Geschaffen für das Glück

Wer ist der Mensch? Viele Philosophen haben auf diese Frage nach einer Antwort gesucht: von Aristoteles bis Descartes, über Kant zur philosophischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts mit Scheler, Plessner, Gehlen und Portmann. Allen gemeinsam ist sicherlich die Erkenntnis, dass der Mensch im Gegensatz zum Tier ein denkendes Wesen ist. Doch sollen das nicht auch die Roboter bald können? Wie lange wird es noch dauern, bis die künstliche Intelligenz den Verstand des Menschen überrundet? Ob man philosophisch überhaupt den Menschen restlos erklären kann, auch darüber könnte man spekulieren.
Dies soll hier nicht weiter vertieft werden. Im kleinen Buch von Peter Reifenberg kann man eine knappe und tiefgehende Zusammenfassung der christlichen Anthropologie des Hl. Thomas nachlesen, wo philosophische Gedanken in theologische übergehen. Denn die Frage nach dem Menschen, seiner Herkunft und seines Ziels ist letztendlich eine theologische Frage. „Für das Glück geschaffen“, so könnte man in knappen Worten die thomistische Lehre über den Menschen zusammenfassen. Der Mensch verdankt sich nicht sich selber, ist kein Zufallsprodukt der Evolution, sondern geht aus den Händen Gottes hervor.

Abbild-Gottes-Sein, das bedeutet das Geschenk der Freiheit und Unsterblichkeit zu besitzen. Aber auch, ständig Unterwegssein, auf der Suche nach der Wahrheit, der natürlichen Neigung hin zum Guten zu folgen, letztlich Sehnsucht nach beständigem Glück. All dies hat Gott in die Natur des Menschen eingesenkt. Dass die Suche nach dauerhaftem Glück hier auf Erden keine endgültige Befriedigung findet, das Wissen auch solche Menschen, die religiös unmusikalisch oder nicht interessiert sind: jeder Mensch weiß um seine Neigung zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung und kennt den bitteren Nachgeschmack, wenn dieses kurze Glück eines leiblichen Genusses vorüber ist oder nach „mehr“ ruft…
Drei ausgewiesene Thomas-Experten, die 2013 bei einer Akademietagung des Mainzer Bistums zur Vertiefung der christlichen Anthropologie beigetragen haben, legen hier ihre verständlich verfassten Beiträge zum Nachlesen und Nachdenken vor. Arno Anzenbacher beginnt mit den philosophischen Grundlagen über die Leib-Seele Einheit des Menschen. Maximilian Forschner geht der Glücksfrage des Menschen nach und schließlich folgen von Eberhard Schockenhoff Gedanken darüber, wie der Mensch sein letztes Ziel im sittlichen Handeln erreichen kann.
Keine leichte Kost, doch überaus bereichernd, sofern man sich etwas Zeit für die Lektüre nehmen kann. Wer sich bemüht, diese Lehre zu verstehen, zu verinnerlichen und auch versucht, danach zu leben, der mag Halt und sichere Orientierung in existentiellen Krisen oder Situationen des eigenen oder fremden Leides finden.

Ich kann das kleine Werk allen Studierenden wie Lehrenden der einführenden philosophischen Fächer empfehlen und stelle gerne eine Infographik zur Verfügung, die in gewissem Sinne den Inhalt des Bandes zusammenfasst.

Metaphysische Situation des Menschen.pdf

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Freude ehrlicher Großzügigkeit

Diese bringt für mich der letztes Jahr prämierte ägyptische Kurzfilm „The other pair“ zum Ausdruck.

Die 20 jährige Regisseurin Sara Rozik aus Ägypten gewann damit einen Preis beim Luxor Film Festival.

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Ein Mann der raschen und kraftvollen Entscheidungen

So beschreibt Hans Conrad Zander den Heiligen Thomas von Aquin. Die kleine Schrift über den großen theologischen Lehrer des Mittelalters will Geschmack auf mehr machen… Thomas wurde nicht von seinen Eltern ins Klosterleben „getrieben“, nein er hat einmal seine Berufung entdeckt und bliebt dann trotz massiven Widerstands seiner Familie dabei: Er wurde Dominikaner und studierte und lehrte im 13. Jahrhundert vor allem in Paris und auch in Köln. Ähnlich einer gotischen Kathedrale ist seine theologische Summe – die Thomas lediglich als Einführung für seine Studenten schrieb – ein großartiges literarisches Bauwerk. Es blieb jedoch unvollendet. Warum? Weil Thomas so früh mit nur 48 Jahren an „Burn-out“ gestorben ist (vgl. S. 41)? Nein, er vertraute einem Freund an: „Alles was sich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh – verglichen mit dem, was ich geschaut habe und was mir offenbart worden ist.“
Hierin zeigt sich die große Demut des heiligen Kirchenlehrers, der stets um die Erkenntnis der Wahrheit über Gott bemüht war. Der sich aber auch mehr als bewusst war, dass kein Geschöpf sich anmaßen könne, die letzte Wahrheit über Gott zu erkennen, sondern stets den Blick nach oben gerichtet hielt, offen für neue Eingebungen…
Das kleine Büchlein liest sich im biographischen ersten Teil sehr flüssig und leicht. Die sich daran schließenden 100 „FAQs“ geben einen kleinen Einblick in die Tiefe und zugleich Weite des thomistischen Denkens. Zander verschweigt nicht, dass der „Urtext“, die Summa theologica keine leichte Kost ist, dass sie einem „rote Augen“ vom konzentrierten Lesen machen kann. Deshalb gibt er am Ende des Buches sehr wertvolle Lektürehinweise über Autoren wie etwa Pieper oder Chenu, die einführende Werke zu Thomas verfasst haben. Für theologisch interessierte Laien eine Einstiegshilfe zur Gedankenwelt der Thomas von Aquin, die heute, so bedauert Zander, „aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden ist“ (vgl. 93).

