St. Petersburg – Petrograd – Leningrad

Oskar Böhme ist Trompeter. Er wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einer deutschen Musikerfamilie auf. Bei den Bayreuther Festspielen 1892 wird er dort mit seinem Bruder Willi bejubelt. Mit nur 27 Jahren ist er ein im In- und Ausland bekannter Musiker. Er beginnt mit ersten Kompositionen und vor allem sucht er nach einer künstlerischen Heimat. Nicht alle begabten Jungmusiker können innerhalb Deutschlands eine Anstellung finden. Oskar Böhme versucht 1892 sein Glück in der aufstrebenden Metropole St. Petersburg.
Die Stadt an der Newa beherbergte über zwei Jahrhunderte hinweg viele Deutsche. Durch die russischen Zaren angeworben, kamen Handwerker, Künstler, Ärzte und viele Intellektuelle nach St. Petersburg. Viele nahmen wie Oskar Böhme die russische Staatsbürgerschaft an. Das blühende kulturelle und auch wirtschaftliche Treiben der um die Jahrhundertwende schon Millionenstadt nahm durch die Revolution 1917 ein jähes Ende.
Der langjährige Spiegel-Korrespondent in Moskau Christian Neef hat ein beeindruckendes Zeitdokument der Deutschen in St. Petersburg verfasst, das so manche Bildungslücke zu schließen vermag. Dafür hat er umfangreiche Recherchen nicht nur an der russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg unternommen, er hatte auch Zugang zu Dokumenten des russischen Geheimdienstes.
Neben der Biographie des Musikers Oskar Böhme beschreibt Neef drei weitere Familien, deren Schicksal mit dem Untergang des Zarenreiches einen tragischen Verlauf nahm: die Apotheker-Dynastie Poehl, den Kalenderfabrikanten Otto Kirchner und die Siedlerfamilie von Peter Amann.

Geschickt verschränkt Neef die vier Lebensgeschichten seiner Protagonisten, die stellvertretend für viele Tausend andere Menschen stehen könnten. Spannend geschrieben, bietet die Lektüre mehr als eine Nacherzählung der dunklen Stalin-Ära. Sie bringt gerade heute ins Bewusstsein, wie wenig Unterdrückung und Terror zur Entwicklung eines Staates beitragen können. Innerhalb weniger Jahre wird eine blühende Stadt ihrer kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Elite beraubt.
Der Autor hebt am Ende hervor, dass Russland selbst die Rehabilitierung der vielen unschuldigen Opfer des Terrors in die Hand genommen hat. Viel zu wenig weiß man gerade in unserem Land über diese Millionen Toten, die Opfer einer Willkürherrschaft wurden – zu einer Zeit, in der in Deutschland Hitler an die Macht kam.

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Von der Vision zur Mission

Die Kirche ist im Aufbruch – nicht nur in der Zeit nach Ostern! Amtsträger und engagierte Laien machen sich viele Gedanken, wie es mit ihr weitergehen kann. An Vorschlägen für mögliche Wege aus der Krise mangelt es  nicht: Die Benedikt-Option ist ein Vorschlag aus Übersee oder das breit aufgestellte Missionsmanifest sprechen klare Worte darüber, wie eine grundlegende Veränderung in Kirche und Gesellschaft vonstatten gehen könnte.
Elmar Nass hat den Spieß einmal umgedreht: Schluss mit dem Gejammer und der Weltuntergangsstimmung. Im Jahr 2040 gibt es schon deutliche Anzeichen für eine gelungene Bewältigung der heutigen Kirchen- und vor allem Glaubenskrise. Dafür entführt der katholische Priester und Sozialethiker den Leser nach Utopia – das ist eine Neugründung einer Diözese, die sich 2020 auf den Weg gemacht hat. Ein kleines von Bischof Martin eingesetztes Missionsteam hat über die Dauer eines Jahres gründlich des „Ist-Zustand“ – die Lage des Glaubens und der Gläubigen untersucht. Nach mehreren Treffen der Missionsgefährten konnten sie ihrem Bischof ein sachliche Qualitätsanalyse des Bistums vorlegen und dazu die von ihnen erarbeiteten Wege einer zunächst pastoralen Neuausrichtung.
Bei einem Folgetreffen der Missionsbeauftragen 20 Jahre nach Beginn des Erneuerungsprozesses waren erstaunliche Fortschritte – allerdings nur in Utopia – zu verzeichnen (in benachbarten Bistümern war es nicht anders als heute auch…). Hier nur einige Pinselstriche der neuen Glaubenskultur, die der vielen Aufbrüche innerhalb des Bistums:

  • Christen sind durch ihr glaubwürdiges Zeugnis mit ihren Werten und Argumenten (Menschenbild, Sexualmoral, Familienbild) wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen;
  • Der Wert des Naturrechts wird in der Theologie wieder als Erkenntnisquelle anerkannt und diskutiert;
  • Die Quelle der Glaubwürdigkeit und der missionarischen Kraft der Christen ist ihre Verankerung in einer tiefen Spiritualität genährt von Gebet, der Lektüre des heiligen Schriften und dem Empfang der Sakramente;

Dieser geistige Umschwung ging natürlich nicht reibungslos  und hat vielfältige Gegenreaktionen hervorgerufen – auch blieben viele von der gestrigen Kirche Enttäuschte auf der Strecke. Ganz wichtig für diesen Weg der Erneurung war eine breit angelegte Schulungsoffensive aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bistum. Es waren auf die Pastoral ausgerichtete Seminare, die Kirche und Christsein wieder einladend und attraktiv machten. Nach und nach bildeten sich in den Gemeinden Kerngruppen von wirklich überzeugten Christen aus, die wiederum anderen auf ihrem Glaubensweg Orientierung bieten konnten: eine „Mitmach-Kultur“. Dass dieser pastorale Aufbruch auch gewaltige strukturelle Änderungen mit sich brachte, ist logisch: er war aber eher eine Folge dieses Aufbruchs, nicht die Vision selbst!

Was Elmar Nass hier in Form zweier „kirchenutopischer Dialoge“ zu Papier gebracht hat, ist mehr als bemerkenswert. Man möchte vermuten, dass der Autor sehr wohl um das Ringen vieler deutscher Bischöfe weiß, die sich mit ihren Mitarbeiterstäben genau in diesen Reformprozessen befinden. Mit seiner Expertise in Wirtschaftsethik und Pastoral verweist er auf die offensichtlichen Mängel bereits laufender Kirchenreformen, die sich etwa in ihrem Procedere an die von Habermas konzipierten Diskursethik halten, das christliche Menschenbild nicht mehr als für sie bindend ansehen und eine metaphysikfreie Theologie propagieren.
Eine kurzweilig zu lesende sachlich treffende und intelligent konzipierte Zukunftsvision der Kirche. Möge sie vielen Entscheidungsträgern in die Hände fallen – das wünscht auch Erzbischof Ludwig Schick, der das Geleitwort verfasst hat.

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Jesus heute (s)ein Gesicht geben

„Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist. Es gibt auch heute viele demütig glaubende, leidende und liebende Menschen, in denen der wirkliche Gott, der liebende Gott sich uns zeigt. Gott hat auch heute seine Zeugen („martyres“) in der Welt. Wir müssen nur wach sein, um sie zu sehen und zu hören.“ Diese Worte stammen vom emeritierten Papst Benedikt XVI., als er unlängst zur aktuellen Kirchenkrise Stellung nahm. Und sie passen sehr gut zum heutigen Gründonnerstag.
Klaus-Peter Vosen hat dieses wache Auge für wahre Glaubenszeugen unserer Zeit. Mittlerweile hat er sechs Bände über das beispielhafte Leben von Bischöfen, Priestern und Diakonen herausgegeben. Es gibt sie, die Priester und Ordensleute, die mit ihrer Berufung glücklich und zufrieden sind. Es gibt jene Leuchtgestalten, die anderen den Weg zur Priesterberufung weisen.
Der letzte Band dieser Reihe vereinigt weitere 22 Portraits von Priestern des Erzbistums Köln des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie waren und wollten nicht perfekt sein. Aber sie haben sich der göttlichen Gnade geöffnet, so dass ihr Leben für viele Menschen fruchtbar wurde.

