Believing without belonging?

Unsere Gesellschaft scheint in ein postchristliches Zeitalter eingetreten zu sein. Immer mehr Menschen bezeichnen sich heute eher als „spirituell“ denn als „religiös“. Während die anhaltende Kirchenkrise immer mehr Menschen auf Distanz zur katholischen und auch evangelischen Kirche gehen lässt, boomen säkulare Angebote zur Sinngebung und spiritueller Begleitung.
Was passiert hier? Schon seit einigen Jahren haben fernöstliche Meditationstechniken und vor allem Yoga auch in christlichen Exerzitienhäusern Einzug gehalten, gibt es großen Bedarf an Entspannung für Körper und Geist sowie an Kursen in Achtsamkeit. Daneben erleben wir einen regelrechten „Run“ auf Veranstaltungen des Augsburger Gebetshauses, wo traditionelle eucharistische Anbetung gepflegt wird.
Kann der Mensch gar nicht existieren, ohne ständig über sich hinausragen zu wollen? Woher stammt die große Sehnsucht nach Sinn, nach Schönheit, nach Ruhe, nach Geborgenheit, nach Vertrauen… die auch die Mehrzahl areligiöser Menschen zur Wahrnehmung spiritueller Sinnangebote führt?
Der jüngste Band der Herder Korrespondenz spezial widmet sich ausführlich dieser Thematik aus den unterschiedlichsten Perspektiven.
Neben grundlegenden Fragen etwa nach einer anthropologischen Konstante im Menschen, die stets nach einem wie auch immer gearteteten Lebenssinn sucht, wird die Frage gestellt, ob der Glaube an Gott nicht mehr vom Gefühl begleitet sein sollte, oder ob Frömmigkeit mehr von der Vernunft geleitet gehöre.

Die englische Religionssoziologin Grace Davie prägte schon vor Jahren den Satz: „Believing without belonging“ – damit versuchte sie die spirituelle Situation Englands Ende des 20. Jahrhunderts zu charakterisieren. Bei uns hört man nicht selten: Gott ja – Kirche nein! Der Mensch sucht nach etwas Sakralem außerhalb der Kirche… und die säkularen Sinnangebote überbieten sich. Es ist uncool zu einer Gemeinschaft, einer Institution zu gehören – doch stimmt dieses Deutungsmuster der religiösen Moderne wirklich. Nach Meinung von Detlef Pollack würde heute eher der Satz zutreffen: „Neither believing nor belonging“ – also weder noch. Auch das kann man nachvollziehen, überwiegt doch das weitverbreitetes Desinteresse an religiösen Dingen und überhaupt an der Frage nach Gott.

Interessant sind die Beiträge, die die Spiritualitätt eines Dominikaner-Klosters oder der Jesuiten beleuchten. Aber auch der Bericht einer Aussteigerin, die viele Jahre einer geistlichen Gemeinschaft angehörte…
Möchte man die Sorgen und Nöte so vieler Menschen verstehen und begleiten, die zwar der Kirche fernstehen und dennoch „auf der Suche sind“, kann dieser Band als Hintergrund neue Einsichten schenken. Lesenswert!

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Dem Untergang geweiht…

ist das osmanische Reich am Ende des ersten Weltkrieges. In Istanbul tummeln sich die Siegermächte und ringen um eine staatliche Neuordnung am Bosporus. Leyla lebt als Diplomantenfrau mit ihren beiden Kindern innerhalb der osmanischen Oberschicht. Gemeinsam mit ihrem Bruder engagiert sich die hochgebildete Frau in der Widerstandsbewegung und ist journalistisch aktiv.
Doch als die französischen Besatzer sich ihres Hauses bemächtigen, gerät das geordnete Leben im Harem Selims aus den Fugen. Sie lernt einen deutschen Archäologen und Revolutionär kennen, den sie nach einer Schussverletzung heimlich gesund pflegt…

Der Roman orientiert sich an historischen Fakten und gibt einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen Umwälzungen von der traditionsbestimmten osmanischen Gesellschaft hin zu einer vor allem den Frauen ihre Freiheitsrechte gewährenden Ordnung. Révay besitzt die große Gabe, die einzelnen Hauptpersonen quasi von innen her zu charakterisieren und die Ereignisse stets von mehreren Perspektiven aus zu schildern. Der psychologische Tiefgang und die großen Ideale faszinieren und gestalten die Lektüre des Romans sehr kurzweilig.

