Ausgedehnte Exerzitien

Dieses Buch hätte nie geschrieben werden dürfen. Sein Verfasser saß unschuldig hinter Gittern. Der Mob hat die Richter zu einem Urteilsspruch verleitet, den sie später revidieren mussten. Die Taten, für die Kardinal Pell 2019 verurteilt wurde, hatte er nie begangen.

Der Kurienkardinal weiß von seinen inneren Ressourcen zu leben und diese lange Zeit der Prüfung zu nutzen. Im ersten Band seines Gefängnistagebuchs beschreibt er den Alltag in einem Hochsicherheitsgefängnis in Sydney. Er ist dort in Einzelhaft und in Hörweite anderer Gefangener, unter ihnen ein Selbstmordattentäter. Doch seine Familie, Freunde und Mitbrüder sind ihm sehr nahe und stützen ihn mit ihren Besuchen. Auch lassen sie nichts unversucht, das ungerechte Urteil anzufechten. Über all dies schreibt Pell täglich ein bis zwei Stunden, verarbeitet so die Eintönigkeit des Lebens im Gefängnis, das mit der frischen Luft bei der Hofgängen und den Besuchen seine täglichen Höhepunkte hat.

Ihm ist es während seiner ganzen Haft nicht erlaubt, die heilige Messe zu feiern, was ihn sehr schmerzt. So lebt er intensiv aus den Texten der Liturgie und der heiligen Schrift, über die er sich tiefe Gedanken macht.
Unzählige Briefe erreichen den Kardinal aus der näheren Umgebung von Mithäftlingen, von Menschen seiner Diözese, Freunden und auch wildfremden Menschen aus der ganzen Welt, die ihm Mut zusprechen und viele gutgemeinte Ratschläge für diese Zeit verordneter Abgeschiedenheit von der Welt.

In seinen Zeilen findet man keinen Groll, Hass oder Rache gegenüber denjenigen, die ihn hinter Gitter gebracht haben. Er ist seinem Schicksal ergeben, wenngleich er über seine Anwälte alles Menschenmögliche tut, um wieder frei zu kommen. Über die Medien erfährt er auch das viele Gute, das für ihn unverwartet innerhalb der Kirche Australiens geschieht, etwa, dass sich die Zahl der Messbesucher sonntags starkt erhöht hat… Der Fall Pell lässt die Menschen nicht unbeteiligt.

Es vergeht kein Tag im Gefängnis, den Pell nicht mit einer Erhebung des Herzens zu Gott beendet, im Fürbittgebet für Mitgefangene, für die Situation der Kirche in der ganzen Welt, für sich selbst, den diese Zeit der Prüfung vieles gelehrt hat!

Eine beeindruckende Lektüre geschrieben von einem Menschen, der stellvertretend für die angestaute Wut einiger Weniger zum Sündenbock gemacht wurde.

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