Eine „Bekehrung von oben“ …

bildschirmfoto-2017-01-08-um-10-50-07… die tragischerweise ohne Folgen blieb! Sie hätte nämlich die Reformation verhindern können. Diese Auffassung vertritt der katholische Publizist Bernhard Meuser in seinem unlängst in der Tagespost erschienen Beitrag „Die verpasste Reformation“.

Was ist damit gemeint? In Papst Hadrians VI. kurzem Pontifikat (1522 – 1523) fällt der Reichstag in Nürnberg. Es ging dort um die Thesen Luthers, der seinerzeit schon exkommuniziert war. Der „Deutsche Papst“  war anders als sein Vorgänger Leo X. Er war äußerst fromm, lebte sehr sparsam und asketisch und machte sich viele Gedanken um die Situation der Kirche – vor allem der Entwicklungen der deutschen Kirche. Damit hatte er sich wenig Freunde gemacht und war Spott und Hohn ausgesetzt.
Chieregati, der päpstliche Gesandte wurde am 3. Januar 1523 in Nürnberg mit Spannung erwartet. Denn er brachte ein Dokument mit, das keiner der 300 Teilnehmer erwartete: Ein öffentliches Eingeständnis der langjährigen Verfehlungen der obersten Amtsträger der Kirche, eine demütige Bitte um Verzeihung und Ankündigung schrittweiser Reformen.
Was wäre geschehen, hätten die Reichstagsteilnehmer diese Geste des Entgegenkommens ernst genommen?
Es kam anders: Luther nannte Hadrian einen „Antichristen“, weitere „Gravamina“ wurden nach Rom gesandt und die Geschichte nahm ihren bekannten Verlauf.

Meuser gibt uns zu bedenken, dass derartiges Verhalten in der Geschichte nicht einzigartig ist: „Es sollte übrigens nicht das letzte Mal sein, dass glaubwürdige Nachfolger Petri sich als die härtesten Kritiker ihrer Kirche erwiesen: Johannes Paul II. mit seinem Schuldbekenntnis, Benedikt XVI. mit seiner Forderung nach Entweltlichung, und zuletzt Papst Franziskus bei einer Vielzahl von Gelegenheiten. (…) Geht es Papst Franziskus einst wie Hadrian?“ Noch sei vom missionarischen Aufbruch in der Kirche nicht viel zu spüren.

Ein lohnenswerter Beitrag nicht nur wegen des langen Abschnitts aus dem Sendschreiben Hadrians.

pdf Artikel Meuser

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Artikel, Glaubensfragen, Kultur, Theologie abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s