Aus aktuellem Anlass möchte ich auch auf die eindeutige Positionierung zu den Reformvorhaben der Kirche von Kardinal Woelki hinwiesen, die er kürzlich in der Tagespost veröffentlicht hat.

Hier der Artikel als pdf.

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Gültigkeit der kirchlichen Lehre

Gleichgeschlechtliche Verbindungen beschäftigen nicht nur staatliche Gesetzgebungsverfahren, sondern auch die Kirche. Dabei ist die Haltung der katholischen Kirche im Hinblick auf Homosexualität klar und eindeutig.
Johanna Maria Jesch hat in dem kurzen Kompendium die Lehre der Kirche vorgestellt. In unserer durch Missbrauchsvorfälle auch innerhalb der Kirche geprägten Zeit ist diese Broschüre ein hilfreicher Wegweiser.

Dazu möchte auf die so klaren Worte des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zur derzeitigen Kirchenkrise verweisen. Hier der Wortlaut des Textes, wie er von CNA veröffentlicht wurde.

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Passion nach Johannes

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Karwoche. Zur Einstimmung könnte diese Aufnahme der Johannes-Passion von Bach dienen, die teils auf alten Saiteninstrumenten begleitet wird:

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Sehnsucht nach Gott

Jona ist vor Gott weggelaufen. Er weiß, dass er Mist gebaut hat. Die Tage im Bauch des Fisches gehen ihm immer noch nach. Er hat oft Beklemmungen. Er hat aber auch das Aushalten gelernt…  Maria Magdalena und Zachäus haben durch ihre Begegnungen mit Gott auch etwas fürs Leben gelernt.
Noch andere Persönlichkeiten des alten und neuen Testaments teilen in diesen von Sofia Fritz intuierten Dialogen ihre Lebenserfahrungen. Die junge Autorin und noch Studentin besitzt eine große Gabe, Dinge, die zwischen den Zeilen der Bibel stehen, zu bemerken und zu hinterfragen. Mit psychologischem Tiefblick fragt sie sich, wie es Eva nach dem Sündenfall ergangen sein mag, wie es manche von Salomons Frauen geschafft haben, sich mit ihrem Schicksal abzufinden, wie sich Petrus gefühlt haben muss, nachdem er den Herrn verleugnet hatte.

Es ist eine unkonventionelle Art, sich eine Begegnung mit Gott im heutigen Leben vorzustellen: im Leben von Gleichaltrigen, von Menschen, die vom Weg abgekommen sind, oder solchen, die Gott gar nicht suchen. Die Autorin lässt zwischen ihren Zeilen deutlich das Lebensgefühl ihrer Generation durchscheinen: einer Generation, die einem verlorenen Selbstwertgefühl nachtrauert, sich echter Liebe sehnt und nicht selten von Existenzängsten geplagt wird. Sicher spricht sie auch für viele Menschen, die nach Gott suchen, sich nach einer Beziehung zu ihm sehnen, aber „keine Lesebestätigung für ihre Gebete erhalten“.
Ein gekonnt geschriebenes und inspirierendes Buch, das gerade jungen Menschen Impulse geben kann, sich mit der Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen. Empfehlenswert!

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Das Jetzt Gottes…

… damit meint Papst Franziskus die heutige Jugend. Mit seinem neuen Schreiben „Christus vivit“ wendet sich der Pontifex gerade an die heranwachsende Generation. Er ermutigt junge Menschen, sich Christus zu öffnen und Ihm ohne Angst zu folgen. Den Hirten legt er nahe, neue Wege einer Jugendpastoral zu gehen und der Kirche zu einer neuen Jugendlichkeit zu verhelfen.
Ein erster Zugang zu diesem umfangreichen nachsynodalen apostolischen Schreiben bietet die Zusammenfassung von Andrea Tornielli, dem  Chefredakteur von VaticanNews.

In der Dropbox können unterschiedliche Dateiformate des Papstschreibens herunter geladen werden, die uns Andreas Wildhaber vorbereitet hat.

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