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Katechese und Gemeinschaft

Viele Menschen schätzen die katholische Kirche für ihr soziales Engagement. In der Tat ist sie einer der größten sozialen Dienstleister. Dass Kirche und Gemeindeleben etwas mit Jesus Christus zu tun hat… das ist irgendwie abhandengekommen. An Angeboten für Katechese (auch für Erwachsene) mangelt es nicht… die Nachfrage lässt aber zu wünschen übrig.
Was tun? Es gilt sich Gedanken zu machen über die Art, wie die Glaubensweitergabe – Katechese oder auch Evangelisierung heute vonstatten geht und vor allem, wie sie aufgenommen wird. Ein Symposium Mitte dieses Jahres in Rom hatte sich genau diesem Thema gewidmet. Die Beiträge dieser Tagung sind nun in einem kleinen Band veröffentlicht worden, der mehr als lesenswert ist.
Kardinal Koch benennt in seinem Vorwort zu diesem Tagungsband, worauf es bei jeglicher Glaubensvermittlung ankommt: Darauf, „dass wir wie es der heilige Paulus gelehrt hat, den Glauben nicht selber denken oder gar erfinden, sondern nur empfangen können.“ (S. 11).
Marianne Schlosser erklärt in ihrem Beitrag, wie wir wieder zu einer gemeinsamen Sprache im Glauben finden können: kaum jemand kann heute noch etwas mit Begriffen wie Gnade, Sünde oder den letzten Dingen anfangen. Es gilt die Basis der Verständigung über den Glauben neu zu legen. Sonst werden gelebter Glaube und sakramentales Leben immer mehr auseinanderdriften.

Sehr beeindruckend ist das Lebenszeugnis von Kardinal Eijk aus Holland. Er hat persönlich erlebt, wie nach und nach der Glaube durch mangelhafte Katechese verdunstet ist. So wurden etwa in den Schulen Glaubensinhalte vermittelt, jedoch ohne jegliche Glaubenserfahrung. Ein Schritt zur Erneuerung der Katechese, den er in seiner Diözese gegangen ist, bestand darin, die Katechese wieder in die Pfarreien zurückzuverlagern. Dies ist nicht leicht, aber wie er meint, keine „Mission impossible“!
Bischof Tebartz-van Elst stellt in seinem Beitrag das neue katechetische Direktorium vor, dass eine sicherlich hilfreiche Handreichung für alle Formen heutiger Katechese darstellt. Nach Meinung von Bischof Oster bedürfe es aber noch eines Praxishandbuchs, um wirklich von Katecheten umgesetzt werden zu können. Ein wichtiger Aspekt, den das Direktorium nicht anspricht, seien sogenannte „heiße Eisen“. Heutige bräuchten wir dringend gut ausgebildete Katecheten, die gerade junge Menschen zu Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Frauen in der Kirche, Missbrauchsskandal, dem Zölibat, zur Sexualmoral oder zum Verhältnis von Religion und Gewalt Rede und Antwort stehen könnten.

Alle Referenten sind sich darin einig, dass die Weitergabe des Glaubens keine rein theoretische Angelegenheit sein kann. Die Weitergabe des Glaubens kann nur innerhalb einer Gemeinschaft (auch Weggemeinschaft) gelingen, wobei es um die Qualität von Beziehungen geht. Im Grunde, so hat es Bischof Oster auf den Punkt gebracht, „It is all about friendship“ (S. 123) – in der Horizontalen und vor allem in der Vertikalen – also in der freundschaftlichen Beziehung zu Gott. Um zu glauben, bedarf es der Bereitschaft, Gott ins eigene Leben Einlass zu gewähren. Damit Katechese gelingt kann, bedarf es Menschen, die tief im Glauben verwurzelt und so authentische Zeugen Jesu Christi sind. Man kann dem Buch nur große Verbreitung auch unter gläubigen Laien wünschen, die sich für die Weitergabe des Glaubens engagieren möchten.

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Makel der Schönheit

Seit geraumer Zeit stehen die Schönheitsideale von Jugendlichkeit, makelosem Teint und perfekter Körperformen auf dem Prüfstand. Mit Hilfe digitaler Technik lassen sich vermeintliche Makel retouchieren und idealen Maßen angleichen. Doch sieht die Wirklichkeit nicht ganz anders aus? Die meisten Menschen sind eher rundlicher gebaut und müssen sich mit Körpermaßen weit entfernt von Model-Idealen zufrieden geben.

