Wegweiser zum gelingenden Leben

Die Frage nach dem Wesen des Menschen bewegte große Denker aller Zeiten – Theologen wie Philosophen und Poeten. Das christliche Menschenbild wird heute als eine Sichtweise unter vielen betrachtet und spielt in der Lehre an Hochschulen eine eher untergeordnete Rolle. Berthold Wald hat sich jahrzehntelang mit dem Werk des großen Thomas-Interpreten Josef Pieper auseinandergesetzt. Einmal habe ihn Pieper gefragt, ob er seine Handschrift lesen könne… aus dieser Begegnung erwuchs die spätere gesamte Werksausgabe und die heutige Leitung der Josef Pieper Arbeitsstelle.
Eine kurze Zusammenfassung seiner christlichen Sicht des Menschen hatte Pieper bereits 1936 in seiner kurzen Schrift „Über das christliche Menschenbild“ verfasst. Dort lässt er zu Beginn den Mystiker Meister Eckhart zu Wort kommen mit dem prägnanten Satz: „Die Menschen sollten nicht so sehr darüber nachdenken, was sie tun sollen, sondern, was sie sein sollen“. Der Mensch definiert sich weniger über das, was er tut und leistet, als vielmehr, dadurch, was er ist: ein Geschöpf Gottes, von Christus erlöst und zu einem Leben mit Ihm berufen. Wie das geht… beschreibt das kleine Buch: es legt die siebenfältige Tugendlehre dar, die drei göttlichen und die vier Kardinaltugenden. Hierin manifestiert sich das höchste Seinkönnen des Menschen überhaupt.

Doch – wie schon erwähnt, ist diese Sichtweise weitgehend verloren gegangen und bedarf neuer Zugänge. Der Sammelband von Aufsätzen über das Christliche Menschenbild möchte den Einstieg zu den immer noch aktuellen Schriften Piepers erleichtern. Auch wenn Pieper selbst immer sehr darauf bedacht war, verständlich zu schreiben, müssen seine Gedanken heute „eingeordnet“ werden. Zwei große Themenbereiche werden hier berührt: die grundsätzliche Offenheit des menschlichen Denkens für die Transzendenz und einige Dimensionen des Menschseins. Für mich besonders lesenswert sind die Beiträge über die Auseinandersetzung mit Schelers Wertethik (S. 157 ff) und die darauffolgenden Kapitel über Piepers Traktat über die Liebe.

Nicht wenige Bildungseinrichtungen und Schulen nehmen für sich eine christliche Orientierung in Anspruch. Es tut immer wieder gut, die Fundamente dieser der existentiellen Situation des Menschen gemäßen Weltsicht zu reflektieren. In diesem Buch gibt es viele wertvolle Anregungen zur eigenen Vertiefung und sicherlich wird auch „Lust auf mehr“ gemacht, nämlich darauf, zu den einzelnen Werken Josef Piepers selbst zu greifen.

pdf Rezension Stühlmeyer Tagespost

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Die Stunde fordert eine neue Evangelisierung

Der Monat November lässt uns den Blick öfter auf den Himmel richten. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Worauf darf der Mensch hoffen? Der Hl. Johannes Paul II. schrieb im Apostolischen Schreiben Christifideles laici (Nr. 34): „Der Mensch weiß heute oft nicht, was er in sich trägt im Tiefsten seiner Seele und seines Herzens. Darum fühlt er sich oft unsicher über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde.“
Für einen gläubigen Christen liegt die Erfüllung seiner größten Sehnsüchte in der Begegnung mit Christus: in der Eucharistie, in der Lektüre der heiligen Schrift, bei der Fürsorge alter und kranker Mitmenschen. Doch unsere heutige Gesellschaft ist von religiöser Indifferenz und fehlender Glaubenspraxis geprägt, die gerade bei bedeutenden Lebensereignissen wie der Geburt oder Tod eines Menschen keinen Halt gibt. So schreibt der Hl. Johannes Paul weiter: „Daraus ergeben sich gewaltige Rätsel und Fragestellungen, die unbeantwortet bleiben und den modernen Menschen vor trostlose Enttäuschungen stellen oder in die Versuchung führen, das menschliche Leben, das sie aufgibt, zu zerstören. (…) Nur eine neue Evangelisierung kann die Vertiefung eines reinen und festen Glaubens gewährleisten, der diese Traditionen zu einer Kraft wahrer Befreiung zu machen vermag.“
Kardinał Stanisław Dziwisz, langjähriger Sekretär und Begleiter von Papst Johannes Paul II., hat sich kürzlich während des Kongress Europa Christi in Tschenstochau mit einem Apell gewendet an die Teilnehmer gewandt, den hl. Papst Johannes Paul II. als Schutzpatron des Europas zu ernennen. Der große Papst Johannes Paul II. hat die Kirche ins 3. Jahrtausend geführt und wird sie durch seine Fürsprache weiterhin „von oben“ leiten.
pdf Christifideles laici Nr. 34

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Auf dem Weg zu geistiger Verwahrlosung

