Die verlorene Genderstudie

Melford-Spiro

Melford E. Spiro (1920 – 2014)

Der US-amerikanische Kulturanthropologe und Psychoanalytiker Melford E. Spiro (1920-2014) führte eine bis heute einzigartige Langzeitstudie zu Gender und Kultur über die Kibbuz-Bewegung in Israel durch. Hierbei handelt es sich um eine zionistische Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die die jüdische Gesellschaft auf eine ganz neue Grundlage stellen wollte. Es sollten neue Produktions- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die in gemeinschaftlichen Siedlungen, den Kibbuzim, verwirklicht wurden. Diese Lebens-gemeinschaften, in denen es keinen Privatbesitz gab, waren von der feministischen Ideologie getragen und behandelten Männer und Frauen als völlig gleich und reformierten die Strukturen von Ehe, Familie und Kindererziehung.

Spiro beobachtete und dokumentierte dieses sozialistische Experiment insgesamt über 40 Jahre: von 1950 – 1975 und später weiter bis 1994. Anfangs war er selber von einigen Thesen der Gender-Theorie ausgegangen, doch schreibt er selber, dass die langjährigen Beobachtungen in ihm eine „kopernikanische Wende“ ausgelöst hätten. Grund hierfür war die Beobachtung einer „weiblichen Gegenrevolution“ der im Kibbuz geborenen Frauen. Sie kehrten allmählich zu einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zurück und sorgten auch wieder eigenständig für ihre Kinder. Was diese Frauen bewogen hat, zu ihrer „Mutterrolle“ zurückzukehren, das ist Thema seiner Studie. Sie behandelt somit die Kernthemen der Genderdebatte. 1979 hatte er seine Thesen erstmals veröffentlicht, jedoch ohne viel Resonanz zu erhalten. Spiro war sich bewusst, dass das Ergebnis seiner Untersuchung überhaupt nicht zum politisch gewollten Mainstream der Genderideologie passte und deshalb ignoriert und totgeschwiegen wurde. So veröffentlichter sie 1996 erneut. Dabei schrieb er eine komplett neue Einleitung und stellte die Studie in den aktuellen Kontext der Gender-Debatte. Die Lektüre ist besonders wertvoll für alle, die mit Erziehungsfragen zu tun haben und die aktuelle Diskussion um „Pädagogik der Vielfalt“ usw. verfolgen.

Die Studie kann auf dem Blog oder beim Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft heruntergeladen werden.

pdf Spiro-Studie runterladen

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