Wie Musik unser Gehirn verwandelt

Zerebrales SinfonieorchesterLernen ist ein lebenslanger Prozess und manifestiert sich in messbaren Veränderungen der Feinstruktur unseres Gehirns. So ist es auch, wenn wir ein Musikinstrument erlernen. Wie sich durch das Musizieren genau unser Gehirn verändert, untersucht die noch junge Neuroscience of Music. Dabei seien Musiker die optimalen Kandidaten zur Erforschung der Neuroplastizität, sagt Prof. Eckart Altenmüller, Leiter des Insituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin, in einem Beitrag in der FAZ vom 19.11.14. Beim Musizieren werde das gesamte Gehirn beansprucht. Der Neurologie Peter Schneider hat unlängst in einer Studie untersucht, wie Gehirnareale des auditorischen Kortex jeder Instrumentengruppe eines Orchesters unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Zu den Entdeckungen dieser Sparte der Neurowissenschaften gehört unter anderem, dass Musikunterricht bei Kindern das Sprachverständnis und Wortgedächtnis unterstützt. Weiter gibt sie Anhaltspunkte für das Verständnis der sogenannten Musikerdystnonie, bei der Berufsmusiker die feinmotorische Kontrolle bei Musizieren verlieren und nicht selten arbeitsunfähig werden.
Schon länger bekannt ist der positive Einfluss von Musik auf die emotionale Entwicklung des Menschen. Vor Jahren bereits warnte die bekannte Kinderpsychotherapeutin Christa Meves davor, Kinder vorschnell vom Musikunterricht abzumelden, wenn schulische Leistungen zu wünschen übrig ließen oder aber andere Freizeitangebote attraktiver als Musik waren. Dies könne zu einer emotionalen Verarmung der Kinder führen, die später nur schwer wieder aufzuholen sei. Nicht von ungefähr berichtet Jacques Lysseyran in seiner Autobiographie „Das wiedergefundene Licht“, dass sein Vater ihn nach seinem tragischen Unfall, der ihn das Augenlicht kostete, jeden Samstag zu einem klassischen Konzert mitgenommen hatte. Er tat dies, damit seine affektive Reife durch die plötzliche Blindheit keinen Schaden erleide.

Interview zum therapeutischen Potential von Musik 
pdf Artikel FAZ Altenmüller                   pdf Studie zerebrales Synfonieorchester

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2 Antworten zu Wie Musik unser Gehirn verwandelt

  1. Bernd Willimek schreibt:

    Fragen Sie einmal Herrn Altenmüller, warum Musik in der Lage ist, Emotionen auszulösen. An seiner Antwort werden Sie merken, dass er zu dieser Frage nicht mehr sagen kann als jeder beliebige andere Mensch. Bernd Willimek, Musiktheoretiker

    • Fuchs schreibt:

      Danke für Ihre Anmerkung. Prof. Altenmüller hat wohl auch mehr die Folge des Musizieren auf die neuronale Steuerung der Feinmotorik untersucht. Dass Musik – nicht jede Art von Musik – auch den Gefühlshaushalt beeinflusst haben mehr Psychologen festgestellt – und jeder Mensch weiß das im Grunde. Ich bin selber Musikerin und habe diese Erfahrung oft im positiven Sinne gemacht (wenn es sich um klassische Musik handelte).

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