Wo Gott doch eine Rolle spielt

In den Ländern Skandinaviens sind Christen heute rar. Aber es gibt sie. Manche sind dorthin aus apostolischen Gründen ausgewandert, andere kamen durch Studien im Ausland mit dem christlichen Glauben in Berührung und tragen nun den Glauben in ihre Heimat zurück.
Der spanische Schriftsteller José Miguel Cejas hat in seinen letzten Lebensjahren die nordischen Ländern bereist und Lebenszeugnisse von Christen aller Konfessionen gesammelt. Im Vorwort der jetzt im Fe-Verlag erschienen Übersetzung des Buches heißt es:
„Der 2016 verstorbene Journalist und Schriftsteller José Miguel Cejas (1952 – 2016) wollte mit seinem Buch Nordwind, das kurz vor seinem Tod erschien, die Situation der Gesellschaft und der Christen in den nordischen Ländern darstellen und zur Kenntnis bringen. (…) Es handelt sich um Katholiken, Protestanten, Orthodoxe unterschiedlicher Berufe, die den Weg zum Glauben gefunden haben, aber auch um Nichtgläubige. Manche von ihnen erzählen beeindruckende  Berufungsgeschichten.“
Die Interview-Partner Cejas sind so bunt, wie die dortige Gesellschaft ist: unter ihnen befindet sich etwa Joonatan, der von Beruf Rapper ist. Er stammt aus einem Armenviertel Helsinkis und war als Jugendlicher „abgedrifet“. Durch seinen Vater, einen Pastor der Pfingstgemeinde, hat er schließlich zum Glauben gefunden und sein Leben in neue Bahnen gebracht. Mit seiner Musik versucht er nun, gerade die Jugend Jesus näher zu bringen. Auch der heutige Bischof von Helsinki, Teemu Sippo, erzählt wie er zunächst zum katholischen Glauben fand und später Priester wurde.
Jede der 40 beeindruckenden Lebenszeugnisse stellt gleichsam ein Unikat dar.  Gott bahnt sich oft außergewöhliche Wege zu den Herzen der Menschen… Das Buch schließt mit einem aufschlussreichen geschichtlichen Abriss des Katholizismus in Skandinavien seit der Reformationszeit.
Warmer Nordwind ist wie „frischer Wind“ für manche müde gewordene Seele. Möge es vielen Menschen helfen, ihren Weg zu Gott zu finden.

Nordwind Leseprobe DT 111018

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Auf Biegen und Brechen

Unser Gehirn ist schöpferisch. Es muss dabei jedoch nicht Gott spielen, sondern verarbeitet beständig Erinnerungen und Empfindungen, die wir früher schon aufgenommen haben. Doch wie entsteht das Neue in der Welt?
Der Neurowissenschaftler David Eagleman und der Komponist Anthony Brand belegen auf sehr anschauliche Weise, wie sich Kreativität auf kognitive Strategien unseres Gehirns zurückführen lässt: Auf Biegen, Brechen und Verbinden.
Ähnlich den Prinzipien der biologischen Evolution kommt das Neue durch die Vielfalt an Variationen von Vorläufermodellen zustande – im Bereich der Ideen in unserem Kopf und später in der plastischen und darstellenden Kunst, in Ballett, Tanz und Musik. Es gibt kaum ein Wissensgebiet oder kulturelle Ausprägung des menschlichen Lebens, das in dem aufwendig illustrierten und gestalteten Buch nicht Erwähnung findet (S. 51).
Die drei kognitiven Strategien sind Werkzeuge, mit denen unser Gehirn Erfahrungen und Erinnerungen in einen neuen Output verwandelt. Doch warum setzen sich nicht alle kreativen Ideen durch?
Wir glauben, dass unsere Kreativität grenzenlos ist, doch unsere Gehirne, und das was sie hervorbringen, werden vom gesellschaftlichen Umfeld geprägt. Es ist das jeweilige Lebens- und vor allem Arbeitsumfeld, was sich positv oder auch negativ auf das kreative Tun des Menschen auswirkt. Eagleman und Brandt kommen aufgrund ihrer mannigfaltigen Beobachtungen zu dem Schluss, dass man Legosteine „nicht festkleben darf.“ Das bedeutet, das Traditionen auch aufgebrochen werden müssen. Kreative Menschen brechen mit der Tradition ihrer Kultur und ebnen so den Weg für neue Stile etwa in der Kunst: Pointillismus, Kubismus, Impressionismus etc.

