Gott hat es sich nicht bequem gemacht…

Wir befinden uns noch in der Weihnachtsoktav und betrachten das Kind in der Krippe. Ob diese erste Wohnstätte für die heilige Familie bequem war? Gott wollte arm und unbeholfen zur Welt kommen und ebenso diese wieder verlassen. Für viele Menschen ist diese Facette des Christlichen heute nicht mehr erfassbar. Warum? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten und es hat viele gute Ansätze zur Beantwortung gegeben.

Auch Ulrich Lehner, ein in den USA lehrender Theologieprofessor deutscher Herkunft, stellt sich mit seinem Buch dieser Herausforderung. Wie Johannes Hartl, der das Vorwort dafür verfasst hat, ist er der Auffassung, dass mit unserem Gottesbild etwas nicht stimmt. Gott ist eben nicht nett, man kann ihn nicht einfach als „Gott der Wohlfühlatmosphäre“ (S. 90) verkaufen. So einem Gott kann man nicht nachfolgen. Lehner unternimmt es, wichtigen Vorurteilen dem Christentum gegenüber zu begegnen und diskutiert eine Reihe geistiger Strömungen wie dem Pelagianismus, dem Emotivismus oder dem Relativismus, deren Früchte falsche Gottesbilder sind.
Wo das Bild von Gott schief hängt, die Wirklichkeit durch die Brille des Relativismus erfasst wird, da können keine festen das Leben tragende Überzeugungen reifen. Genau hierin sieht der Autor den Kern unserer heutigen Glaubenskrise.
Wird der Gottesbegriff der jeweiligen Gemütsverfassung angepasst und der Glaube auf ein System moralischer Vorschriften verkürzt, kann keine lebendige Gottesbeziehung entstehen. Doch kommt es letztlich darauf an: sich von Gott fordern und herausfordern zu lassen. Wenn Gott „nur nett“ wäre, hätte er sich dann für uns Menschen ans Kreuz schlagen lassen? Lehner konfrontiert den Leser mit der Frage, ob „unser Glaube das Martyrium wert ist? (S. 160) Echte Christusnachfolge wird sich an der Bereitschaft, Opfer für den Glauben zu bringen, ablesen lassen. Ein bequemer Gott sei es nicht wert, ihm viel Beachtung zu schenken, so Lehner.

Es ist eine anregende und zur persönlichen Stellungnahme herausfordernde Lektüre!

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Im Geist der Kindheit

Heute ist Heiligabend. Wer hat nicht mit seinen Eltern früher gemeinsam die Krippe aufgebaut und sich dabei in das Weihnachtsgeheimnis vertieft? Damit diese Tradition in den Familien nicht verloren geht, hat Papst Franziskus zu Beginn der Adventszeit mit dem Apostolischen Schreiben Admirabile Signum an die Bedeutung und der Wert der Weihnachtskrippe erinnert.
Der heilige Vater war am 1. Dezember nach Greccio gereist, dem Ort, an dem der heilige Franziskus 1223 mit einer lebendigen Krippe die Tradition der Darstellung der Geburt Jesu ins Leben gerufen hatte. Hier hatte der Papst dann das Lehrschreiben unterschrieben und somit veröffentlicht.

Die franziskanischen Ursprünge der Krippe laden die Gläubigen ein, sich besonders der Armut der Menschwerdung Gottes bewusst zu werden und sich ebenfalls gerufen fühlen, „ihm auf dem Weg der Demut, Armut und Entäußerung zu folgen“ (vgl. Nr. 3).

Mit Blick auf die Krippe – ob Zuhause oder in einer Kirche – mag dieser Text hilfreich sein, die verschieden Zeichen, die sie enthält zu meditieren und sich so ins weihnachtliche Geschehen hineinnehmen zu lassen.

pdf Admirabile signum

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Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…

Gründe zur Dankbarkeit gibt es viele: dass der Drachen heute geflogen ist, dass es Pudding zum Nachtisch gab, dass Mama einen Kuchen gebacken hat… und und und. Für Kinder sind dies große Dinge. Sie können noch über weniges staunen oder sich an Kleinigkeiten erfreuen. Ihr Erfahrungshorizont befindet sich im Hier und Jetzt.
Christa und Reinhard Abeln haben ein Bilderbuch für Kinder gemacht, das ihren Blick öffnet für den Urheber des Lebens. Es ist der Tagesablauf des vierjährigen Simon, der in einer intakten christlichen Familie lebt. Sein erlebter Alltag ist Anknüpfungspunkt für die ersten religiösen Erfahrungen, die sein Bild von Gott prägen werden.