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Frohe Ostern!

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Kirche in Not weil Priester-Not

Heute beginnt das Triduum Paschale, das Ostertriduum, das die Karwoche auf ihre Zielgerade lenkt und mit der Auferstehung des Herrn am Ostersonntag endet. Der Gründonnerstag ist dabei besonders den Priestern gewidmet, hat doch Jesus im Abendmahlssaal die Heilige Eucharistie eingesetzt. Priester, die die Hl. Messe feiern und die übrigen Sakramente spenden, gibt es immer weniger. Die Kirche macht sich berechtigte Sorgen über diesen Zustand, der vornehmlich die Industrienationen betrifft. Es gibt innerhalb der Kirche Deutschlands Überlegungen, die Leitung einer Pfarrei auch Laien zu ermöglichen. Dass dies der richtige Weg ist, bezweifelt Kardinal Cordes. Er hat sich ausführlich hierzu geäußert und seine Darlegung, die von Kathnet und der Tagespost gedruckt wurde, ist sehr lesenswert. Der Beruf des Priesters ist kein Auslaufmodell, es gilt mehr für sie zu beten und um neue Berufungen zu bitten.
Ich möchte hier auch auf eine Schrift von Kirche in Not vom belgischen Priester Didier van Harve verweisen. Er hat gerade für Laien eine moderne Messerklärung geschrieben, die einlädt, Christus im heiligen Geschehen zu begegnen. Dieses kleine Kompendium eignet sich sowohl für die Katechese als auch zur persönlichen Vertiefung und Mitfeier der Heiligen Messe.

pdf Artikel Kardinal Cordes DT

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Beratung ohne Schein für das Leben

Im Herbst 2009 fiel der Startschuss zum Kooperationsprojekt 1000plus: jährlich 1000 Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu beraten. Ein groß angelegtes Hilfsprojekt ohne staatliche Unterstützung und ohne kirchlichen Träger.

Die „verwegene Idee“, wie sie unlängst Projektinitiator Kristian Aufiero nannte, hat sich mehr als durchgesetzt. Schon 2016 wurden von den 21 Beraterinnen mehr als 3500 Frauen beraten. Angesichts der Millionen von ungeborenen Kindern ist diese Initiative ein großer Hoffnungsschimmer. Doch bleibt eine Menge zu tun: vor allem Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Damit begonnen hat die Tagespost, die letztes Wochenende dem Thema „Abtreibung in Deutschland“ eine Sonderbeilage gewidmet hat, die ich gerne zum Nachlesen hier zur Verfügung stellen möchte. Darin wird ausführlich das Konzept der Beratung durch ProFemina erläutert, und es werden viele beeindruckende Zeugnisse von Frauen geschildert, die sich für ihr Kind entschieden haben…

Fokus Abtreibung und Beratung pdf

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Antike Lebensschützer

Quelle: Lebensrecht Sachsen e.V.

Jeder Mensch hat ein Recht zu leben. Wirklich? Wer das Lebensrecht Ungeborener schützen will, greift nicht selten auf das Gebot der Achtung der Menschenwürde zurück, die in der Gottebenbildlichkeit begründet ist. Doch durch diesen Rekurs wird man als Lebensschützer sofort angreifbar: dann gelte dies nur für Christen, die diesem Menschenbild zugetan sind. Die religiöse Sondermeinung ist heute kein Argument gegen Abtreibungsbefürworter mehr. Gibt es keine Begründung eines absoluten Lebensschutzes, fern einer religiös motivierten Argumentation? Etwa im Hinblick auf das menschliche Sein, das Menschen aller Glaubensrichtungen und auch solche, die an keine übernatürliche Instanz glauben, eint?
Friederike Hoffmann-Klein hat in einem unlängst in der Tagespost erschienenen Artikel hierzu die antiken Philosophen Ovid, Tertullian und auch Lykurg befragt. Allen gemeinsam ist ihre ablehnende Haltung zur Abtreibung. Die Ausführungen der Europarechtsexpertin sind sehr lesens-und bedenkenswert. Sie zeigt, dass der Schutz des menschlichen Lebens zeitlos ist und keineswegs eines „spezifisch christlichen Blickes auf das ungeborene Kind als Geschöpf Gottes“ bedarf.

pdf Artikel antike Lebensschützer

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