Über unsere natürliche Ausrichtung auf die Wahrheit und das Gute

Josef BordatJeder kennt diese spontane mitunter quälende Reflexion über das eigene Tun oder gar Nicht-Tun. Es ist das Gewissen, das anklopft: als „innere Stimme“, oder „moralischer Instinkt“, als „der kleine Mann im Ohr“… Man mag es nennen wie man will, das Gewissen ist eine anthropologische Konstante und sicherlich ein Hinweis auf die Geistigkeit des Menschen – oder hat sich schon einmal eine Katze dafür entschuldigt, eine Maus gefressen oder eine Blumenvase beim Spielen umgestoßen zu haben?
Muss man dieser Stimme immer folgen? Wer oder was gebietet hier eigentlich? Wer ist dieser mysteriöse Gesprächspartner, der mich zuweilen anklagt oder gar lobt?
Josef Bordat, bekannter deutscher Blogger und Philosoph geht diesen vielen Fragen in seinem neuen Buch systematisch nach. Dabei trägt er der Tatsache Rechnung, dass eine rechte Erörterung des Gewissensbegriffs nicht ohne Vertiefung verwandter Begriffe wie Freiheit, Vernunft und Verantwortung geschehen kann. Der Leser erhält einen ausführlichen und tiefen Einblick in die geschichtliche Entwicklung des Gewissensbegriffs aus der Perspektive sowohl der Philosophie als auch der Theologie.

Bordat macht keinen Hehl daraus, dass das Gewissen in seiner Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte einem beträchtlichen Wandel unterworfen war. Von der inneren Stimme Gottes, der es unbedingt zu folgen gilt bis hin zum subjektiven Urteil des Menschen reicht das Spektrum. Lesenswert sind seine Gedanken zu Gewissensfragen bei Themen, die uns heute alle betreffen: im politischen Alltag, beim Beginn und bei Ende des menschlichen Lebens, im Bereich der Wirtschaft, wo ehrenhaftes Verhalten zuweilen empfindliche  finanzielle Einbußen bedeuten kann. Josef Bordat

Die von Bordat vorgelegte kompakte wie komplette Darstellung des Gewissens ist leicht zugänglich, bedarf keiner speziellen Vorkenntnisse und kann auch als fundiertes Nachschlagewerk nützlich sein. Es ist die Perspektive eines Christen. Hier geht es explizit um die katholische Position, bei der immer das Beziehungsgefüge des Menschen zu Gott, zu anderen Menschen und in seinem Verhältnis zur Gemeinschaft mitgedacht wird. Kurz: es ist Perspektive der christlichen Ethik, die den Menschen und seine Handlungen im Hinblick auf sein letzten Ziel betrachtet, daraufhin, dass sein Leben als Ganzes gelingt.

Filmtipp zum Thema: Biographie über Thomas Morus „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ (1966) – immer noch aktuell und sehenswert!

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