Immer mehr Firmen haben dies erkannt und buchen Models, die gerade nicht perfekt sind. Sie können sogar offensichtliche Behinderungen an sich tragen und dennoch äußerst attrativ sein.

Ich möchte hier auf eine kürzlich in 3 Sat ausgestrahlte Doku aufmerksam machen, die zu einem positiven Körperbild ermutigen will.

https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/211202-sendung-wido-104.html

Gerade für junge Frauen und Schülerinnen kann sie ein Impuls sein, nicht zu kritisch mit der Verfassung des eigenen Körpers zu sein. Die Doku ist auch Pädagogen und Sozialarbeitern sehr zu empfehlen.

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Für ein gutes Leben bestimmt?

Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied – so sagt ein Sprichwort. Ist jeder dann selbst für das Gelingen seines Lebens verantwortlich? Sind es ausschließlich die geistigen Fähigkeiten des Menchen, die auf Menschlichkeit und auf Glück zielen? Spielen unsere Gene in diesem Zusammenhang gar keine Rolle?

In der von Corona und anderen Krisen geschüttelten Welt sucht der bekannte Neurowissenschaftlicher Joachim Bauer in seinem neuen Buch nach dem festen Boden, auf dem jeder einzelne und auch die Gesellschaft als ganze Halt finden kann. Seine Kernfrage lautet: Kann der Mensch von seiner biologischen Konstitution her ein ‚moralisch gutes Leben führen‘? Sind wir gar dafür bestimmt?
Die Antwort auf diese Fragen erhält der Leser im Laufe der zehn Kapitel, wobei er gleichermaßen in die Höhen der Fachrichtung der Social genomics eingeführt wird, aber auch neuronale Grundlagen der Empathie nahe gebracht bekommt.
Bauer widerspricht der These Richard Dawkins, dass unsere Gene egoistisch seien. Dies sei eine „absurde Behauptung“. Vielmehr sei der Mensch aus der Perspektive seiner Gene für ein Sinn-geleitetes, prosoziales Leben bestimmt. Wie kommt Bauer darauf?

Der emeritierte Mediziner führt die Ergebnisse zahlreicher Studien an, die zeigen, dass vor allem psychischer Stress Gengruppen aktiviert, die das Risiko an Demenz, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs zu erkranken, stark erhöhen. Aber auch Isolation oder Einsamkeit – wie dies viele Menschen während der Corona-Pandemie erlebt haben – schwächt das Immunsystem und hinterlässt eine negative „biologische Spur“ im Körper.
Umgekehrt fanden Forscher auch heraus, dass eine positive Lebenseinstellung die Aktivität sogenannter Risikogene drosselt. Menschliche Zuwendung kann die Ausschüttung von Glückhormonen stimulieren und einem Menschen Energie und Kraft geben.
Echtes Glück im Leben findet der Mensch selten alleine für sich. Für das soziale Leben ist Empathie eine wichtige Eigenschaft, die keinem einfach in die Wiege gelegt ist. Bauer legt sehr ausführlich dar, welche neurobiologischen Wirkungen ein empathisches Verhalten für Gesundheit des Menschen haben kann.

Was ist nun die Antwort auf die eingangs gestellte Frage? Die Analyse folgte streng der Perspektive der Neurowissenschaft und Psychosomatik. Bauer kommt zu dem Schluss, dass wir Menschen genetisch -also biologisch – für das Gute bestimmt sind. Doch wir sind nicht „von Natur aus gut“. Es gibt gute und auch böse Menschen – in jedem Menschen steckt das Potential zum Guten, aber auch zum Narzismus. So braucht der Mensch als freies Wesen innere und äußere Hilfestellungen. Aber auch politische Rahmenbedingungen sind erforderlich, um Menschlichkeit und empathisches wie auch tugendhaftes Handeln zu ermöglichen.

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Singen wir Caruso und spielen wie Horowitz

Das war zunächst ein Kindheitstraum. Mit einer spastischen Lähmung und fast blind kam er 1956 zur Welt. Er war als Pflegefall eher eine Last für seine Familie und wurde nicht mit Liebe und Fürsorge überschüttet… Doch es gab den Großvater Arnold, der früh die Leidenschaft für die Musik bei seinem Enkel, Arno Stocker, entdeckte und förderte. Mehr zufällig fällt Arno eine Schallplatte von Enrico Caruso in die Hände und er hört sie einmal und immer wieder. So lernt er sprechen, später an der Hand einer gutmeinenden Klavierlehrerin sogar Klavierspielen.

