Bildung ist weder islamisch noch westlich – Bildung ist menschlich

Ich bin MalalDie beeindruckende Geschichte von Malala hat sich nicht vor Jahrhunderten abgespielt. Sie geschah vor weniger als zwei Jahren in Pakistan – einem Land, in dem Mädchen nicht selten der Schulbesuch verweigert wird. Malala ist eine Ausnahme. Ihre Mutter hatte keine Schule besucht, ihr Vater dagegen ist hoch gebildet und hat sogar eine Schule gegründet, auf der seine Tochter bis zum Herbst 2012 als Klassenbeste lernte – bis zu dem Tag, der ihr Leben und das ihrer Familie grundlegend verändern sollte.
Malala’s Vater sieht in Bildung ein großes Geschenk. Er glaubt, dass der Mangel an Bildung die Wurzel aller pakistanischen Probleme war und ist. Eigentlich ist er ein Revolutionär: er wollte Schulbildung allen zugänglich machen: Armen und Reichen, Jungen und Mädchen. War er nur ein Träumer? Die von ihm 2003 gegründete Oberschule unterrichtet nicht nur Jungen sondern auch Mädchen. Dies war den Taliban, die zunehmend das Land kontrollieren und terrorisieren ein Dorn im Auge. Mit regelmäßigen Radioansprachen wurden junge Frauen eingeschüchtert und schließlich dazu gebracht, nicht mehr zur Schule zu gehen.
Malala und ihre Freundinnen haben sich dagegen gewehrt. Malala hat den Mut, bei vielen Fernsehinterviews für die Rechte von Frauen zu kämpfen. Dabei unterstützt sie ihr Vater: „Du bist ein Kind, es ist dein gutes Recht, laut deine Meinung zu sagen“ (vgl. S. 166). Sie scheint die geborene Politikerin zu sein.
Bis Ende 2008 zerstören die Taliban in Pakistan 400 Schulen und schließen alle Mädchenschulen. Das schöne Swat-Tal, ihre Heimat, verwandelt sich in eine Hölle: ständige Bedrohung durch Selbstmordattentäter, Ausgangssperren, kaum Strom oder Trinkwasser, überfüllte Krankenhäuser.
Malala wird immer mehr zum öffentlichen Sprachrohr im Kampf um Bildungsrechte der Mädchen. Für den BBC schreibt sie unter einem Pseudonym ein Tagebuch und tritt häufig bei Talkshows auf. Sogar eine Schule erhält ihren Namen und für ihren mutigen Einsatz für Kinderrechte wird sie mit zahlreichen Preisen bedacht. Dadurch gerät sie immer mehr ins Visier der Taliban: es ergehen Morddrohungen an ihren Vater und schließlich an sie selber, welche dann bei einem Anschlag ausgeführt werden.

Familie MalalaWie durch ein Wunder überlebt sie die Kugeln, die sie am Kopf trifft. Zur medizinischen Behandlung kommt sie nach England, wo sie seitdem mit ihrer Familie lebt. Hier möchte sie soviel Bildung erhalten, wie ihr ermöglicht werden kann. Mit Sehnsucht blickt sie auf ihr Land Pakistan, dem sie gerne später als Politikerin dienen möchte. Ihr Regierungsprogramm hat sie schon bei ihrer Rede vor der UNO formuliert: „Lasst uns unsere Bücher und unsere Stifte zur Hand nehmen. Sie sind unsere mächtigsten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“

In ihrer Heimat jedoch wurde ihre Biographie aus der Schule verbannt – man wirft ihr vor, sich mit dem Westen verbündet zu haben! Im Oktober 2013 wurde Malala der Sacharow-Preis für Menschenrechte verliehen.

BBC-Film über ihre Rettung       Malalas Rede vor der UNO

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