In-der-Welt und nicht Von-der-Welt sein

Genau darin besteht die Spannung und das Spannende des christlichen Lebens. Ein Christ muss inmitten der Welt erkennbar und bemerkbar sein. Er darf sich nicht ins Private – ins Wohnzimmer (Papst Franziskus) zurückziehen. Wie kann das einem Menschen heute gelingen? Er braucht dafür Vorbilder. Lebenswege anderer Menschen, Heiliger, an denen er sich orientieren kann.
Heiner Wilmer sieht im bewegten Leben des Mose die biographische Vielfalt heute lebender Christen verkörpert. Der Autor hatte als Ordensgeneral eine Pastoralreise durch Afrika unternommen. Während der einzelnen Stationen der auch physisch anstrengenden Reise fühlte er sich von Mose begleitet. Oft reflektierte er das außergewöhnliche Leben des jüdischen Patriarchen und beschließt, seine Gedanken hierzu aufzuschreiben.
Das zweite Buch des jetzigen Bischofs von Hildesheim gleicht einer Meditation der Lebensabschnitte des Mose: Seine Jugend am Hof des Pharao, das zurückgezogene Leben in der Wüste, die Begegnung mit Gott am brennenden Dornbusch, der Auszug des Volkes Israel aus der Knechtschaft der Ägypter in die Freiheit…  Auf dem Hintergrund seiner eigenen reichen spirituellen Erfahrung deutet Wilmer die einschlägigen Bibelstellen aus dem Alten Testament und bewegt dabei den Leser, den eigenen Lebensweg damit zu hinterfragen. Mose verkörpert wie kaum eine andere Gestalt der Bibel den modernen Menschen: Fremdheit, Einsamkeit, Zerbrechlichkeit … aber auch die Erfahrung von Leid, Treue und Vertrauen kennzeichnen die menschliche Existenz. Mose kann uns Christen zeigen, wie man aus bewusst gesuchten Auszeiten – Wüstenerfahrungen – im Glauben gestärkt hervorgehen und zu einem Leben in wahrer Freiheit finden kann.
Wilmer lässt auch in diesem Buch viele autobiographische Züge hervortreten. Interessant ist etwa seine Begegnung mit dem bekannten Autor und Priester Henri Nouwen.
Dieses Buch wendet sich wie das vorhergehende an Gott-Suchende, an Menschen, die wie Mose auf dem Weg ins „gelobte Land“ unterwegs sind. Es könnte jedoch auch für Menschen hilfreich und wertvoll sein, die Führungsverantwortung tragen.

Sicher darf man gespannt sein, worüber der Herz-Jesu-Priester demnächst schreiben wird. Möge sein Bischofsamt dies zulassen!

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