Eine denkwürdige Begegnung

9783981444483… aber wer trifft wen? Sokrates begegnet Jesus. Natürlich nicht wirklich, doch könnte es sich so zutragen, wie es uns der Philosoph und Konvertit Peter Kreeft in seinen fiktiven Dialogen schildert. Der Schierlingsbecher hatte seine Wirkung verfehlt… Sokrates erwacht und wundert sich, wo er auf einmal landet – nicht im Paradies sondern an der Have it University (eine Anspielung des Autors auf Harvard University). Dort schreibt er sich an der Divinity School in vergleichende Religionswissenschaften ein.
Das ist keine Satire, in die der Leser da mitgenommen wird, sondern ein „Tatsachenbericht“, was heutzutage in der „Theologie“ alles gelehrt – oder vielmehr: diskutiert wird. Man kann sich die Situation oft bildlich vorstellen, wie der Gesprächspartner – der stellvertretend für den Leser im Ring steht, den Sokrates mit seinen penetranten Fragen löchert, bald ins Schwitzen, bald verärgert das Thema wechselt. Dennoch: Sokrates entlarvt liebevoll unser oft unlogisches und unsachliches Denken und Schlussfolgern. Er will uns davor bewahren, uns etwas vor zu machen, unser Gewissen mit scheinbaren Gründen zu beruhigen. Er spornt uns dazu an, uns im letzten über unser Handeln oder auch Nicht-Handeln Rechenschaft zu geben, ehrlich mit uns selber zu sein und nicht aus dem „Bauchgefühl“ zu urteilen. Die Art der Darstellung erinnert nicht selten an Dialoge, die Loriot mit seinen Gesprächspartner geführt hat…

Dr.-Peter-KreeftDie Themen, die Sokrates interessieren, sind heute dieselben wie damals, als er in Athen lehrte: wie gelangt man zum Fortschritt im Erkennen, wie steht es mit dem Fundamentalismus, worin besteht das gute Leben… schließlich, als er sich teils von Christen, teils von Atheisten umgeben sieht, geht es wirklich zur Sache: was hat es mit dem Jesus auf sich, der sich Gott nennt, der von den Toten auferstanden ist. Das letzte Drittel des Buches schildert seinen intellektuellen Weg zur Erkenntnis des christlichen Gottes. Seine Entdeckungen beeindrucken nicht nur seine Gesprächspartner im theologischen Seminar, sie fordern sie gleichsam heraus, sich klar hinsichtlich ihres religiösen Bekenntnisses zu outen.
Ein großartiges Werk, das auf provokative Weise die Suche nach der Wahrheit vieler Menschen nachzeichnet. Das Buch denjenigen, die eine vernünftige Begründung ihres Glaubens suchen, tragfähige Argumente. Vielleicht mag es dann manchem Leser wir Sokrates gehen, der nach der Lektüre des Neuen Testaments im Seminar ausrief: „Ich habe nicht nur ein Buch gelesen. Ich bin einer wirklichen Person begegnet.“ Seine Argumentationen nachzuvollziehen ist nicht immer trivial, jedoch lohnt sich die Mühe!
Hier ein Theaterstück basierend auf dem Buch:

Vorträge von Peter Kreeft 

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5 Antworten zu Eine denkwürdige Begegnung

  1. Muriel schreibt:

    Lässt sich: kommentartauglicher Kürze zusammenfassen, wie so tragfähige Argumente dann beispielhaft aussehen?

    • Fuchs schreibt:

      Ich versuche es gerne: Sokrates entdeckt unter anderem den göttlichen Willen, der vom Gehorsam verlangt und zugleich gar nicht den Menschen braucht… er forscht weiter und erkennt die selbstlose Liebe Gottes, die in seinen Augen für Sterbliche unmöglich ist – hier sieht er die „Göttlichkeit Gottes“, der sein Leben für den Menschen hingibt.
      Interessant ist sein Weg, Gott in der Offenbarung -also im AT und NT- zu „finden“. Dabei „vergleicht“ er, wie zu allen Zeiten es die Menschen waren, die nach Gott suchten – in allen Religionen… doch der jüdische und christliche Gott macht es umgekehrt: Er sucht den Menschen – denn, so Sokrates, wie hätte der Mensch Ihn sonst finden können…
      Das schönste Kapitel ist das letzte – 9. Kapitel – Sokrates begegnet Jesus in der Hl. Schrift – am Beispiel der Auseinandersetzung über die Gottmenschlichkeit Jesu Christi gelangt er zu einem immer tieferen Verständnis des dreifaltigen Gottes.
      Gewiss muss man das Kapitel mehrmals lesen, um seine Gedanken nachzuvollziehen – es lohnt sich wohl!

      • Muriel schreibt:

        Danke für die ausführliche Antwort, aber ich fürchte, da haben wir uns missverstanden. Du schriebst doch

        Das Buch [Ich vermutete: liefert oder bietet] denjenigen, die eine vernünftige Begründung ihres Glaubens suchen, tragfähige Argumente.

        und hatte gehofft, dass du eventuell kurz zusammenfassen kannst, wie die aussehen. Also, was wäre denn in deinen Augen ganz konkret ein tragfähiges Argument zur Begründung des infrage stehenden Glaubens?

  2. Fuchs schreibt:

    Ein Gott, der den ersten Schritt auf den Menschen zu macht, ohne ihn zu brauchen, einfach aus Liebe, der meint es ernst, dem kann ich mich anvertrauen, der gibt mir in meinem Leben Sicherheit. Gewiss ist der Glaube kein rein rationaler Akt, sondern auch ein Geschenk, ein Licht, eine Gewissheit, von einer Person geliebt zu werden und diese Liebe mit Gegenliebe zu erwidern.

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