Arno Stocker beschreibt in seiner Autobiographie, was ein eiserner Lebenswille und die Liebe zur Musik in einem Menschen bewirken können. Er hat es wahrlich nicht leicht gehabt. Wenn er im Laufe des Zeit auch seine körperlichen Gebrechen „gezähmt“ hat und damit zu leben und zu arbeiten begann, so ließ ein persönliches Lebensglück lange auf sich warten. Das Lehrgeld, das er zu zahlen hatte, war groß.
Heute lebt und arbeitet er als Klavierbauer und vor allem, als Klavierstimmer in Bernau am Chiemsee.

Eine ergreifende Lebensgeschichte, die allen Menschen Mut macht und Hoffnung gibt, es immer wieder zu versuchen, nicht aufzugeben und einer eigenen Vision treu zu bleiben.

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Ausgedehnte Exerzitien

Dieses Buch hätte nie geschrieben werden dürfen. Sein Verfasser saß unschuldig hinter Gittern. Der Mob hat die Richter zu einem Urteilsspruch verleitet, den sie später revidieren mussten. Die Taten, für die Kardinal Pell 2019 verurteilt wurde, hatte er nie begangen.

Der Kurienkardinal weiß von seinen inneren Ressourcen zu leben und diese lange Zeit der Prüfung zu nutzen. Im ersten Band seines Gefängnistagebuchs beschreibt er den Alltag in einem Hochsicherheitsgefängnis in Sydney. Er ist dort in Einzelhaft und in Hörweite anderer Gefangener, unter ihnen ein Selbstmordattentäter. Doch seine Familie, Freunde und Mitbrüder sind ihm sehr nahe und stützen ihn mit ihren Besuchen. Auch lassen sie nichts unversucht, das ungerechte Urteil anzufechten. Über all dies schreibt Pell täglich ein bis zwei Stunden, verarbeitet so die Eintönigkeit des Lebens im Gefängnis, das mit der frischen Luft bei der Hofgängen und den Besuchen seine täglichen Höhepunkte hat.

Ihm ist es während seiner ganzen Haft nicht erlaubt, die heilige Messe zu feiern, was ihn sehr schmerzt. So lebt er intensiv aus den Texten der Liturgie und der heiligen Schrift, über die er sich tiefe Gedanken macht.
Unzählige Briefe erreichen den Kardinal aus der näheren Umgebung von Mithäftlingen, von Menschen seiner Diözese, Freunden und auch wildfremden Menschen aus der ganzen Welt, die ihm Mut zusprechen und viele gutgemeinte Ratschläge für diese Zeit verordneter Abgeschiedenheit von der Welt.

In seinen Zeilen findet man keinen Groll, Hass oder Rache gegenüber denjenigen, die ihn hinter Gitter gebracht haben. Er ist seinem Schicksal ergeben, wenngleich er über seine Anwälte alles Menschenmögliche tut, um wieder frei zu kommen. Über die Medien erfährt er auch das viele Gute, das für ihn unverwartet innerhalb der Kirche Australiens geschieht, etwa, dass sich die Zahl der Messbesucher sonntags starkt erhöht hat… Der Fall Pell lässt die Menschen nicht unbeteiligt.

Es vergeht kein Tag im Gefängnis, den Pell nicht mit einer Erhebung des Herzens zu Gott beendet, im Fürbittgebet für Mitgefangene, für die Situation der Kirche in der ganzen Welt, für sich selbst, den diese Zeit der Prüfung vieles gelehrt hat!

Eine beeindruckende Lektüre geschrieben von einem Menschen, der stellvertretend für die angestaute Wut einiger Weniger zum Sündenbock gemacht wurde.

