abgestempelt. Dies galt auch für die griechische Familie Zervakis. Sie kamen in diesen Jahren nach Hamburg und betrieben für ihren Lebensunterhalt einen Kiosk. Linda wurde also schon in Deutschland geboren und  sowohl griechisch als auch deutsch sozialisiert. Letzteres dank einer wohlmeinenden deutschen Tagesmutter und dank der guten Schulbildung die sie und auch ihre drei Brüder erhielten.
Als ihr Vater starb, halfen Linda und ihre Brüder der Mutter bei der Arbeit im Kiosk. Aus diesem Grund war Linda ein Studium nach dem Abitur verwehrt. Sie schaffte dennoch den Sprung von der Werbetexterin zum NDR und von dort schließlich zur „Tagesschau“.
Mit den Geschichten aus dem Kiosk lässt sie das nicht immer einfache Leben ihrer Eltern und ihre Kindheit Revue passieren. Schon früh kam sie durch die Mithilfe im Kiosk nicht nur mit den Sonnenseiten des Lebens in Berührung. Doch das mehr als bodenständige Elternhaus hat sie für die Zukunft geprägt. Ihre Mutter hat ihr Leben lang nicht nur den kleinen Durst oder Hunger unzähliger Menschen gestillt. Sie hatte vor allem ein offenes Ohr und ein großes Herz, dem sich die Menschen aller Couleur sofort anvertrauten.

Gekonnt mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschrieben liest man hier ein Stück Zeitgeschichte. Linda Zervakis lebt weiterhin mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hamburg. Am Ende ihres Buches schreibt sie:

„Meine Geschichte hilft mir dabei, Bilder von Flüchtlingen zu verstehen, die beispielsweise an der griechisch-mazedonischen Grenze zu Fuß über Bahngleise laufen, um einen Zug nach Nordeuropa zu erwischen. Ich wünsche jedem von ihnen, dass er eines Tages als glücklicher Urlauber in Richtung Süden zu seiner Familie fahren kann und dabei genauso viele schöne Dinge zu erzählen hat wie ich.“

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Philosophiegeschichte als Podcast

Peter Adamson ist Philosophieprofessor sowohl an der LMU in München als auch am King’s College in London. Er nimmt seine Hörer mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch die gesamte Philosophiegeschichte hindurch.

Die einzelnen Beiträge dauern ca. 30 min und sind auf Englisch gehalten. Eine ideale Möglichkeit, so manche „Bildungslücke“ unterwegs oder sonst wo zu schließen. Zur Vertiefung empfiehlt der Autor auch die Buchausgabe seiner Beiträge…

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Zeichen der Zeit

Natasha steht unter Druck. Ihre online-Redaktion hat ihr die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder sie liefert mit ihrer Abteilung bald eine mindestens vierteilige Reportage oder ihre Brennpunkt-Rubrik „Die Augenöffner“ wird eingestampft! Geraume Zeit schon häufen sich Fälle extremer und abartiger Gewalt auch unter Jugendlichen. Auffällig dabei ist, dass die Täter ihre Opfer nach Art bekannter PC-Games zurichten … Natasha nimmt sich dieser Thematik an und bald führen sie ihre Recherchen in die Tiefen der Neurowissenschaften aber auch krimineller Netzwerke, die vor nichts zurückschrecken.
Thorsten Oliver Rehm legt nach dem Bornholm-Code einen weiteren faszinierenden Wissenschafts-Thriller vor. Als passionierter Taucher führt er den Leser in der Rahmenhandlung dank Frank Stebes Mitwirkung wieder in die Untiefen der Ostsee und der Küsten vor Mallorca. Spannende Lektüre für die baldige Ferienzeit!

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Visionär einer Zivilisation der Liebe

Heute wäre der Hl. Johannes Paul II. 100 Jahre alt geworden. Er hat als Papst (1978 – 2005) eine ganze Generation geprägt und nicht nur bei der damaligen Jugend tiefe Spuren hinterlassen. Gerade durch sein öffentliches Alt- und Gebrechlichwerden ist er auch der älteren Generation ein nahbarer Pontifex geblieben.
Paul Badde ist ihm 1980 während seines ersten Besuchs in Deutschland begegnet. Badde hatte das große Glück, das der Papst seinen taubstummen Sohn Jakob gesegnet hatte. Diese erste Begegnung hatte Badde wie seinen Sohn tief bewegt und ist ihm eine bleibende Erinnerung.