Dies prophezeit Konrad Paul Liessmann unserer künftigen Akademikergeneration – und wohl unserer ganzen Gesellschaft. Der Wiener Philosoph hinterfragt mit intellektueller Schärfe und teils sarkastischem Humor die „Bildungslüge“ unserer Zeit. Dass er damit provoziert, ist ihm bewusst.
Heute gebildet zu sein, ist eine Herausforderung. Denn, was versteht man unter Bildung? Liessmann vermisst in den Bildungsplänen an Schulen und Universitäten das „Leitbild des gebildeten Menschen“. Stattdessen würde von Politikern gefordert, Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft und digitale Fitness zu vermitteln. Dagegen setzt der Autor schon im Vorwort seine einst als Ideal verstandene Vorstellung eines gebildeten Menschen: „Dazu gehörten fundiertes Wissen, das es erlaubt eigenständig Fakten von Fiktionen zu trennen; ästhetische und literarische Kenntnisse und Erfahrungen, ein differenziertes historisches und sprachliches Bewusstsein, ein kritisches Verhältnis zu sich selbst, eine auf all dem gründende Urteilskraft und eine gesteigerte Sensibilität gegenüber Lügen, Übertreibungen, Hypes, Phrasen, Moralisierungen, und Plattitüden der Gegenwart.“ (S. 8) Doch von all dem werde im heutigen Diskurs gerade nicht mehr gesprochen. Vielleicht weil diese Fähigkeiten nicht mit Nützlichkeit und praktischer Anwendbarkeit zu tun haben. Liessmann stellt klar: Bildung hat immer mit konkreten Inhalten zu tun.
Gerade diese Inhalte sieht er der heutigen Lehrerausbildung verloren zu gehen. Besorgt betrachtet Liessmann die Reformen, die eine Schwerpunktverlagerung des Lehrerberufs vom einstigen Experten in einer wissenschaftlichen Fachdisziplin hin zum sozialkompetenten Lernbegleiter. Die Tatsache, dass heute nicht mehr Pädagogik sondern BIldungswissenschaften studiert würden, zeuge von diesem Paradigmenwechsel. Die Frage sei jedoch, ob man das „Lehrersein“ überhaupt studieren könne…

Quelle: Bremer Leselust

Die Gedanken, die der Autor in seinem Werk versammelt, stammen größtenteils aus Vorträgen und anderen Interventionen zu bildungspolitischen Fragen. Das Buch gliedert sich in drei große Abschnitte, wobei nur der erste Teil das Thema Bildung als solches thematisiert. Schon für die Lektüre der ersten beiden Kapitel würde sich die Anschaffung des Buches lohnen. Darin spricht er über den Wert literarischer Bildung und dringt in Anlehnung an Peter Bieri in die persönlichkeitsformenden Früchte wahrer Belesenheit. „Das Interesse für Literatur wird geweckt, wenn man im richtigen Moment das richtige Buch in die Hand gedrückt bekommt und sich dadurch die Chance eröffnet, zu einem Leser zu werden.“ (S. 23) Dass es hierfür einer Zurückgezogenheit bedarf, davon handelt ein eigener lesenswerter Beitrag über Muße und Bildung. Aber auch sein Beitrag über „Tausend Hände“ im mittleren Buchteil ist sehr lohnenswert. Dort philosophiert er über die Beziehung von Geistes- und Handarbeit, darüber, ob unsere Hände im digitalen Zeitalter „arbeitslos“ würden… oder sich spontan neue Betätigungsfelder suchten, denn „es liegt nicht im Wesen der Hand, nichts zu tun.“ (S. 126)

Was er uns noch sagen wollte: Haben wir kein schlechtes Gewissen, wenn wir uns den Freiraum für die Lektüre und die Einsamkeit mit einem Buch schaffen oder den Besuch eines Museums und die Erbauung eines Theater- oder Konzertbesuchs leisten!

Zusammenfassung Buch pdf                     pdf Peter Bieri Gebildetsein

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Nicht wir erneuern die Kirche Christi