Welche Lektionen können wir für Kreativität und Innovation mitnehmen? (vgl. S. 177) Eine gute Angewohnheit sei es, sich nicht auf die erstbeste Lösung zu stürzen. Leonardo da Vinci misstraute stets seiner ersten Lösung und suchte nach besseren Wegen.  So macht es auf analoge Weise auch unser Gehirn: seine Schaltkreise sind nicht in Stein gemeißelt, sondern verändern sich ständig. Und diese Plastizität bleibt auch mit zunehmendem Alter erhalten. Kreativität hält uns flexibel.
Was für den Menschen und seine kulturellen Errungenschaften gilt, das gilt auch für Schulen und Unternehmen: Nur durch eine Kultur der Veränderung, die Routinen aufzusprengt, kann es neue Wege des Lernens und der Zusammenarbeitens geben.

Eine reiche Quelle der Inspiration für alle, die sich mit der Zukunft des Menschen und unserer Gesellschaft beschäftigen!

Da ein Forschungsschwerpunkt von David Eagleman die menschliche Wahrnehmung ist, möchte ich hier seinen TED-Talk über die Möglichkeiten, neue Sinne für den Menschen zu schaffen, empfehlen:

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In-der-Welt und nicht Von-der-Welt sein

Genau darin besteht die Spannung und das Spannende des christlichen Lebens. Ein Christ muss inmitten der Welt erkennbar und bemerkbar sein. Er darf sich nicht ins Private – ins Wohnzimmer (Papst Franziskus) zurückziehen. Wie kann das einem Menschen heute gelingen? Er braucht dafür Vorbilder. Lebenswege anderer Menschen, Heiliger, an denen er sich orientieren kann.
Heiner Wilmer sieht im bewegten Leben des Mose die biographische Vielfalt heute lebender Christen verkörpert. Der Autor hatte als Ordensgeneral eine Pastoralreise durch Afrika unternommen. Während der einzelnen Stationen der auch physisch anstrengenden Reise fühlte er sich von Mose begleitet. Oft reflektierte er das außergewöhnliche Leben des jüdischen Patriarchen und beschließt, seine Gedanken hierzu aufzuschreiben.
Das zweite Buch des jetzigen Bischofs von Hildesheim gleicht einer Meditation der Lebensabschnitte des Mose: Seine Jugend am Hof des Pharao, das zurückgezogene Leben in der Wüste, die Begegnung mit Gott am brennenden Dornbusch, der Auszug des Volkes Israel aus der Knechtschaft der Ägypter in die Freiheit…  Auf dem Hintergrund seiner eigenen reichen spirituellen Erfahrung deutet Wilmer die einschlägigen Bibelstellen aus dem Alten Testament und bewegt dabei den Leser, den eigenen Lebensweg damit zu hinterfragen. Mose verkörpert wie kaum eine andere Gestalt der Bibel den modernen Menschen: Fremdheit, Einsamkeit, Zerbrechlichkeit … aber auch die Erfahrung von Leid, Treue und Vertrauen kennzeichnen die menschliche Existenz. Mose kann uns Christen zeigen, wie man aus bewusst gesuchten Auszeiten – Wüstenerfahrungen – im Glauben gestärkt hervorgehen und zu einem Leben in wahrer Freiheit finden kann.
Wilmer lässt auch in diesem Buch viele autobiographische Züge hervortreten. Interessant ist etwa seine Begegnung mit dem bekannten Autor und Priester Henri Nouwen.
Dieses Buch wendet sich wie das vorhergehende an Gott-Suchende, an Menschen, die wie Mose auf dem Weg ins „gelobte Land“ unterwegs sind. Es könnte jedoch auch für Menschen hilfreich und wertvoll sein, die Führungsverantwortung tragen.