Das kleine Büchlein ist für Kinder ab drei Jahren geeignet und kann auch für Eltern und Großeltern eine Bereicherung sein.

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Leben in einer neuen Heimat

Maria Soraya hat durch die Wirren des spanischen Bürgerkriegs alles verloren. Ihre Eltern, ihre Schwester, ihre Heimat, ihre Musik… Mehr durch Zufall entkommt sie dem Gefangenlager in Argelés-sur-Mer, das 1939 für katalanische Flüchtlinge eingerichtet worden war. Ein Bäckerehepaar aus Villefranche nimmt sie als Angestellte für den Betrieb mit und verhilft ihr zu einem neuen Leben. Das südfranzösiche Dorf in den Pyrenäen wird Maria langsam aber sicher zur Heimat, die sie ihre Vergangenheit verarbeiten hilft. Oft träumt sie von ihrer noch jungen Karriere als Cellistin, war sie doch in Barcelona Schülerin des schon damals berühmten Pablo Casals. Ihre Wege kreuzen sich in Prades, wo Casals Unterschlupf gefunden hatte und dort bis zum Ende der Franco-Diktatur geblieben ist.
Der einfühlsame Roman von Henri Gourdin basiert auf historischen Quellen, die den Leser in das tragische und zugleich hoffnungsvolle Leben der Protagonistin einführen. Der Autor hat in Villefranche zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen geführt, die sich an die bewegten Zeiten des zweiten Weltkrieges lebhaft erinnern konnten.
Eine bereichernde Lektüre über eine junge Frau, die früh verwaist es geschafft hat, ihr Leben in die Hand zu nehmen und die vielen Schwierigkeiten des Neuanfangs zu meistern.

Hier ein Zeugnis des katalanischen Cellisten:

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Gläubig werden ist wie neu geboren werden

Heimatvertriebene aus muslimischen Ländern zeigen nicht selten eine große Offenheit für den christlichen Glauben ihres Gastlandes. Manche lassen sich sogar taufen und riskieren damit, nie mehr in ihr Ursprungsland zurückkehren zu können.
Was hat der muslimische Gott mit dem der Christen gemeinsam? Verehren Christen drei Götter? Und: Ist Maria unsere Mutter?
Diese und viele andere Fragen stellen sich gläubige Muslime, wenn sie von ihrer Warte aus über den christlichen Glauben nachdenken. Mögliche Antworten hierauf hat Christian Mansour in einer kleinen Broschüre zusammengestellt.

Die jeweils 12 Fragen und Antworten können in vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch gelesen werden. Die Basics des christlichen Glaubens werden sowohl mit konkreten Stellen aus der Bibel aber auch anhand entsprechender Stellen aus dem Koran veranschaulicht.
Wie wird man Christ? Wer in seinem Herzen den Ruf Gottes vernimmt, sollte sich auf den Weg machen und der Stimme Gottes folgen. Die Lektüre dieser kurzen Broschüre wäre ein erster Schritt…
Viele wertvolle Materialien zur Weitergabe des katholischen Glaubens bietet Kirche in Not an.

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Wenn der Unterschied bedeutungslos wird

Die nachfeministische Gender-Ideologie plädiert für eine totale Dekonstruktion der traditionellen Rollenverständnisse. Sie behauptet, dass die sexuelle Identität einer Person nicht mehr unmittelbar aus der biologischen Gegebenheit (XX oder XY) folge, sondern kulturell geformt werde, selber konstruiert werde, etwas Fließendes sei. Die Begriffe Mann und Frau seien überflüssig geworden, ebenso Vater und Mutter… Im Namen des Gender Mainstreaming erleben wir derzeit eine weltweite soziale und kulturelle Revolution mit weitreichenden Folgen für das Verständnis von Mann und Frau und von Ehe und Familie.
Der finnische Erziehungswissenschaftler, Tapio Puolimatka, widmet sich seit vielen Jahren der Erforschung der sogenannten „Transideologie“. Hierunter versteht man die These, dass „sich der Mensch seiner inneren Erfahrung gemäß selbst erfindet“ (S. 14), also gemäß dem gerade herrschenden subjektiven Gefühl auch sein Geschlecht festlegt. Da dies heute bereits in Kindergärten und Schulen vermittelt wird, verwundert es nicht, dass immer mehr Jugendliche an geschlechtlicher Verwirrung leiden.
Puolimatka hinterfragt mit seinem Buch die Grundthesen der Transideologie und beschreibt anhand eigener therapeutscher Erfahrungen und anhand zahlreicher Untersuchungen die fatalen Folgen von vorschnell durchgeführten Geschlechtsumwandlungen bei Kindern und Jugendlichen. Er widmet ein eigenes Kapitel den Erfahrungsberichten von Menschen, die ihre Umwandlung zum anderen Geschlecht bereut haben und zu einem lebenslangen Patienten geworden sind. Dabei gäbe es auch „gesunde Alternativen“, um an Geschlechtsinkongruenz leidenden Jugendlichen zu helfen, sich mit ihrem biologischen Geschlecht zu identifizieren (S. 60).

