Laogai – die Gulags des 21. Jahrhunderts

Donner der NachtBis vor kurzem konnte in China jede Polizeidienststelle Bürger ohne Prozess für drei Jahre in sogenannte Administrativhaft nehmen und in einem Lager zur „Umerziehung“ unterbringen. Erst vor knapp einem Jahr wurde die „Umerziehung durch Arbeit“ durch den chinesischen Volkskongress abgeschafft. Nicht wenige Menschen haben in diesen Lagern mit den erbärmlichen Zuständen ihr Leben gelassen. Sie haben ihre besten Lebensjahre vergeudet und den Kontakt zu ihren Familien verloren. Oft wussten sie bis zu ihrer Entlassung nicht wirklich, warum man sie so lange festgehalten hat.
Harry Wu erzählt in seiner autobiographischen Schrift sein Schicksal in verschiedenen Straflagern, in denen er zwischen 1960 und 1980 interniert war. Nach seinem Studienabschluss wird er als „konterrevolutionärer Rechtsabweichler“ verhaftet und zur Umerziehung durch Arbeit in ein Laogai-Lager geschickt. Hier erlebt er 19 Jahre lang Hunger und Demütigungen. Die menschenunwürdigen Umstände lassen Mithäftlinge und auch Lagerleitung so verrohen, dass es an ein Wunder grenzt, dass jemand diese Torturen überleben kann.
Eine erschütternde Lektüre, die den Leser nicht unbeteiligt lässt. Vor allem führt sie dazu, aufmerksam die Art und Weise der jetzigen politischen Führung Chinas zu verfolgen, wie sie mit Regimegegnern oder den Bürgern Hong Kongs umgeht.
Wu konnte erst 1985 in die USA ausreisen und widmet sich dort als Direktor der Laogai-Research-Foundation der Aufarbeitung der „Ära, in der die Menschlichkeit verschwand“.

Kurzvideo mit Harry Wu

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