Auf dem Stuhl Petri in Zeiten des Umbruchs

Der Glanz des römischen Imperiums verblasst immer mehr. Die Kaiser regieren seit dem 4. Jahrhundert nicht mehr in Rom sondern in Konstantinopel. Rom wird immer mehr von nordischen Völkern bedrängt und Seuchen und Hungersnöte lassen die Einwohnerzahl stark schrumpfen. In diese bewegte Zeit wird Gregor der Große geboren. Er entstammt einem römischen Adelsgeschlecht und wird in jungen Jahren schon zum Stadtpräfekten. Jahre später sollen ihm diese Erfahrungen in Verwaltung und Diplomatie  für sein Amt als Stellvertreter Christi zugute kommen. Gegen seinen Willen wählt ihn das Volk im Jahr 590 zum Papst.
Der große Kirchenvater hatte die Autorin bei einem Besuch in der ewigen Stadt fasziniert und ließ sie nicht mehr los. Sigrid Grabner beschreibt das beeindruckende Leben Gregors des Großen aus nächster Nähe. Hat sie doch alle seine Werke intensiv studiert und lange genug in Rom gelebt, um die Orte, an denen er gewirkt hat, aus eigener Anschauung zu kennen. Oft zitiert Grabner aus Gregors Werken, der nicht nur ein geschickter Regent im Lateran war, sondern vor allem ein Seelsorger, dem das Seelenheil der ihm anvertrauten Christenheit am Herzen lag. So hat der Leser stets Anteil an seinen geistlichen Überlegungen, womit auch das eigene Leben hinterfragt werden kann.
Besondere Liebe zeigt die Autorin für Gregors Dialoge, einer Sammlung von Heiligenlegenden, die Gregor zur katechetischen Unterweisung des Volkes verfasst hatte. Darin enthalten ist auch eine Biographie Benedikts von Nursia, den Gregor als Kind noch kennen gelernt hatte (vgl. S.259).
Der Epilog ist mehr als eine Würdigung der Person Gregors, der über Jahrhunderte hinweg in Vergessenheit geraten war. Nach Ansicht der Schriftstellerin aus Potsdam hatte Gregor mit seiner klugen und weitsichtigen Amtsführung zu Beginn des Mittelalters schon die geistigen Fundamente des späteren Europas gelegt. Grabner sieht auch unsere Zeit als eine Zeit des geistig-kulturellen Umbruchs wie die Gregors des Großen. Mit großem Respekt und Wertschätzung blickt sie auf die heutigen Nachfolger im Petrusamt, die wie Gregor selbstlos und heiligmäßig das Schiff der Kirche gegen die Stürme der Zeit sicher lenken.
Eine sowohl historisch wie geistlich bereichernde Lektüre, die jedem empfohlen sei, der sich der Geschichte der Christenheit von der spirituellen Seite nähern möchte.

Die Autorin im O-Ton über ihren Weg zum Glauben:

PAPST BENEDIKT XVI._Audienz Gregor Gr.

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