Wie schön die Töne leuchten

Manche der Bach-Söhne sind bis heute der Musikwelt bekannt geblieben. Doch muss man sich schon anstrengen, im Internet einen Stammbaum der Familie Bach zu finden, der auch die weiblichen Nachfahren einzeln aufführt. Hatte doch Vater Johann Sebastian (1685-1750) aus erster Ehe mit Maria Barbara (1684-1720) eine Tocher, Catharina Dorothea (1708-1774), und aus der zweiten Ehe mit Anna Magdalena (1701-1760) sogar drei Töchter: Elisabeth Juliane Friederica (1726-1781), Johanna Caroline (1737-1781) und Regina Susanna (1742-1809).
Was passierte mit der Frau des seinerzeit schon sehr geschätzten Thomas-Kantors und dessen Töchtern, als dieser 1750 zu Grabe getragen wurde? Konnten sie etwa von der Pension und der Herausgabe der vielen Werke des Verstorbenen leben? Konnten die Töchter des berühmten Vaters wie deren Brüder auch ihre künstlerischen Talente frei entfalten?
Dass das Leben der „Bachin“ und ihrer noch unverheirateten Töchter alles andere als einfach war, erzählt der jüngst erschienene historische Roman von Carola Moosbach.
Darin begleitet der Leser die Bach-Frauen durch die ereignisreiche zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts: hat Anteil an ihren großen finanziellen Nöten – nicht zuletzt bedingt durch die Folgen des siebenjährigen Krieges, dem Kampf gegen die Cholera (denen Elisabeth und Johanna erliegen), erfährt von manch unglücklichen Ehen… und den Vorbereitungen der französischen Revolution. In dieser bewegten Zeit werden Manuskripte des Vaters im noch jungen Musikverlag Breitkopf verlegt und ist ein junger begabter Poet in den besseren Gesellschaften zu Gast, Johann Wolfgang Goethe… Schließlich erhält die letzte der lebenden Bach-Töchter Regina durch einen Musikwissenschaftler vermittelt, doch ein Auskommen und kann die ihr noch verbleibenden Jahre in Würde leben.

Ein interessantes Stück Musikgeschichte, das bisher wenig bekannte Facetten der großen Bachfamilie ans Tageslicht bringt. Anna Magdalena und ihre Töchter sind wahre Lebenskünstler, die sich nicht durch noch so widrige Umstände haben unterkriegen lassen. Dafür kann man ihnen auch heute noch Respekt zollen und an ihrem Durchhaltenvermögen und ihrem Dekorum Maß nehmen.

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