Wenn der Glaube zur höchsten Wirklichkeit des Lebens wird…

… dann ist das Zeugnis für ihn nichts Ungewöhnliches – auch nicht das Martyrium. Die Exekution vor laufender Kamera war bis ins Detail inszeniert. Nichts wurde dem Zufall überlassen.
Heute besitzt jede Familie der 21 koptischen Märtyrer dieses filmische Dokument der heroischen Tapferkeit ihrer Söhne, Ehemänner und Väter. Um ihre Familien zu unterstützen waren die Männer als Wanderarbeiter nach Libyen gezogen und sollten nicht zurückkehren.
Martin Mosebach hat mit seinem beeindruckenden Reisebericht aus der Heimat der im Februar 2015 ermordeten koptischen Christen ein wenig Licht in das düstere Kapitel islamischen Terrors scheinen lassen.
Dabei hat ihn gerade nicht interessiert, welche der in Kriegen im Nahen Osten verwickelten Mächte möglicherweise an diesem Verbrechen beteiligt waren. Nein – nicht den Tätern, sondern den Hinterbliebenen galt seine Aufmerksamkeit. Sein Besuch im Ort El-Or im Norden Ägyptens verlief bei den einzelnen Familien überraschend ähnlich: keine Spur von Trauer, Rache oder Vergeltung. Vielmehr empfingen Mosebach froh gestimmte Angehörige der schon wenige Tage nach ihrem gewaltsamen Tod heiliggesprochenen Männer. Sie würden Stolz empfinden und Gott für die Ehre danken, einen Martyrer in ihrer Familie zu haben. Mosebach fasst seine Eindrücke folgendermaßen zusammen:
„Aus dem Verlust wurde Verehrung, aus Schmerz Dankbarkeit, aus Verzweifelung Freude, indem man sich dem gemeinsamen Gesang hingab… Wieder fragte ich mich, was die Mörder wohl denken würden, wenn sie eine solche Familie von Kleinbauern vor ihrem roh gezimmerten Schrein mit erhobenen Händen singen hören könnten.“ (S. 113).
Kopten bilden in Ägypten ein Viertel der Bevölkerung und betrachten sich als die eigentlichen echten Ägypter. Seit Menschen Gedenken werden sie verfolgt und aktuell zum Zusammenleben mit den Muslimen gezwungen. Mosebach schildert eindrucksvoll, wie sich die riesige aus staatlichen Mitteln erbaute Wallfahrtskirche vom kleinen Ort El-Or abhebt. Staatspräsident General al-Sisi hatte den Bau angeordnet. Gleichzeitig sorgte er aber auch dafür, dass möglichst viele Erinnerungen an die Ermordeten – ihre bescheidenen Häuser etwa – dem Erdboden gleichgemacht wurden, weil sie Neubauten weichen sollten… In der einem Atommeiler ähnelnden Kirche sollen einmal die sterblichen Überreste der 21 Martyrer beigesetzt werden. Die dort schon vorhandenen Reliquienschränke beherbergen derzeit andere Hinterlassenschaften der Männer.

Was zeichnete die 21 besonders aus? Soweit Mosebach dies aus den spärlichen Angaben des offiziellen Martyrologium und der Gespräche mit den Familien entnehmen konnte, waren es drei Dinge: „Beten, dienen, schweigen.“ (S. 101) Qualitäten, die man eigentlich Ordensleuten zuschreibt. Sie waren dies nicht und bis auf einen hatten sie keine diesbezüglichen Ambitionen. Aber sicherlich waren sie ihrem Glauben treu ergeben und vor allem in der gemeinsamen Prüfung standhaft bis zum Tod.

Ein Dank dem Autor für dieses literarisch hochkarätige Glaubenszeugnis von Christen unserer Zeit. Darüber hinaus ist sein Buch eine lehrreiche Einführung in das Leben und die Liturgie der koptischen Kirche, der übrigens gerade junge Kopten angehören.

Leseprobe aus dem Buch

Hier eine Doko der Einweihung der Wallfahrtskirche von El-Or vom Februar 2018:

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