Das bewegende Leben eines Exil-Äthiopiers

Memoiren Prinz AsservateEr kam nach Deutschland und blieb: Prinz Asfa-Wossen Asserate – bekannt geworden durch sein Buch „Manieren“ – schildert in seinen Memoiren seinen beeindruckenden Lebensweg. 1948 in Addis Abeba in Äthiopien geboren, wächst er dort am kaiserlichen Hof auf, kommt zum Studium nach Deutschland, wo er aufgrund des blutigen Umsturzes in seinem Heimatland 1974, bleibt – gerne bleibt.
Ausführlich schildert er in den ersten Kapiteln den Glanz des Kaiserhofes, das prunkvolle aber zugleich maßvolle und streng geordnete Leben. Hier wird er in höfischen Tugenden ausgebildet, hier erhält er seine Umgangsformen, die ihn schon seit früher Kindheit in die Lage versetzen, sich auf allen Parketten der Welt bewegen zu können. Hier wird er für sein ganzen Leben geprägt. Bei der Schilderung seiner Schuljahre in der 1955 gerade gegründeten deutschen Schule in Addis Abeba kann er nicht umhin, mit deutlichen Worten seiner Sorge um das heutige deutsche Bildungssystem Ausdruck zu verleihen.
Kennt man sein anderes Werk, „Manieren“, so erahnt man, woher er das feine Gespür für das, was sich (auch in Deutschland) noch gehört. Die blendende Erziehung, die er genossen hat, ist nicht nur äußere Form, sondern ist durch seinen Charakter veredelt. Asserate hat sich durch Lob und Tadel formen lassen, nicht zuletzt durch seinen strengen und zugleich sehr zugänglichen Vater, Asserate Kassa. Auch die Studienjahre in Tübingen, Cambridge und schließlich Frankfurt, seiner Wahlheimat bis heute, haben ihn nachhaltig geprägt. Wer Prinz Asserate begegnet ist – etwa bei einer Autorenlesung – mag sich gefragt haben, warum er nie geheiratet hat… vielleicht liegt der Grund in einer Jugendliebe, die aufgrund tragischer politischer Umwälzungen nicht – wie geplant war – zum Hafen der Ehe geführt hat (vgl. S. 151 ff oder S 292).
Asserate ist ein Mensch, der gelernt hat, im Stillen zu leiden. Aus dem Exil musste er mitansehen, wie der Fall des Kaiserhauses in Äthiopien dieses und die Nachbarländer wie etwa Eritrea in Krieg, Armut und große Not gestürzt und seine Mutter und Geschwister viele Jahre in Sippenhaft genommen hatte. In der Zeit zwischen 1975 und 1983 nutze er alle ihm zur Verfügung stehenden Kontakte zu anderen Königshäusern, um die Mitglieder seiner Familie auf diplomatischem Wege frei zu bekommen, was ihm letztendlich gelingen sollte.

Prinz AsserateSeine Erinnerungen sind ein Lesegenuss. Asserate besitzt die Gabe, die eigene Kultiviertheit und umfassende Bildung nicht überheblich wirken zu lassen, sondern sie vielmehr in elegante Worte zu kleiden und dem Leser en passent ein Stück Kulturgeschichte zu vermitteln. Mit dem Blick eines Ästheten beschreibt er Würde und Anspruch politischer und religiöser Ämter, die man bei manchen Amtsträgern heute gerne verwirklicht sähe.

Und warum blieb er nun in Deutschland? Er hatte zwischenzeitlich mal in Erwägung gezogen, sich in den USA nieder zu lassen. Doch hatte er diesen Gedanken bald verworfen. Nachdem man ihm 1975 die Erneuerung seines Äthiopischen Passes vonseiten der Botschaft in Düsseldorf verweigerte, beantragte er in Deutschland Asyl – was ihm auch gewährt wurde. Seit er im Besitz eines deutschen Passes ist, ist Deutschland nicht mehr nur Gastland, sondern zur zweiten Heimat geworden. Auch ist Asserate seit seiner Jugend ein grosser Verehrer der deutschen Literatur, die ihm zu einer geistigen Heimat wurde.

Kurzbiographie 3sat                       Asfa Wossen Asserate im Gespräch

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