Heute ist Reformationstag. Zu diesen 500. Gedenktag der Reformation hat es eine lange Vorbereitungszeit gegeben. Unzählige Artikel, Bücher und Symposien sind hierzu erschienen bzw. wurden darüber abgehalten. Sicherlich haben sie zu einer vertieften und differenzierteren Kenntnis des historisch wie politisch so wichtigen Ereignisses geführt.
Soll man den vielen lesenswerten Beiträgen noch etwas hinzufügen? Ja, ich möchte dies tun. Gerhard Kardinal Müller wurde am 16. Oktober die Ehrendoktorwürde durch die Päpstliche Universität Johannes Paul II. in Krakau verliehen. Anlässlich dieser Würdigung hat er einen Vortrag darüber gehalten, was in seinen Augen eine echte Kirchenreform ausmacht. Diesen möchte ich hier kurz vorstellen, er ist in zwei Ausgaben der deutschen Tagespost dieser Tage erschienen.
Darin beleuchtet er die Licht – und Schattenseiten der Reformation und sieht in einer wahren Reform nicht Veränderung sondern vielmehr Erneuerung.
Erneuerung jedoch, die nicht von außen – etwa durch das Know-How brillianter Beraterfirmen geleistet wird – sondern Erneuerung, die von innen her kommt. Müller sagt, „die Kirche als Schöpfung Gottes kann nicht Gegenstand menschlicher Reformbemühungen sein. Wir können die Kirche nicht reformieren und umgestalten nach unserem Befinden und Gutdünken (…) Nicht wir reformieren die Kirche Gottes (…) sondern Gott reformiert uns.“ Dies sei eine Herausforderung, die die Christen beider Konfessionen gleichermaßen beträfe. Der Primat müsse weniger auf dem liegen, was wir Menschen tun könnten, als vielmehr zuzulassen, was Gott in jedem Menschen und in seiner Kirche durch den Heiligen Geist zu wirken vermag. Drum sei das Ziel von Ökumene nicht „versöhnte Verschiedenheit, sondern die Versöhnung der Gegensätze in einer tieferen Communio in Christus“.
Der heutige Reformationstag sowie das morgige Fest Allerheiligen könnten Zeit und Muße bereitstellen, diese anspruchsvollen Gedanken des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongretation nachzulesen und zu bedenken.

pdf Artikel Müller I.           pdf Artikel Müller II.           pdf Artikel Müller III.

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Eine besondere Freundschaft an der „Jurassic Coast“

Bekannt wurde die Paläontologin und Fossiliensammlerin Mary Anning vor allem durch ihre Entdeckung fossiler Kreaturen wie dem Ichthyosaurier und dem Plesiosaurier. Sie lebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Lyme Regis im Südwesten Englands, dessen Strände auch heute noch Fossilienjäger anlocken. Ihre eindrucksvolle Lebensgeschichte hat Tracy Chevalier in ihrem Roman getreu nachgezeichnet. Auf dem Blog der Biologin und Journalistin Bettina Wurche habe ich eine sehr treffende Beschreibung und Würdigung dieses Buches gelesen, so dass ich dem kaum etwas hinzufügen möchte.
Besonders gefallen hat mir der an Jane Austin angelehnte Erzählstil und die spannende Auseinandersetzung mit den sich aus den Fossilfunden ergebenden theologischen Fragen über die Schöpfung Gottes. Man darf auf den Film gespannt sein, der wohl 2019 rauskommen wird…

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Kleine Schritte tun…

um im richtigen Element zu sein. Es ist nicht das Neueste aus dem medizinischen Kabarett von Dr. Hirschhausen, aber immer wieder bedenkenswert:

Hier die Pinguingeschichte zum Nachlesen

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Christliche Familientraditionen pflegen

Quelle: aliexpress.com

Dazu hatte im Nachgang zur Synode über Ehe und Familie im Oktober 2015 der New Yorker Erzbischof Kardinal Timothy Dolan auf seinem Blog ermutigt.
Die CNA Deutsch sind der Meinung, dass diese 13 katholischen Traditionen in Vergessenheit geraten und haben sie deshalb dieser Tage für deutsche Leser auf ihrem Portal vorgestellt. Dolan hält diese und andere Gewohnheiten für einen „Schatz, um Ehepaare und Familien stark und in der Liebe und Nähe zu Gott zu erhalten.“ Ich sage sie hiermit weiter:

  1. Frohe, aber einfache Feier von Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Hochzeiten und Ehejubiläen. Gott treu und gemeinsam als Familie anbeten in der Sonntagsmesse und das Geschenk besonderer Zeiten und gemeinsamer Mahlzeiten bewahren, zumindest am Tag des Herrn, wenn es unter der Woche nicht öfter möglich ist.
  2. Weihwasser, Kreuz, Bibel, Bilder von Jesus, Maria und den Heiligen in unserem Häusern.
  3. Eine echte Feier des Advent und der Vorbereitung auf die Geburt Jesu.
  4. Besonderes Augenmerk für das Aufstellen der Weihnachtskrippe.
  5. Das Einhalten der Fastenzeit in der Familie, vor allem durch gemeinsame Bußübungen, größere Aufmerksamkeit für die Armen, Kranken und Bedürftigen und durch den gemeinsamen Empfang des Sakramentes der Versöhnung.
  6. Den Kindern biblische und christliche Vornamen geben.
  7. Die Aufgabe der Tauf- und Firmpaten ernst nehmen.
  8. Einen Priester bitten, das eigene Haus oder die eigene Wohnung zu segnen.
  9. Gemeinsame Wallfahrten als Familie.
  10. Sich um kranke und sterbende Familienmitglieder versammeln und sich im Glauben in den Augenblicken des Todes und des Begräbnisses vereinen.
  11. Der Eltern und Familienmitglieder bei der Heiligen Messe und an ihren Sterbetagen gedenken.
  12. Segen für die werden Eltern und besonderen Beistand für Paare, die sich ein Kind wünschen, erbitten.
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