Paul Badde ist heute ein bekannter Journalist und Buchautor, der im Jahre 2000 in Jerusalem und später in Rom stationiert war. So wurde er Augenzeuge der letzten Wegstrecker Johannes Paul II. hier auf Erden. Über viele wichtige Ereignisse durfte Badde berichten und hat diese jetzt zum runden Geburstag des heiligen polnischen Papstes unverändert zusammen gestellt.

Johannes Paul II. hat sich nie geschont und stets über die Maßen auch körperlich in seinem Dienst für das Petrusamt verausgabt. Wenn der Untertitel des vorliegenden Buches „Passion“ heißt, um anzudeuten, wie sehr gerade die letzten Lebensjahre von Leiden geprägt waren.
Ein lesenswerter Band der viele Erinnerungen an den großen Papst wieder aufleben lässt!

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in einem Brief an die polnischen Bischöfe Johannes Paul II. vor allem als den Lehrer der Barmherzigkeit gewürdigt.

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Die heiligen Abenteuer des Alltags

Madeleine Delbrel spricht immer wieder in unsere Zeit hinein. Ohne am II. Vatikanischen Konzil teilgenommen zu haben, gilt sie dennoch als eine Prophetin der Laienspiritualität.
Anselm Grün hat eines ihrer Werke, „Der kleine Mönch im Alltag“ neu herausgegeben. Delbrel hatte diese Aphorismensammlung über das geistliche Leben als Hilfestellung für alle Christen geschrieben, die mitten in der Welt glaubhafte Zeugen ihres Glaubens sein wollen.

Der kleine Mönch lässt den Leser an seinen kleinen und größeren geistlichen Kämpfen teilhaben. Ihm ist bewusst, dass Menschen, die sich mit lauterer Absicht nur um die Dinge Gottes kümmern möchten, nicht frei von Selbstgefälligkeit sind. So lautet eine seiner „Botschaften“, auf dem Weg zu Gott immer Anfänger zu bleiben (vgl. S. 52). Wenn die Gefühlswelt überhand zu nehmen droht, mahnt er zum Innehalten, um Kopf und Herz neu aufeinander einzustellen. Besonders wichtig ist dem kleinen Mönch die Fähigkeit zuzuhören. Doch muss diese Kunst erlernt werden durch äußeres und inneres Schweigen. Dies sind nur wenige Pinselstriche der vielen hilfreichen Tipps, die der kleine Mönch christlichen Laien gibt, die ohne aufdringlich zu sein, auch anderen Menschen ihre Freude am Glauben weitergeben möchten.
Jetzt wo allmählich für die Menschen der normale Alltag zurückkehrt, mag dieses Büchlein hilfreich sein, geistlichen Tiefgang zu bewahren und die Herausforderungen des Alltags mit Humor und Leichtigkeit anzugehen.

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Ist das Leben lebenswert?

