Ist das Leben lebenswert?

Für den jungen Philosophieprofessor ist dies die einzig wichtige Frage. Gestellt hatte sie einer der Begründer des amerikanischen Pragmatismus, William James (1839 – 1914). Während dieser eine Antwort auf diese Frage in der Holden Chapel auf dem Campus der Harvard University gefunden hatte… bleibt sie für John Kaag bisher unbeantwortet.
Mehr zufällig ist er 2008 in der Nähe von New Hampshire unterwegs wo er auf das heruntergekommene Anwesen eines der größten amerikanischen Philosophen stößt: des Harvardprofessors William Ernest Hocking (1873 – 1966). In dessen verstaubter Privatbibliothek beginnt er wahre Schätze zu heben. Hier lagern teil bereits von Motten zerfressen wertvolle Erstausgaben von europäischen Geistesgrößen wir Descartes, Hobbes oder Kant gespickt mit Randnotizen, die Philosophiegeschichte schreiben.
Kaag wird von der Hocking-Familie beauftragt, die Bibliothek zu sichten und die wertvollen Bände zu katalogisieren und vor dem Verfall zu schützen. Vor allem geht es dem heute an der University of Massachusetts Lowell lehrenden Philosophen darum, das „intellektuelle Zuhause“ (S. 34) Hockings in seiner Gesamtheit zu bewahren, denn nicht wenige Bibliotheken ehemaliger Gelehrter verschwinden in den Archiven großer Universitätsbibliotheken.
Frucht der mühevollen Kleinarbeit an Wochenenden und langen Abenden ist das hier vorgestellte Buch. Der Gang durch die Regalreihen gleicht einem Ausflug durch die gesamte Geistesgeschichte der Menschheit. Die Gliederung in drei Teile erfolgt in Anlehnung an Dantes Göttliche Komödie: Hölle – Fegefeuer – Erlösung.
Immer wieder sucht Kaag nach möglichen Antworten auf die Frage, was das Leben lebenswert mache… und indem er die einzelnen Philosophen studiert, reflektiert er mit ihnen zusammen die Höhen und Tiefen seines eigenen Lebens. En passant erfährt der Leser von seiner unglücklichen Ehe, die er wohl schon als junger Student eingegangen ist oder von der gestörten Beziehung zu seinem Vater. So schreibt Kaag im Grunde eine philosophische Autobiographie und verarbeitet damit sein noch junges Philosophen-Dasein.
2016 wurde die englische Erstausgabe „American Philosophy: A Love Story“ zum besten Buch des Jahres gewählt. Für philosophisch Interessierte bietet sich hier eine attraktive Lektüre über die geistesgeschichtlichen Wurzeln des nordamerikanischen Denkens, die vor allem auf dem europäischen Kontinent zu finden sind.

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2 Antworten zu Ist das Leben lebenswert?

  1. mrauchhaupt schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag und sehr angenehme Länge zum Lesen!

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