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Ein Gesicht, das man nie wieder vergisst…

… sie wird keine Schönheit sein… aber wer sie einmal gesehen hat, wird sich immer an sie erninnern. Das sagte Anna zu ihrer Herrin Susanne, kurz nach der Geburt ihrer Tochter Libussa. Und sie sollte damit recht behalten. Libussa wuchs auf der Rosenburg zu einem sehr selbstbewussten Kind heran – es war im 13. Jahrhundert. Für damalige Verhältnisse ungewöhnlich, stimmte ihr Vater, der Ritter Benediktus dem Wunsch seiner Kleinen zu, wie die beiden Brüder, auch zu Vater Theopilius, dem Geistlichen der Burg, zum Unterricht gehen zu dürfen. Dieser erkannte früh ihre geistigen und geistlichen Fähigkeiten, lehrte sie lesen, schreiben, Latein und vor allem die Heilkünste der Hildegard von Bingen…

Ein weiteres Buch von Edda Singrün-Zorn, mit dem sie es schafft, die Seele anzurühren mit der Güte, Wahrhaftigkeit und dem Edelmut dieser besonderen Frau des Mittelalters. Durch ihre Art zu sein prägt Libussa nicht nur in ihrer Jugend die Rosenburg, sondern später nach ihrer Heirat auch die Nachbarburg Waldeck. Das Gute hat die Tendenz sich zu verbergen, aber auch sich langsam zu verbreiten. So scheinen die viele Werte durch die Zeilen, die auch heute noch zu einem gelingenden Leben gehören.

Eine besonders wertvolle Lektüre für Menschen, die sich ein Gespür für das Reine und Gute im Menschen bewahrt haben…

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Phono sapiens

So könnte der Mensch der Zukunft heißen – oder sind wir bereits heute diese Wesen, die ständig auf ihrem Smartphone herumfingern? Dies ist wohl nur ein Kennzeichen der sogenannten „postfaktischen Erregungskultur“, in der Affekte und Emotionen die Kommunikation mehr beherrschen, als die ausgetauschten Inhalte.
Byung-Chul Han hat sich tiefe Gedanken über die Auswirkungen unserer durchdigitalisierten Welt gemacht. Was bedeutet das für unsere Art, die Umgebung und die Menschen wahrzunehmen? Können wir bei der täglich auf uns einströmenden Informationsflut noch zwischen wahr und falsch unterscheiden? Wie ist unser Verhältnis zu den Dingen ganz allgemein? Han ist der Ansicht, dass der Mensch heute mehr vom Erleben als vom Besitzen eingenommen ist.

Sehr anschaulich erklärt er, was es mit dem ebook auf sich hat. Auch wenn dort derselbe Inhalt wie in einem herkömmlichen Buch vorhanden ist, das man anfassen und durchblättern kann, so hat es doch einen ganz anderen „Seinsstatus“. Man besitze kein ebook, sondern habe lediglich einen Zugang dafür. Es gibt auch keine emotionale Bindung zu diesem Buch – so wie man vielleicht einen emotionale Verbindung zu einem Werk aufgebaut hat, das einem mit einer Widmung geschenkt wurde und das man vielleicht öfter gelesen hat…

Byung-Chul Han gilt als der meistgelesene Philosoph Deutschlands und ist Koreaner. Seine Sprache fasziniert durch ihre Klarheit und Präzision. Er spricht jeden Gedanken nur einmal aus und schafft es dem Leser weite Horizonte zu eröffnen. Man muss sich und dem eigenen Intellekt Zeit gönnen, um die weitreichenden Analysen Hans, all dem, was in unserer Gesellschaft durch die Mechanismen der Digitalisierung droht verloren zu gehen, zu reflektieren.

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Geistige und körperliche Spannkraft

Viele Menschen befinden sich derzeit im Krisenmodus. Vielleicht kämpfen sie noch mit den Folgen einer Corona-Infektion… oder aber wurden unschuldige Opfer der Flutkatastrophe. Kann man seine physischen und psychischen Abwehrkräfte traininieren, um von solchen Herausforderungen nicht zermürbt zu werden? Die Antwort ist ja – man kann. Doch wie geht das?

Lebenskrisen meistern und auch noch gestärkt daraus hervorgehen, das kann man in der Tat lernen. Es gibt unzählige Berater und online-Angebote zum Thema „Resilienz“ – ich möchte hier auf ein sehr ansprechendes kleines Buch von Matthew Johnstone verweisen, der sich seit vielen Jahren mit der Prävention von Depressionen beschäftigt. Sein mehr als Comic zu genießener Band führt den Leser in zwei Kapiteln durch die Thematik – zum einen geht es um die Akzeptanz, dass im eigenen Leben nicht alles nach Plan verläuft – und auch nicht verlaufen muss… und zum anderen zeigt Johnstone viele fruchtbare und gangbare Wege auf, innere Spannkraft und psychische Belastbarkeit zu erwerben.

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