Für den jungen Philosophieprofessor ist dies die einzig wichtige Frage. Gestellt hatte sie einer der Begründer des amerikanischen Pragmatismus, William James (1839 – 1914). Während dieser eine Antwort auf diese Frage in der Holden Chapel auf dem Campus der Harvard University gefunden hatte… bleibt sie für John Kaag bisher unbeantwortet.
Mehr zufällig ist er 2008 in der Nähe von New Hampshire unterwegs wo er auf das heruntergekommene Anwesen eines der größten amerikanischen Philosophen stößt: des Harvardprofessors William Ernest Hocking (1873 – 1966). In dessen verstaubter Privatbibliothek beginnt er wahre Schätze zu heben. Hier lagern teil bereits von Motten zerfressen wertvolle Erstausgaben von europäischen Geistesgrößen wir Descartes, Hobbes oder Kant gespickt mit Randnotizen, die Philosophiegeschichte schreiben.
Kaag wird von der Hocking-Familie beauftragt, die Bibliothek zu sichten und die wertvollen Bände zu katalogisieren und vor dem Verfall zu schützen. Vor allem geht es dem heute an der University of Massachusetts Lowell lehrenden Philosophen darum, das „intellektuelle Zuhause“ (S. 34) Hockings in seiner Gesamtheit zu bewahren, denn nicht wenige Bibliotheken ehemaliger Gelehrter verschwinden in den Archiven großer Universitätsbibliotheken.
Frucht der mühevollen Kleinarbeit an Wochenenden und langen Abenden ist das hier vorgestellte Buch. Der Gang durch die Regalreihen gleicht einem Ausflug durch die gesamte Geistesgeschichte der Menschheit. Die Gliederung in drei Teile erfolgt in Anlehnung an Dantes Göttliche Komödie: Hölle – Fegefeuer – Erlösung.
Immer wieder sucht Kaag nach möglichen Antworten auf die Frage, was das Leben lebenswert mache… und indem er die einzelnen Philosophen studiert, reflektiert er mit ihnen zusammen die Höhen und Tiefen seines eigenen Lebens. En passant erfährt der Leser von seiner unglücklichen Ehe, die er wohl schon als junger Student eingegangen ist oder von der gestörten Beziehung zu seinem Vater. So schreibt Kaag im Grunde eine philosophische Autobiographie und verarbeitet damit sein noch junges Philosophen-Dasein.
2016 wurde die englische Erstausgabe „American Philosophy: A Love Story“ zum besten Buch des Jahres gewählt. Für philosophisch Interessierte bietet sich hier eine attraktive Lektüre über die geistesgeschichtlichen Wurzeln des nordamerikanischen Denkens, die vor allem auf dem europäischen Kontinent zu finden sind.

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Messbuch digital verfügbar

Viele Besucher dieses Blogs laden regelmäßig Messtexte als Begleiter der heiligen Messe herunter. Diese Texte wurden und werden weiterhin in mühevoller Kleinarbeit in Österreich von Chema López zusammengestellt. Ab sofort können sie in einer kostenlosen App hier runtergeladen werden:
Sowohl im App Store von Apple als auch im Google Play Store können diese digitalen Messtexte runtergeladen werden. Sie sind aber auch weiterhin auf der Homepage der Wiener Peterskirche zu haben.
Ein herzliches Dankeschön für diese Weiterentwicklung nach Österreich!

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Tempeldienst und Brudermahl

„Ich war Lehrling, Geselle und Meister gewesen. Zudem hatte ich die meisten Ämter – und einige davon mehrfach – ausgeübt: Zeremonienmeister, Erster Aufseher, Zweiter Aufseher, Redner, Meister vom Stuhl. Und schließlich war ich zu den Hochgraden zugelassen worden (…)“. So lässt Serge Abad-Gallardo seine steile Karriere als Freimaurer vor dem Leser Revue passieren (S. 147). Warum ist er nach 24 Jahren aus dem Geheimbund ausgeschieden?

Je höher er in der Hierarchie der Loge aufgestiegen war, je klarer wurde ihm, dass es der Freimaurerei nicht nur allgemein um eine Entchristianisierung der Gesellschaft, um wirtschaftlichen und politischen Einfluss ging. Er wurde mit okkulten und spiritistischen Praktiken konfrontiert und erkannte darin eine offensichtlich diabolische Prägung der freimaurerischen Rituale.
Seine jetzt als Buch zusammengefasste Innenansicht einer französischen Großloge gibt einen umfassenden Überblick über die Geschichte, Symbolik, Organisation und satanischen Praktiken der Freimaurer. Besonders erhellend sind seine Ausführungen zum Einfluss der Freimaurer auf die Politik. Freimaurer vertreten weltanschaulich einen Relativismus, denn für sie gibt es keine absolute Wahrheit. Das wahre Glück lässt sich vor allem im persönlichen individuellen Vergnügen finden. Dementsprechend unterstützen sie Gesetzentwürfe (und bereiten sie teilweise auch vor), die eine „Ehe für alle“, eine Legalisierung der Sterbehilfe, Ehescheidung und Abtreibung befürworten. Da es unter den Abgeordneten und Regierungsmitgliedern auf nationaler wie internationaler Ebene Freimaurer gibt, ist ihr Einfluss deutlich spürbar, so der Autor im Kapitel II seines Erfahrungsberichts.
Dass das Gedankengut der Freimaurer diametral dem katholischen Glauben widerspricht, haben schon Päpste wie Leo XIII. erkannt und wurde von damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, 1983 nochmals unterstrichen.