Sicher darf man gespannt sein, worüber der Herz-Jesu-Priester demnächst schreiben wird. Möge sein Bischofsamt dies zulassen!

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Wider dem ideologischen Mainstream

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat den Begriff der Diktatur des Relativismus geprägt. Darunter versteht man weitesgehend die totale Beliebigkeit von Wahrheit und Werten. Gestützt wird diese Erscheinung des heutigen Zeitgeistes durch die philosophische Strömung des Konstruktivismus. Doch es regt sich Widerstand gegen diese vermeintlich grenzenlose Freiheit des Geistes. Man sehnt sich zurück nach Ordnung und Orientierung gemäß den objektiv geltenden moralischen Maßstäben.
Einen guten Überblick über den aktuellen Diskussionsstand zur Abkehr vom „denkerischen Mainstream“ hat unlängs Johannes Hartl in einem Artikel der Tagespost gegeben. Er ist eine aufmerksame Lektüre wert!

pdf Artikel Hartl Relativismus

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König Davids Harfe

Einst wurde es 1867 zur Weltausstellung in Paris der Weltöffentlichkeit vorgestellt: das legendäre Siena-Klavier. Der Klang faszinierte nicht nur die größten Pianisten des 19. und 20. Jahrhunderts… der Verbleib des Instruments hat auch die Geschichte der jüdischen Großfamilie Avner Carmis maßgeblich mitbestimmt.
Carmi musste seinem Vater versprechen, die Geschichte des Klaviers für die Nachwelt aufzuschreiben. Er tat dies bereits 1960. Nun ist dieses Werk dem deutschen Sprachraum neu zugänglich gemacht worden.
Der Autor erhielt als Kind bei seinem Großvater, Mattis Janowsky, den ersten Klavierunterricht in Jerusalem. Dieser war ein ausgewiesener Pianist und erkannte schnell, dass die Stärke seines Enkels mehr im Klavierhandwerk als im Klavierspiel lag. Von seinem Großvater hörte er immer wieder die Erzählungen über ein außergewöhnliches Klavier, das dem König von Italien gehört habe… und dessen besonderer Klang an die Harfe des Königs David erinnerte…

Avner Carmis Erinnerungen entführen den Leser in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg und der seiner Familie spiegelt das Schicksal vieler jüdischer Künstler wieder, die aus Europa nach Israel geflohen sind und dort auf die Gründung des israelischen Staates harrten. Das Siena-Piano hatte Carmi Zeit lebens regelrecht verfolgt und seine eigene Familie durch Freud und Leid geführt.
Wer sich für die Geschichte des Zionismus interessiert, mag mit dieser aufschlussreichen Familienchronik auf seine Kosten kommen. Aber auch Musikliebhaber werden an diesem Roman ihre Freude haben.

Hier ein Blick ins Buch und eine Klangprobe dieses immer noch existierenden Instruments:

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Gott ist der ganz Andere

„Küssen zu müssen, wenn einem gerade das Verliebtsein abhanden gekommen ist“ – das kann dann wahre Liebe sein… für einen verheirateten Menschen oder im übertragenen Sinn verstanden auch für einen ehelos lebenden Priester. Heiner Wilmer hat sich manchmal so gefühlt. Aber es gibt auch viele Menschen, die ähnliche Situationen in ihrem Leben durchmachen. Manche beenden dann eine Beziehung, weil sie keinen Sinn mehr darin sehen… andere finden Wege aus dieser existentiellen Krise und gehen in ihrem Glauben gestärkt daraus hervor.

