Rennen lassen – nicht ruhig stellen

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Quelle: Badische Zeitung

Immer häufiger stellen deutsche Kinderärzte die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen). Gemäß dem Arztreport 2013 der Barmer-GEK erhielten 2011 sieben Prozent der elfjährigen Jungen und zwei Prozent der gleichaltrigen Mädchen Methylphenidat gegen ADHS.

Geht das hier noch mit rechten Dingen zu? Gibt es wirklich so viele Jungen, die am Zappelphilipp-Syndrom leiden? Beugen sich die Ärzte nicht zu schnell dem Drängen von besorgten und wohl genervten Eltern und Lehrern? Dass dies nicht bloß eine vage Vermutung sondern besorgniserregende Realität ist, hat unlängst der Düsseldorfer Kinderarzt Michael Hauch in seinem Beitrag für die Frankfurter Sonntagszeitung mit Empörung festgestellt. Darin analysiert er die wahren Ursachen dieser seiner Meinung nach bequemen Lösung zur Ruhigstellung der Kinder:
„Bei den meisten auffälligen oder gestörten Kindern fehlt es an ausreichender Anregung in den Familien. Wo – möglichst noch im Kinderzimmer – von morgens bis abends der Fernseher oder die Spielkonsole läuft, wo es keine gemeinsamen Mahlzeiten gibt, kein Vorlesen, keine Spiele, dort verkümmern die geistigen und körperlichen Anlagen, mit denen Kinder auf die Welt kommen.“ Er selber mache immer wieder die Erfahrung, dass Zeit und Zuwendung für die jungen Patienten und ihre Eltern sich bezahlt mache. Auch seien viele Eltern dankbar, wenn die Diagnose nicht ADHS laute und sie mit Geduld und Widmung ihr Kind beim nächsten Entwicklungssprung begleiten dürften.

Der Artikel ist ein lesenswerter Beitrag zur aktuellen Diskussion um die vermeintliche Droge Ritalin.

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3 Antworten zu Rennen lassen – nicht ruhig stellen

  1. evilmichi schreibt:

    Und noch einer dieser Artikel, die es nicht gäbe, wenn jemand einfach ein bisschen weniger jener Bequemlichkeit an den Tag gelegt [und anständig recherchiert] hätte die er hier den Eltern der ADHS-Kinder unterstellt. Aber hey, beim Thema ADHS kann ja jeder mitreden. Selbst jemand, der eigentlich mit dem Thema selbst gar nichts zu tun hat.

    • Fuchs schreibt:

      Hallo Michi,
      sorry und danke für Deinen Hinweis! Da ich wohl um die Schwierigkeiten von Eltern weiß, deren Kind oder Kinder unter ADHS leiden, war es nicht meine Absicht, diesen Betroffenen Bequemlichkeit oder sonst eine Nachlässigkeit zu unterstellen.

      • evilmichi schreibt:

        Ich nahm an dass du das hier: „Bei den meisten auffälligen oder gestörten Kindern fehlt es an ausreichender Anregung in den Familien. Wo – möglichst noch im Kinderzimmer – von morgens bis abends der Fernseher oder die Spielkonsole läuft, wo es keine gemeinsamen Mahlzeiten gibt, kein Vorlesen, keine Spiele, dort verkümmern die geistigen und körperlichen Anlagen, mit denen Kinder auf die Welt kommen.” gelesen und verstanden hattest, bevor du den Text als Zitat verwendest.
        Falls meine Kommentar ruppig rüberkommt, tut es mir leid, ich bin nur diese ständigen Anfeindungen leid und das pauschale „Abgewatscht-Werden“ von Leuten, die sich nicht eimal ansatzweise mit dem Thema befasst haben, geschweige denn selbst einen Betroffenen kennen.

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