Auch wenn einem Mitglied einer Loge prinzipiell immer die Türen offen stehen, um sie zu verlassen, war es für den ehemaligen Freimaurer aus Frankreich nicht einfach. Er verlor dadurch alle Freunde und wurde auf der Straße gemieden. Trost fand er jedoch in seinem wiedergefundenen katholischen Glauben.
Ein lesenswerter Erfahrungsbericht und hilfreiches Nachschlagewerk zum Thema!

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Ins Räderwerk der Geschichte eingreifen

Dies hatten sich implizit oder explizit alle Mitglieder der weitverzweigten Familie der Weizsäckers auf die Fahne geschrieben. Große Naturforscher, Theologen und Politiker sind aus dieser bekannten deutschen Familie hervorgegangen.
Hans-Joachim Noack ist für seine Kanzler-Biographien und journalistische Tätigkeit mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht worden. Nun hat er mit seinem Buch über die Familie Weizsäcker ein Stück deutscher Geschichte nachgezeichnet.
Mit einem gesunden Vertrauen in das eigene Können, erworben durch Studium, beharrliche Arbeit und die Nutzung weitreichender Beziehungen in Staat und Kirche, war der Einfluss dieser bekannten deutschen Familie auf die Geschichte Deutschlands immer spürbar. Eine Familie mit elitärem Selbstverständnis.

Im Mittelpunkt des Buches stehen die wohl bekanntesten Weizsäckers, der Physiker und Philsoph Carl-Friedrich und der Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Die beiden Brüder vertreten jeder auf seine Weise die Elite der alten Bundesrepublik und haben auf ihren Gebieten Maßstäbe für ein neues gesellschaftliches Miteinander in den  Gründerjahren der Bundesrepublik gesetzt. Carl-Friedrich galt schon als kleines Kind als Genie der Familie und wurde unter der Obhut von Werner Heisenberg zum Atomphysiker ausgebildet und schon in jungen Jahren Professor. Zu seinen näheren Freuden und Bekannten zählten u.a. Max Scheler, den er über seinen Onkel und Neurologen Victor von Weizsäcker kennengelernt hat. Sehr ausführlich arbeitet Noack die Mitarbeit Carl-Friedrichs an der Entwicklung einer Atombombe im sogenannten Uranverein des Nazi-Regime heraus und wie er in den Jahren nach dem Krieg dazu steht. Bekanntlich hat sich Carl-Friedrich von Weizsäcker über Deutschland hinaus einen Namen als Friedensforscher gemacht, der all seinen Einfluss für ein Ende des Wettrüstens zu Zeiten des Kalten Krieges eingebracht hat.
Dagegen war sein jüngerer Bruder Richard sechs Jahre im Krieg an der Front und wurde später Jurist. Bei den Nürnberger Prozessen war er Anwalt seines Vaters Ernst-Heinrich, wodurch er hautnah mit dem Ausmaß der Naziverbrechen vertraut war. Nach dem Krieg macht er zunächst als Finanzberater bei großen Banken und Unternehmen Karriere, bevor er von Helmut Kohl für die Politk „entdeckt“ wurde.
Noack hat für dieses spannend zu lesene Buch viele Jahre recherchiert und gibt dem Leser eine vielzahl bisher unveröffentlichter Quellen an die Hand. Er schafft stets eine kritische Distanz zu seinen Protagonisten, um jedem gemäß der historischen Aufarbeitung der Fakten gerecht zu werden. Dieser Tage wäre der erste gesamtdeutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker 100 Jahre geworden.

Hier ein kurzer Einblick in das Buch.

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