Der verwegene Traum elektronischer Untersterblichkeit

image-20151215-23166-1593knwWo wird die Menschheit in 30 Jahren 2045 stehen? Einige Zukunftsvisionen wurden 2013 beim Kongress über Global Future 2045 in New York präsentiert: eine intelligente und selbstgesteuerte Evolution soll die Menschheit der Erde in einen unsterblichen Planeten verwandeln. Dazu werden Ganzkörperprothesen, Avatare und nicht zuletzt die Speicherung unseres Gehirns Früchte neuartigster Ingenieurskunst sein. Es war Ray Kurzweil, Futurist und Chefingenieur bei Google, der prophezeite, dass es Menschen bis 2045 möglich sein werde, ihren ganzen Verstand in die Cloud hochzuladen und so digital unsterblich zu werden.
Nicolas P. Rougier, Neurowissenschaftler am Institut des Maladies Neurodégénératives und am INRIA Bordeaux Sud-Ouest, ist dieser Behauptung nachgegangen und holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Macht es überhaupt Sinn, den gesamten Inhalt unseres Gehirns auf einer Festplatte zu speichern? Ohne überhaupt in ethische, philosophische, soziale und vor allem legale Bereiche des Themas einzusteigen, wirft Rougier zunächst einen Blick auf die Neurobiologie des Menschen:
Der weitaus größte Teil unseres Gehirns ist mit der Verarbeitung sensorischer Daten beschäftigt, das „Denken“ nimmt nur einen sehr kleinen Teil ein! Es gelte also das „Problem der Sinneswahrnehmung und – verarbeitung“ zu lösen, wenn man daran denkt, den gesamten Inhalt unseres Kopfes zu digitalisieren. Unsere Wahrnehmung ist verkörpert und stets von der Interaktion mit der Umwelt abhängig. Körper und Geist lassen sich nicht voneinander trennen und Gehirne sind keine körperlosen logischen Verstandesmaschinen, so die erste Schlussfolgerung.
Quelle: Rougier ArtworkGesetzt dem Fall, man würde dieses Problem in den Griff bekommen, stünde man vor der nächsten Herausforderung: was ist eigentlich das Gehirn? Wir müssen uns ein System von 86 Billionen Nervenzellen vorstellen, die wiederum zehntausende Kontakte zu anderen Nervenzellen ausbilden. Man kommt dann auf die astronomische Zahl von 860 Billionen Zellkontakten, die auf ganz unterschiedlichen Wegen miteinander kommunizieren. Bei noch so schnell wachsender Computertechnologie wird es wohl, so Rougier in seiner zweiten Schlussfolgerung, nie möglich sein, eine Rechenleistung zu erreichen, die diese Komplexität und auch Plastizität unseres Gehirns wird abbilden können.
Wer sich näher für seine Argumentation interessiert, sei auf die beiden Kurzbeiträge des Neurowissenschaftlers verwiesen, die Anfang des Jahres im online-Magazin The Conversation erschienen sind.
Ray Kurzweil über „How to create a mind“ beim Global Future 2045 Kongress:

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