Reformation: keine germanische Erfindung

9783406697319_large„Die Reformation war nie die Folge einer bestimmten religiösen Erfahrung oder theologischen Einsicht. Sie war von Beginn an die revolutionäre Verknüpfung von Religiösem, Sozialem, Kulturellem und Politischem“. Mit dieser These macht Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der evangelischen Kirche in Deutschland, in der Einleitung seines kleinen Buches den Leser neugierig.
Im laufenden Lutherjahr tut es gut, sich ein wenig Hintergrundwissen anzueignen, um die Vielzahl an Publikationen, Dokumentationen im Fernsehen oder sonstige Veranstaltungen zum Thema fundiert beurteilen zu können.

Das bietet das knapp und präzise verfasste Büchlein mit seiner auf 95 Fragen (und Antworten) zusammengefassten Gesamtschau der Reformation. Schnell wird dem Leser klar, dass Luther kein „Einzeltäter“ war und nicht von jetzt auf gleich zum Reformator wurde. Vielmehr hatte er zahlreiche Vorläufer wie Hus, Wycliff oder Valdes, die schon Reformbewegungen angestoßen hatten, jedoch nicht „den Durchbruch“ schafften. Vielleicht war es Luthers Weg, die Theologie so radikal zu vereinfachen, die ihn als Gallionsfigur der Reformation in die Geschichte eingehen ließ. Mit den bekannten vier „nur“: sola fide, solus Christus, sola gratia und sola scriptura – kann man bis heute das Wesen des protestantischen Glaubens zusammenfassen (S. 48).

Quelle: Awaya Legends

Quelle: Awaya Legends

Die Lektüre ist äußerst eingängig und räumt mit vielen weit verbreiteten Klischees auf. Gerade für Katholiken ist diese Darstellung der vielfältigen Aspekte der Reformation und auch der Gegenreformation hilfreich, bringt sie doch zum Ausdruck, inwiefern etwa die durch II. Vatikanischen Konzil hervorgehobene Laienspiritualität im Protestantismus grundgelegt wurde (S. 136). Aber auch das genuin Katholische, das Hinrich, offensichtlich mit etwas Wehmut meisterhaft darstellt, mag manchem lau gewordenen Katholiken die Freude am Reichtum der Liturgie zurückgeben (S. 127).
Dies seien nur wenige Pinselstriche, um den Wert dieser Lektüre für alle religiös Interessierten anzupreisen. Allgemeinverständlich geschrieben hilft das Buch sehr, zum einen die tragische Gestalt Luthers und zum anderen die Bedeutung der Reformation für die heutige Zeit zu erfassen. Dazu gehört dann auch, dass die so typisch deutschen Tugenden, wie Arbeitsamkeit und Ordnungsliebe im Protestantismus ihre Wurzeln haben…

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