Nobody is perfect – was, wenn er es versucht?

Bildschirmfoto 2015-01-13 um 20.04.43Das Streben nach Vollkommenheit etwa im Sport oder der Musik ist etwas an sich Gutes. Wenn jedoch die Sehnsucht nach Höchstform zu einer Notwendigkeit wird, kann sie mitunter krank machen. Perfektion als Freude an vollendeter Kunstfertigkeit steht somit im Gegensatz zum Perfektionismus.
Der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli untersucht in seinem neuen Buch genau dieses Phänomen: wenn die Messlatte des Sollens ständig die eigenen Möglichkeiten übersteigt, macht das die Menschen unzufrieden. Viele Merkmale kennzeichnen einen Perfektionisten: etwa dass er sich zu hohe Ziele setzt, die nicht zu erreichen sind. Da er es aber unbedingt will, muss er sich dazu zwingen. Diesen selbst auferlegten Leistungsdruck kann keiner auf Dauer ertragen. Folge davon sind Unzufriedenheit, Probleme im menschlichen Miteinander, Frustration, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden können. Darüber hinaus fehlt es nicht selten an Flexibilität, sich auf andere oder niedrigere Ziele einzustellen.
In seiner Analyse kommt Bonelli der Wurzel des Übels auf die Spur: wer alles nur sehr gut machen möchte, kreist im Grunde immer nur um den eigenen Horizont. Ichhaftigkeit und Angst begleiten den Perfektionisten auf Schritt und Tritt. Die Ausführungen erschöpfen sich schließlich nicht in der Analyse von 77 Patienten. Bonelli zeigt gangbare Wege auf, aus dem selbst gebauten Elfenbeinturm herauszukommen. Das wohl beste Rezept bleibt die Hinwendung zu anderen Menschen und eine Portion Mut, auch mal imperfekt zu sein.
Bonelli wählt wie in seinem 2013 erschienenen Buch „Selber Schuld“ den Weg der Fallbeispiele, anhand derer er die unterschiedlichen Manifestationen von Perfektionismus anschaulich macht und mit den Erkenntnissen neuester Studien kontrastiert. Unvermeidbar wird der Leser dazu neigen, hin und wieder sich selber portraitiert oder gar karikiert zu sehen. Eine Portion Humor und Selbstkritik sollte die Lektüre begleiten, die sicherlich Gewinn für die eigene Lebensführung mit sich bringt.

Vortrag von R. Bonelli über Psychohygiene

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