Von der Vision zur Mission

Die Kirche ist im Aufbruch – nicht nur in der Zeit nach Ostern! Amtsträger und engagierte Laien machen sich viele Gedanken, wie es mit ihr weitergehen kann. An Vorschlägen für mögliche Wege aus der Krise mangelt es  nicht: Die Benedikt-Option ist ein Vorschlag aus Übersee oder das breit aufgestellte Missionsmanifest sprechen klare Worte darüber, wie eine grundlegende Veränderung in Kirche und Gesellschaft vonstatten gehen könnte.
Elmar Nass hat den Spieß einmal umgedreht: Schluss mit dem Gejammer und der Weltuntergangsstimmung. Im Jahr 2040 gibt es schon deutliche Anzeichen für eine gelungene Bewältigung der heutigen Kirchen- und vor allem Glaubenskrise. Dafür entführt der katholische Priester und Sozialethiker den Leser nach Utopia – das ist eine Neugründung einer Diözese, die sich 2020 auf den Weg gemacht hat. Ein kleines von Bischof Martin eingesetztes Missionsteam hat über die Dauer eines Jahres gründlich des „Ist-Zustand“ – die Lage des Glaubens und der Gläubigen untersucht. Nach mehreren Treffen der Missionsgefährten konnten sie ihrem Bischof ein sachliche Qualitätsanalyse des Bistums vorlegen und dazu die von ihnen erarbeiteten Wege einer zunächst pastoralen Neuausrichtung.
Bei einem Folgetreffen der Missionsbeauftragen 20 Jahre nach Beginn des Erneuerungsprozesses waren erstaunliche Fortschritte – allerdings nur in Utopia – zu verzeichnen (in benachbarten Bistümern war es nicht anders als heute auch…). Hier nur einige Pinselstriche der neuen Glaubenskultur, die der vielen Aufbrüche innerhalb des Bistums:

  • Christen sind durch ihr glaubwürdiges Zeugnis mit ihren Werten und Argumenten (Menschenbild, Sexualmoral, Familienbild) wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen;
  • Der Wert des Naturrechts wird in der Theologie wieder als Erkenntnisquelle anerkannt und diskutiert;
  • Die Quelle der Glaubwürdigkeit und der missionarischen Kraft der Christen ist ihre Verankerung in einer tiefen Spiritualität genährt von Gebet, der Lektüre des heiligen Schriften und dem Empfang der Sakramente;

Dieser geistige Umschwung ging natürlich nicht reibungslos  und hat vielfältige Gegenreaktionen hervorgerufen – auch blieben viele von der gestrigen Kirche Enttäuschte auf der Strecke. Ganz wichtig für diesen Weg der Erneurung war eine breit angelegte Schulungsoffensive aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bistum. Es waren auf die Pastoral ausgerichtete Seminare, die Kirche und Christsein wieder einladend und attraktiv machten. Nach und nach bildeten sich in den Gemeinden Kerngruppen von wirklich überzeugten Christen aus, die wiederum anderen auf ihrem Glaubensweg Orientierung bieten konnten: eine „Mitmach-Kultur“. Dass dieser pastorale Aufbruch auch gewaltige strukturelle Änderungen mit sich brachte, ist logisch: er war aber eher eine Folge dieses Aufbruchs, nicht die Vision selbst!

Was Elmar Nass hier in Form zweier „kirchenutopischer Dialoge“ zu Papier gebracht hat, ist mehr als bemerkenswert. Man möchte vermuten, dass der Autor sehr wohl um das Ringen vieler deutscher Bischöfe weiß, die sich mit ihren Mitarbeiterstäben genau in diesen Reformprozessen befinden. Mit seiner Expertise in Wirtschaftsethik und Pastoral verweist er auf die offensichtlichen Mängel bereits laufender Kirchenreformen, die sich etwa in ihrem Procedere an die von Habermas konzipierten Diskursethik halten, das christliche Menschenbild nicht mehr als für sie bindend ansehen und eine metaphysikfreie Theologie propagieren.
Eine kurzweilig zu lesende sachlich treffende und intelligent konzipierte Zukunftsvision der Kirche. Möge sie vielen Entscheidungsträgern in die Hände fallen – das wünscht auch Erzbischof Ludwig Schick, der das Geleitwort verfasst hat.

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