Ethik der Fürsorge

Die zweite Welle der Corona-Pandemie fordert immer mehr Menschenleben. Die politische Diskussion um mögliche Auswahlkriterien, die anzuwenden sind, wenn die Zahl der Intensivbetten nicht mehr für alle akut Erkrankten ausreicht, ist längst entbrannt. Nach welchen ethischen Maßstäben wird sich unsere Gesellschaft richten, die mehrheitlich nicht mehr christlich orientiert ist?
Etwas in den Hintergrund geraten ist die Thematik des assisitierten Suizids und der freiwilligen Euthanasie. Sie wird etwa in Holland und Belgien gesetzlich gebilligt und auch praktiziert. Nicht nur unter dem medizinischen Fachpersonal nimmt das Bedürfnis nach moralischer Aufklärung und praktischer Orientierung zu. Aus diesem Grund hat die Kongregation für die Glaubenslehre das Dokument Samaritanus bonus veröffentlicht.
Hierin wird ausgehend vom Vorbild des barmherzigen Samariters die christliche Grundhaltung zur Würde und zum Wert jedes menschlichen Lebens zum Ausdruck gebracht, aber auch die Lehre der katholischen Kirche zur Euthanasie klar formuliert. Das Dokument behandelt außerdem ausführlich die kulturellen Hindernisse, die einer Ehtik des Lebens im Wege stehen: Individualismus, Streben nach Effizienz und Nützlichkeit, aber auch die zweideutige Verwendung des Begriffs der Lebensqualität. Ein hochaktuelles Schreiben, das sich auch über eine Erneuerung der pastoralen Begleitung und der Reform der Ausbildung vom Gesundheitspersonal Gedanken macht.

Ich möchte hier darauf hinweisen, dass kommenden Montag, 23.11. von der ARD um 20:15 h der Film „Gott“ ausgestrahlt wird, der den ärztlich assistierten Suizid zum Thema hat. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Ferdinand von Schirach: Der gesunde 78jährige Richard Gärtner will sich nach dem Tod seiner Ehefrau das Leben nehmen. Seine Hausärztin weigert sich, ihm das todbringende Medikament zu besorgen. Schließlich wird der Fall vor den Ethikrat gebracht. Während des Films sind die Zuschauer aufgerufen, über das Ende der Geschichte zu entscheiden…

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Eine Antwort zu Ethik der Fürsorge

  1. Joaquina Olmedo schreibt:

    Dr. Fuchs, danke für beide Informationen. Tatsächlich ist wirklich schwer zu unterscheiden, was der Würde des Menschen Gericht ist. Ich werde das Dokument lesen und den Film sehen!
    Vielen Dank!
    J. Olmedo

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