Eine lohnende Investition für die Zukunft

Bildschirmfoto 2016-02-01 um 15.14.09Geduld oder Selbstkontrolle machen sich bezahlbar. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der aus Österreich stammende Wirtschaftsforscher Matthias Sutter in seinen Studien, die er in einem Buch veröffentlicht hat. Geduld hilft, langfristige Ziele zu verfolgen. Die zentrale Frage, die ihn durch die zwölf Kapitel leitet, ist diese: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an Geduld (im Sinne vom Selbstbeherrschung, Verzicht oder einfach Wartenkönnen) und dem späteren Lebensweg bei Kindern. Die knappe Antwort ist: Ja! „Es ist geradezu verblüffend, wie sich geduldige Kinder selbst einige Jahrzehnte später als Erwachsene in vielen Aspekten ihres Lebens von ungeduldigen Kindern unterscheiden“ (S. 12), so der in Köln lehrende Verhaltensökonom. Die empirischen Daten, die er präsentiert, kreisen stets um Versuche, bei denen Kleinkinder bis hin zu Erwachsenen jeweils vor die Alternative gestellt werden, entweder sofort eine kleine Menge von Gummibärchen (oder sofortige Geldzahlung) zu bekommen oder sofern sie bereit sind zu warten, etwas mehr davon ein wenig später. Das dabei erhobene Maß an Geduld wird dann mit anderen wichtigen Lebensaspekten in Zusammenhang gebracht: etwa damit, ob jemand raucht, Alkohol trinkt, Sport treibt, welche berufliche Position erreicht wurde, ob eine Straftat begangen wurde, ob jemand für seine Altersversorgung bereit ist zu sparen etc.
Vorbild für diese Vorgehensweise ist der berühmte Marshmallow-Text von Walter Mischel:


Hier erleben kleine Kinder, dass sich ein wenig Warten lohnt…

Sutter zeigt auch auf, dass das Durchhaltevermögen nicht nur eine Veranlagung darstellt, sondern ganz wesentlich vom Verhalten und Vorbild der Eltern abhängt. Auch könne Geduld eingeübt und gefördert werden, wie Studien belegen. Die Lektüre des Buches ist kurzweilig und sollte Pädagogen genauso interessieren wie Personalchefs von Wirtschaftsunternehmen.
Hier eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse (S. 154): „Kinder, die im Alter von vier oder fünf Jahren geduldig auf eine zweite Belohnung warten können, anstatt eine Belohnung sofort zu nehmen, zeichnen sie als Erwachsene durch folgende Aussagen charakterisieren:

  • sie sind besser ausgebildet
  • haben bessere Berufschancen
  • bekommen seltener ungewollt Kinder
  • kommen seltener mit dem Gesetz in Konflikt
  • leiden seltener unter Suchtverhalten: Alkohol, Drogen, Spiele
  • haben einen besseren Gesundheitszustand

Selbstverständlich sind neben der Geduld noch andere Faktoren, wie die Intelligenz oder der familiäre Hintergrund, für den Lebensweg eines Menschen sehr bedeutsam. Jedoch spielt Geduld eine erstaunlich große Rolle, und sie kann Intelligenz oder günstige familiäre Rahmenbedingungen teilweise ersetzen.“
Zum Schluss noch ein kurzes Interview mit Prof. Matthias Sutter:

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