Der Autor wehrt sich dagegen, dass die traditionelle Geschlechtsauffassung als „diskriminierend“ oder gar als „homophob“ gelte. Der großen Gefahr, die von der Transideologie für die gesellschaftliche Freiheit und Demokratie ausgehe, könne man nur dadurch begegnen, indem die Elternrechte gestärkt und die Rechtssicherheit natürlicher Familien garantiert würden.
Dass dieses wissenschaftlich fundierte und aufklärende Buch im deutschen Sprachraum verfügbar ist, verdanken wir der finnischen Schriftstellerin Beile Ratut. Es erstaunt immer wieder, wie wenig Notiz von fundierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen genommen wird, wenn es sich um Themen handelt, die dem Mainstream zuwiderlaufen. So hat die international anerkannte Neuropsychologin Anne Moir vor 25 Jahren bereits einschlägige Fakten zum Unterschied von Mann und Frau präsentiert, die aber bis heute nicht akzeptiert werden…
Die Genderexpertin Gabriele Kuby fasst in ihrem Vorwort zusammen, was dem Buch von Puolimatka zu wünschen ist: „Das vorliegende wissenschaftlich fundierte Buch ist ein Gegengift gegen die Gehirnwäsche, der die gesamte Gesellschaft unterworfen ist. Es ist eine Hilfe für Eltern, deren Kind von dem Bazillus der Transideologie befallen wurde, und es ist ein Weckruf an alle, sich der weiteren Ausbreitung dieser Ideologie in den Weg zu stellen.“ (S. 13)

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Zeugnis geben für den Glauben

Er ist ein Mann des Hintergrunds. Jemand, der anderen den Vortritt lässt. Und jemand, der unermüdlich im Einsatz ist, für zwei Päpste, Staatsgäste des Vatikan, für die Kirche, für die Gesellschaft…
Und er ist ein gern gesehener Prediger, Vortragender bei offiziellen Anlässen oder Buchvorstellungen. Einige seiner Ausführungen und Interviews sind jüngst in einem Sammelband erschienen.
Erzbischof Georg Gänzwein ist nicht nur ein eloquenter Redner. Er versucht dabei stets seinem Bischofswahlspruch „Testimonium perhibere veritati“ treu zu sein und auf seine Weise der „Diktatur des Zeitgeistes“ zu widerstehen.
Bei der derzeit herrschenden Ablehnung religiöser Wahrheiten möchte Gänswein ein alternatives Konzept vom Wesen des Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen: den Blick Gottes auf den Menschen. Hierin sieht Prinz Asfa-Wossen Asserate die eigentliche Motivation für dieses Buch.
Nicht selten fühlt sich der Präfekt des Päpstlichen Hauses gemüßigt, so manche Fehlinterpretationen der Lehren Benedikt XVI. und Josef Ratzingers ins rechte Licht zu rücken. Er tut dies etwa in dem Beitrag über „Entweltlichung und Neuevangelisierung“. Dabei legt er frei, was Benedikt XVI. bei seiner „Freiburger Rede“ eigentlich gesagt haben wollte und weist auf die tiefer liegende Kirchen – und Glaubenskrise hin (S. 32).
Spannend zu lesen ist darüber hinaus wie Gänswein den „göttlichen Ausnahmezustand“ der Präsenz zweier Päpste einordnet (S. 58). Benedikt XVI. habe wohl nach seinem Rücktritt vom Petrusamt seinen Fischerring abgelegt, jedoch seinen Namen behalten, d.h. er sei nicht nicht mehr Joseph Ratzinger geworden.
Tiefe und aufbauende Gedanken eines Kirchenmannes, der treu den Nachfolgern des heiligen Petrus dient und selbst fest im Glauben verankert ist.

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