Der Autor ist Priester und war Ordensgeneral der Herz-Jesu-Priester. Vor kurzem ist er zum Bischof von Hildesheim geweiht worden. In seinem Buch zeichnet er seinen Weg zu und mit Gott nach: den Weg ins Kloster, das Studium, seine Arbeit als Lehrer und Schulleiter im In – und Ausland. Dabei hatte er persönlich manche Krisen zu bewältigen und kommt deshalb zu dem Schluss, dass Gott nicht nett ist. Nicht immer… nicht zu ihm und nicht immer zu den vielen Menschen, von deren Begegnungen und Schicksalen er nebenbei berichtet.
Roter Faden seiner attraktiv verfassten Sinnsuche ist das dem Hl. Ignatius von Loyola zugeschriebene Gebet Anima Christi. Wilmer hat es oft meditiert und konnte darin für seinen Glauben immer wieder neue Kraft finden.
Um zu leben, muss man sterben… Der christliche Glaube ist voller Widersprüche. Wer immer noch glaubt, man könne Christ sein, ohne „täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen“, der ist im falschen Film. Wir müssen einsehen, dass die letzten Abgründe des göttlichen Willens uns sterblichen Menschen eben verborgen bleiben. Das ist nicht einfach!

Ein sicher lesenwertes Buch für reife Christen, die mit den Licht- und Schattenseiten eines gotthingegebenen Lebens ein wenig Erfahrung haben. Auch als Impulsgeber für Tage der Exerzitien mag das Buch hilfreich sein.

Hier ein Vortrag Pater Wilmers über sein Buch:

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Neognosis und Esoterik

Unlängst hat wieder ein alteingesessener Laden in Köln zugemacht. Anstelle des Motorradausstatters gibt es dort jetzt Bodynova  – einen Großhandel für Yoga-Bedarf. Offensichtlich haben die Menschen in dieser Großstadt mehr Bedarf an Meditationsutensilien als an Lederoutfits und Helmen.
Dass viele Menschen sich nach Entspannung sehnen und Wege aus körperlichen oder seelischen Leiden suchen, ist  bekannt. Nicht selten wird diese Hilfe in fernöstlichen Meditationstechniken gesucht. Dies hat man in kirchlichen Kreisen durchaus wahrgenommen.
Im Frühjahr veranstaltete die Hochschule Heiligenkreuz in Wien sogar eine Fachtagung zum Thema „Erlösung oder Selbsterlösung?“ Den Abschlussvortrag hatte Kardinal Cordes gehalten und der Media-Maria-Verlag hat den Text dankenswerterweise als Kleinschrift einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

Yoga mag zweifellos zur Entspannung von Körper und Geist beitragen. Es steckt mehr hinter Yoga und anderen Meditationsformen wie Tai-Chi, Qigong oder Reiki. Cordes hinterfragt theologisch die in der New Age Bewegung verankerten Praktiken und sieht in ihnen Formen der Selbsterlösung aus eigener Kraft. Deshalb betrachtet er mit Sorge die möglichen Auswirkungen dieses Gesundheitstrainings auf das christliche Glaubensleben:

„Es liegt auf der Hand, dass sich New Age mit seiner verkrüppelten Anthropologie und Selbstverkapselung fatal auf die menschliche Fähigkeit auswirken muss, sich auf Gott zu beziehen. Das Evangelium ist verlässlicher und belehrt uns eines Besseren.“ (S. 40)
Schon Ende 1989 hatte die Glaubenskongregation ein Dokument veröffentlicht, dass sich auf christliche Meditation und den Einfluss fernöstlicher Praktiken bezog. Seinerzeit wurde es vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Josepf Kardinal Ratzinger, unterzeichnet.
Das ansprechend gestaltete Büchlein gibt einen kurzen Überblick über die gesamte Thematik und kann als Einstieg sehr empfohlen werden. Wer sich tiefer damit auseinandersetzen möchte, dem lege ich das Dokument der Glaubenskongregation ans Herz.

pdf Dokument Glaubenskongregation runterladen

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